Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen
Im Rahmen der eigentlichen Risikobewertung werden die gesundheitsbezogenen Grenzwerte (ADI, ARfD) der möglichen Exposition (MRL) gegenübergestellt. Für den Konsumenten entspricht die Exposition der Aufnahme der zu bewertenden Substanz über die Nahrung.
Für die Risikobewertung von Pflanzenschutzmittelrückständen auf Lebensmitteln gilt, dass auch die im ungünstigsten Fall zu erwartende Aufnahmemenge des Rückstandes über die Nahrung kleiner sein muss als der toxikologische Grenzwert (ADI bzw. ARfD). Dabei wird sowohl eine einmalige Aufnahme (üblicherweise über eine Mahlzeit/Portion) als auch eine lebenslange Aufnahme von Pflanzenschutzmittelrückständen berücksichtigt.
Führt die Abschätzung der Aufnahmemengen zu einer Überschreitung der Wirkstoffmenge, die als kritisch für den Konsumenten angesehen wird, muss dem Risiko durch entsprechende Maßnahmen des Risikomanagements begegnet werden. Dies bedeutet dann beispielsweise eine Verlängerung der Wartezeit, eine Verringerung der Aufwandmenge oder auch die Verweigerung der Zulassung bzw. der Verzicht auf eine Anwendung.
Die oft genannte Kombinationswirkung von Pflanzenschutzmittel-Rückständen wird in diversen wissenschaftlichen Gremien international diskutiert. Ein entsprechendes Modell zur Risikoabschätzung für den Konsumenten existiert zurzeit nicht. In Konzentrationsbereich, in dem Pflanzenschutzmittel-Rückstände angesiedelt sind, ist eine "kumulative", d.h. kombinatorische Wirkung nicht anzunehmen. Gleichwohl wurde im Winter 2006/2007 ein diesbezüglicher Workshop, der von der EFSA (European Food Safety Authority) initiiert wurde, abgehalten. Dieser Workshop diente als Start zu einer möglichen Entwicklung eines Modells zur wissenschaftlichen Risikoabschätzung. Ausgangspunkt war, dass es möglicherweise vorstellbar sei, dass eine additive Wirkung zu beobachten sein könnte, wenn Wirkstoffe mit dem gleichen Wirkungsspektrum zur Anwendung kommen (beispielsweise Phosphorsäureester hinsichtlich ihrer Cholinesterase-Hemmung). Es sind jedoch weitere wissenschaftliche Arbeiten notwendig.
Da derzeit kein wissenschaftlich fundiertes Modell zur Bewertung einer möglichen Kombinationswirkung von Wirkstoffen bekannt ist, bleibt weiterhin eine solide Einzelstoffbewertung - wie von der AGES praktiziert - das Mittel der Wahl.
Pflanzenschutzmittelbewertung und -zulassung
Institut: Pflanzenschutzmittelbewertung und -zulassung
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin
- Klarstellung zu Global 2000-Falschinformation betreffend Maisbeizmittel und Bienenprojekt
- AGES zu Bienenschutz und Schädlingsbekämpfung
- AGES-Kupferprojekt - 2. Zwischenbericht verfügbar
- Pflanzenschutzmittelregister
- Pflanzenschutz im Frühjahr 2009
- Befristete Zulassung von Streptomycin 2009
- Neue Auflagen für insektizide Beizmittel für den Anbau 2009
- Pflanzenschutz im Frühjahr 2010
- Pflanzenschutz im Frühsommer 2009
- Befristete Zulassung von Streptomycin 2010
- Pflanzenschutz im Frühsommer
- Restriktiver Streptomycineinsatz 2009
- Österreichische Beizmittelstrategie 2009/10
- Streptomycineinsatz 2010
- AGES-Bericht "Geprüfte Pflanzenschutzmittel"
- Pflanzenschutzmittel-rückstände EU-weit harmonisiert
- Zulassung und Risikomanagment
- Fachbereich Ökotoxikologie
- Umweltverhalten und Ökotoxikologie
- Toxikologie
- Bewertung von Pflanzenschutzmitteln
- Rückstandsverhalten
- Bewertung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln
- Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen
- Stellungnahme der AGES zur Toxizität von Glyphosat
- Stellungnahme zu teratogenen Effekten von Glyphosat
- Pflanzenschutzmittel
- AGES-Kupferprojekt
- Merkblatt Insektizid-gebeiztes Saatgut
- Zulassungen bei Gefahr im Verzug
- Befristete Zulassung von Streptomycin 2011
- Thiamethoxam in Grundwasser
- Neues Pflanzenschutzmittelrecht – Fragen und Antworten
- Pflanzenschutzmittel
- Anerkannte Versuchseinrichtungen
- Pflanzenschutzgeräte
- Archiv
- Bewertung von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln
- Institut für Bienenkunde - Ihr Partner in Bienenfragen
- Populärwiss. Publikationen
- AGES-Projekt zu Bienengesundheit
- AGES-Projekt untersucht Bienengesundheit
- Höchstwert, MRL
- Toxikologische Bewertung
- Einflussfaktoren auf die Menge der Rückstände
- Runder Tisch Resistenz
- Links
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit