Erdraupen (Noctuidae)
Einleitung
Erdraupen ist eine ungenaue, umgangssprachliche Bezeichnung für die Boden bewohnenden Raupen verschiedener Eulenfalterarten (Noctuidae), von denen einige gelegentlich auch als Schädlinge im Weinbau auftreten können. Im engeren taxonomischen Sinne sind Erdraupen die Raupen von Arten der Gattungen Agrotis und Euxoa (Erdeulen, Bodeneulen).
Schadorganismus
Die Raupen sind graubraun, braun und gelblichbraun gefärbt, kaum merklich behaart und bis 5 cm lang. Einige Arten, wie Agrotis segetum, bilden in Mitteleuropa zwei bis drei, in Südeuropa auch mehr Generationen aus. Aus den an den Blättern verschiedener Gewächse oft in kleinen Gelegen abgelegten Eiern schlüpfen die Raupen, die in der letzten Generation jung bis halb erwachsen überwintern und sich im Frühjahr zu bräunlichen Tönnchen in einem Erdkokon verpuppen. Die aus den Puppen entstehenden Schmetterlinge fliegen je nach Art zwischen Frühsommer und Herbst.
Symptome
Die Raupen fressen an den Wurzeln und Blättern zahlreicher Kulturpflanzen. Die Fraßspuren sind deutlich zu sehen. Löcher in den Blättern deuten meist auf Erdraupen hin. Solche Pflanzen kümmern, weil der Wurzelhals angefressen oder durchgebissen ist.
Wirtspflanzen
Befallen werden viele Blütenpflanzen (Astern, Nelken, Chrysanthemen) aber hauptsächlich Salat- und Gemüsepflanzen (Bohnen, Erbsen, Spinat, Paprikafrüchte, Kohl, Schwarzwurzeln, Sellerie, Rettich, Zwiebeln, Kartoffeln), aber auch Erdbeeren und Wein.
Verbreitung
In Mitteleuropa treten im Weinbau vor allem die Raupen von Agrotis segetum (Saateule, Wintersaateule), Agrotis ipsilon (Ypsiloneule) und Agrotis exclamationis auf.
Vorbeugung und Bekämpfung
Natürliche Feinde von Erdraupen sind Amseln, Hühner, Igel, Kröten, Laufkäfer, Maulwürfe, Raupenfliegen, Schlupfwespen und Spitzmäuse. In den Weinbergen hat es sich bewährt, Unkräuter stehen zu lassen, da diese von Eulenraupen zuerst gefressen werden, bevor sie auf die Weinstöcke klettern. Ausgezeichnete Ergebnisse erbrachte die Haltung von Hühnern in Weinbergen, die für eine effektive Dezimierung der Erdraupen sorgen. Schonend bekämpfen kann man sie mit wirtspezifischen Nematodenpräparaten. Die millimetergroßen Nematoden (auch Älchen oder Fadenwürmer genannt) sind ungefährlich für Pflanze, Mensch und Umwelt. Sie dringen über die Haut oder über Körperöffnungen in ihren Wirt ein und geben symbiontische Bakterien ab, welche den Schädling schnell zum Absterben bringen. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel), die nach Kontakt oder Aufnahme des Wirkstoffes auf das Nervensystem der Raupen wirken und diese töten.

- Raupe von Agrotis segetum (Noctuidae) (© A. Kahrer/AGES, Wien)

- Falter von Agrotis segetum (Noctuidae) (© A. Kahrer/AGES, Wien)
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