ERSTELLT: 04.08.2011
Fotos: AGES/Institut für Sortenwesen (Weizen: C. Flamm, Mais: H. Felder, Kartoffel und Sojabohne: J. Engel)

Ackerkulturen sind weitgehend unabhängig von einer Bestäubung durch Insekten

Viele Kulturpflanzen zur Lebensmittel-, Futtermittel- und Rohstofferzeugung sind Selbstbestäuber (z. B. Kartoffel, Gerste, Weizen, Sojabohne, Erbse). Das bedeutet, dass diese Pflanzen weder Wind noch andere Bestäuber zur Pollenübertragung für ihre Befruchtung benötigen. Abgesehen von den Obstkulturen werden vergleichsweise wenige landwirtschaftliche Nutzpflanzen (z. B. Kürbis) durch Insekten bestäubt.

Vor allem Wind und Tiere verbreiten Pollen und bewirken dadurch die Fremdbestäubung zahlreicher Pflanzenarten. Zu den Blüten besuchenden Insekten zählen Honigbienen, eine Vielzahl von Wildbienen, Hummeln, Wespen, Fliegen, Schmetterlinge und Käfer.

Eine Bestäubung durch Insekten hat bei den fremdbefruchteten Kulturpflanzen meist einen positiven Einfluss auf Fruchtansatz, Qualität und Ertrag. Dennoch sind nur wenige Nutzpflanzen in der österreichischen Landwirtschaft für eine zufriedenstellende Fruchtproduktion und damit Ertragsleistung auf eine Insektenbestäubung angewiesen.

Neben der Honigbiene tragen eine Reihe anderer Insekten zur Bestäubung von Pflanzen bei

(Fotos: R. Moosbeckhofer, AGES/Institut für Bienenkunde)

Auf Grundlage der Daten der Statistik Austria (Juli 2011) erfolgte eine Einschätzung, welcher Anteil der landwirtschaftlichen Produktionsfläche (Ackerland, Obst und Wein) in Österreich auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen ist. In die Berechnungen flossen Daten der angebauten Feldfrucht-, Feldgemüse- und Obst-Arten, des Weinbaus und der Saat- und Pflanzgut-Produktion ein.

Insgesamt betrachtet sind 89 % der Feldfrucht- und 81 % der Feldgemüseflächen (mehr als 1.200.000 Hektar des Ackerlandes) unabhängig von einer Insektenbestäubung.


„Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Produktion (Ackerland, Obst und Wein) in Österreich von der Bestäubung durch Insekten - eine Abschätzung"


Obstanlagen sind zu einem großen Teil (Ausnahme ist Holunder und zum Teil Beerenobst) von der Bestäubung durch Insekten abhängig, haben in dieser Berechnung aber nur einen Flächenanteil von 1 %. Hingegen sind Weinreben mit 3 % der Fläche grundsätzlich unabhängig von einer Insektenbestäubung.

Fotos: J. Engel/Institut für Sortenwesen, R. Moosbeckhofer/Institut für Bienenkunde)
Foto: J. Engel

Auf 1.364.000 Hektar (93 % der berücksichtigten  landwirtschaftlichen Nutzfläche, d. h. Ackerland, Obst und Wein - exklusive Grünland) werden Feldfrüchte angebaut. Von diesen sind 2 % (Kürbis, Erdbeeren) stark bzw. 9 % in unterschiedlichem Ausmaß (z. B. Ertragssteigerung bei Ölfrüchten) von einer Bestäubung durch Insekten abhängig. Somit sind 89 % der Ackerkulturen in Österreich (bezogen auf die Fläche) unabhängig von der Insektenbestäubung. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Feldgemüseproduktion. Bei den Gemüsekulturen sind 81 % der Fläche unabhängig von einer Bestäubung durch Insekten, auf 12 % ist diese förderlich (Ertragssteigerung, besserer Fruchtansatz; z. B. Bohnen, Melanzani), aber nicht zwingend notwendig. 7 % der Fläche (z. B. Gurken, Melone, Kürbis) sind stark von einer Insektenbestäubung abhängig.

Grünland wurde aufgrund der sehr unterschiedlichen Artenzusammensetzung in dieser Übersicht nicht bewertet. Auch Saatgut stellt einen Sonderfall dar. Je nach Pflanzenart kann eine erfolgreiche Saatgutproduktion von einer Bestäubung durch Insekten abhängen, während in der Konsumproduktion diese Bestäubungsleistung nicht erforderlich ist (z. B. bei Blatt- und Wurzelgemüse).

Rückfragehinweis:

AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation
Tel.: +43 (0)50 555-25000
E-Mail: presse@ages.at

Fachlich:
DI  Dr. Alexandra Ribarits
Institut für Saatgut
Tel.: 050 555-34914
E-Mail: alexandra.ribarits@ages.at

Dr. Rudolf Moosbeckhofer
Institut für Bienenkunde
Tel.: 050 555-33121
E-Mail: rudolf.moosbeckhofer@ages.at

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