Saatgut, Sorten, GVO-Kompetenz: erfolgreiche Verwaltungszusammenarbeit mit Bulgarien
Sicheres Saatgut ohne GVO
Österreich hat ein höchst effizientes Qualitätssystem „Saatgut-Zertifizierung“, das Sicherheit vom Ausgangssaatgut bis zur Vermarktung des saatfertigen Saatgutes bietet. Die Saatgut-Gentechnikverordnung sieht vor, dass die Erstuntersuchung einer Saatgutpartie in jedem Fall ein negatives Ergebnis aufweisen muss, was bedeutet, dass keinerlei Spuren von GVO nachgewiesen werden dürfen. Seit 2001 wird auf Basis dieser Regelung ein zuverlässiges GVO-Monitoringsystem bei den Kulturarten Mais, Sojabohne und Raps durchgeführt. Es kommt nicht nur im Anerkennungs- und Zulassungsverfahren von Saatgut zur Anwendung, sondern auch im Zuge der Sortenzulassung. Außerdem wird Saatgut, das aus EU- oder Drittländern nach Österreich gelangt und hier verkauft wird, kontrolliert. Diese Leistungen erbringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Saatgut gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Kompetenzzentrums Biochemie, die die Samen- bzw. Blattproben weiter aufarbeiten und im Labor einer genauen Analyse auf GVO-Verunreinigungen unterziehen.
Erfolgreiches Twinning Light mit Bulgarien
Die AGES hat zu diesem Thema ein Twinning Light-Projekt mit Bulgarien im Juli 2010 erfolgreich abgeschlossen. Twinnings (siehe Informationen der Europäischen Kommission und Informationen des österreichischen Außenministeriums) sind von der EU finanzierte Projekte für den Auf- und Ausbau öffentlicher Strukturen („Institution Building“). Damit sollen interessierte Länder unterstützt werden, den „acquis communautaire“ (den Gesamtbestand der für die EU-Mitgliedstaaten verbindlichen Rechte und Pflichten) zu übernehmen. Administration und Gesetzgebung in den jeweiligen Ländern werden durch die gezielte und nachhaltige Zusammenarbeit während des Projekts gestärkt. Den erfahrenen Expertinnen und Experten aus den Mitgliedstaaten kommt eine beratende und unterstützende Funktion bei der effizienten Umsetzung des EU-Rechts zu. Die Inhalte sind voll auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Partnerbehörden des ausschreibenden Staates abgestimmt. Der Kreis der begünstigten Länder wurde in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet, sodass auch Staaten ohne Beitrittskandidatenstatus von diesem Förderinstrument profitieren können.
Expertinnen und Experten der AGES unterstützen die bulgarischen Kollegen
Im Rahmen einer Übergangsfinanzierung („Transition Facility“) suchte die bulgarische Saatgut- und Sortenzulassungsbehörde (Executive Agency for Variety Testing, Field Inspection and Seed Control EAVTFISC) um Unterstützung beim Aufbau der administrativen Kapazität in Bezug auf die Kontrolle von GVO-Verunreinigungen im Saatgut an. Die AGES war als kompetenter Projektpartner mit dem Institut für Saatgut und dem Institut für Sortenwesen aus dem Bereich Landwirtschaft und dem Kompetenzzentrum Biochemie aus dem Bereich Kompetenzzentren beteiligt. Zusätzliche Unterstützung kam von Kurzzeitexperten aus Portugal und Spanien. Schwerpunkt des Projekts waren das Erkennen und Vermeiden von Verunreinigungen mit GVO in Saatgut, vom Ausgangssaatgut über die Vermehrung bis zum fertigen Produkt. Hierbei handelt es sich um ein Themengebiet, in dem die Expertinnen und Experten der AGES ihre bulgarischen Kolleginnen und Kollegen durch umfassendes Wissen und langjährige Erfahrung optimal betreuen konnten. Das österreichische Know-how wurde durch jenes der portugiesischen Kollegin und des spanischen Kollegen ideal ergänzt, da beide über die praktische Anwendung von GV-Mais – der auf den Sortenlisten dieser Länder steht – berichten konnten.
Die Projektumsetzung erfolgte innerhalb eines halben Jahres in drei Themenschwerpunkten: Schulung der Laborexperten, Erkennen und Vermeiden von GVO in Saatgutanerkennung und Saatgutverkehrskontrolle sowie der Umgang mit GVO in der Sortenzulassung. In vielfältigen und umfassenden Seminaren und Workshops wurde den Teilnehmern die effiziente Umsetzung des EU-Rechts und der damit verbundene notwendige Aufbau entsprechender Verwaltungsstrukturen theoretisch und praktisch vorgestellt. Zusätzlich wurde umfangreiche technische Expertise vermittelt. Der Großteil der Schulungen wurde in Bulgarien durchgeführt, als Ergänzung besuchten die bulgarischen Expertinnen und Experten im Rahmen zweier Studienaufenthalte die AGES in Wien. Workshops in den Labors bzw. auf Vermehrungsflächen und auf den Flächen der AGES-Versuchsstation, Seminare, aber auch Besichtigungen von AGES-Einrichtungen sowie von Betrieben rundeten das interessante Programm ab.
Zukünftige Zusammenarbeit
Die bulgarischen Expertinnen und Experten betonten, dass sie mit der Betreuung durch die Kolleginnen und Kollegen der AGES höchst zufrieden waren. Umgekehrt konnten die österreichischen Expertinnen und Experten vom regen Erfahrungs- und Wissensaustausch ebenso profitieren wie von interessanten Einblicken in einen für so manchen noch unbekannten Mitgliedstaat der EU. Als Resultat der positiven Erlebnisse und der erfolgreichen Durchführung des Projektes wird eine weitere Zusammenarbeit von beiden Projektpartnern angestrebt.
Kontakt:
Alexandra Ribarits
Tel: +43 (0)50 555-34914
E-Mail: alexandra.ribarits@ages.at
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Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
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