Einleitung
Die Winden-Glasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus) ist der einzige wissenschaftlich erwiesene Überträger (Vektor) der Schwarzholzkrankheit vom Typ Stolbur an Wein. Diese Zikade hat als Nahrungspräferenz vor allem Unkräuter wie Ackerwinde, Brennessel, Löwenzahn und andere. Die Rebe befliegt sie nur sekundär. Als weitere, potentielle Vektoren von Stolbur kommen u.a. folgende Zikaden in Frage: Anoplotettix fuscovenosus, Neoaliturus fenestratus, Mocydia crocea, Reptalus panzeri, Psammotettix spp., und Laodelphax striatellus.
Schadorganismus
Die Zikade weist nur einen Generationszyklus pro Jahr auf. Die Weibchen legen ihre Eier an Beikräutern dicht über der Erdoberfläche ab. Aus den Eiern entwickeln Larven, die in Nestern in der Wurzelregion der Wildkräuter unter der Erdoberfläche leben. Die Larven wandern Ende des Sommers in den Boden, durchleben alle 5 Entwicklungsstadien vom Ei bis zum geschlechtsreifen Tier unterirdisch. Je tiefer die Temperaturen im Winter, desto tiefer wandern die Larven in die Erde. Im Zeitraum Juni/Juli des folgenden Jahres verlässt die geflügelte Zikade den Boden. Von da an beträgt die Flugzeit der Zikade ca. 2 Monate.
Symptome
Durch Unterbindung des Saftstromes kommt es zu den den typischen Symptomen wie: goldgelbes Blattvergilben, Blatteinrollen nach außen, gestauchte Internodien, Schwarze Pusteln an einjährigen Trieben, unregelmäßige Holzausreifung an einjährigen Trieben, eingeschrumpfte Beeren und bitterer Geschmack.
Wirtspflanzen
Stolbur Phytoplasmen wurden u. a. in folgenden Wirtspflanzen gefunden, an denen sich die Zikade infizieren kann: Ackerwinde (Convolvulus arvensis), Zaunwinde (Calystegia arvensis), Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum), Große Brennessel (Urtica dioica), Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris), Raukenblättriges Kreuzkraut (Senecio erucifolius), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Gemeine Pfeilkresse (Cardaria draba), Löwenzahn (Taraxacum officinale), Aufgeblasenes Leimkraut (Silene vulgaris), Weißer Stechapfel (Datura stramonium), Gemeine Wegwarte (Cichorium sp.), Wolfsmilch (Euphorbia sp.), Feld-Mannstreu (Eryngium sp.), Distel (Sonchus sp.), Lavendel (Lavandula sp.), Weinrebe (Vitis vinifera), Uferrebe (Vitis riparia),
Verbreitung
Die Winden-Glasflügelzikade kommt im südlichen Mitteleuropa, im Mittelmeergebiet, Süd-Russland, Kasachstan und Kleinasien vor. Auch in Österreich ist die Art vertreten, wenn auch sehr selten. Sie ist wärmeliebend und lebt auf Brachen und in Ruderalbiotopen.
Vorbeugung und Bekämpfung
Es sollte nur zertifiziertes Rebgut verwendet werden. Heißwasserbehandlungen des Rebguts schützen zusätzlich.
Kulturmaßnahmen, um den Befallsdruck zu mindern
Die Ackerwinde (Convolvulus arvensis) muss konsequent bekämpft werden, da sie die wichtigste Wirtspflanze des Vektors und das Hauptreservoir der Pathogene ist.
Im Herbst sollte man den Weingarten umpflügen, um die Larven von Hyalesthes obsoletus freizulegen und mechanisch zu schädigen. Im Winter sollte man den Weingarten aufpflügen, um die Larven dem Frost preiszugeben (reduziert die Populationsdichte erheblich). Eine Bekämpfung des Vektors durch Insektizide hingegen ist nicht sinnvoll, da die Zikade die meiste Zeit ihres Lebens unter der Erde verbringt und an der Rebe nur zufällig saugt.

- Winden-Glasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus), adult (© N. Zeisner/AGES, Wien)
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