Wichtige Maßnahmen für die Gesunderhaltung von Getreide am bäuerlichen Lager vor Einlagerung, Ernte und während der gesamten Lagerung
Mit der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 vom 28. Jänner 2002 wurde auch die Ebene der Urproduktion in die Lebensmittesicherheit aufgenommen. Getreide gilt daher ab Mähdrescher als LEBENSMITTEL und der Landwirt ist als Produzent für die Sicherheit des produzierten und gelagerten Getreides verantwortlich. Ziel dieser Verordnung ist die Rückverfolgbarkeit und Kontrolle des produzierten Getreides vom „Feld bis zum Teller“.
Um diesen Forderungen gerecht zu werden, sowie um Ernteverluste und Qualitätseinbußen während der Lagerung zu vermeiden, ist es wichtig vorbeugende Maßnahmen anhand eines betriebseigenen spezifischen Kontrollsystems für die Getreidelagerung einzurichten. Alle für eine ordnungsgemäße Getreidelagerung getroffenen Maßnahmen und relevanten Daten sollten dokumentiert werden.
Eine Analyse der bei der Getreidelagerung auftretenden Gefahren ergibt drei unterschiedliche Gefahrenkategorien:
1. Chemische Gefahren
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Reinigungsmitteln, Schwermetallen, Mineralölen, Düngemitteln
Gegenmaßnahmen:
Gründliche Reinigung von Ernte- und Transportmaschinen sowie Lagerräumen
Unsachgemäße Lagerung in ungeeigneten Lagerräumen vermeiden.
2. Biologische Gefahren
Insekten (Käfer und Motten)
Gegenmaßnahmen:
Leeraumbehandlung mit einem anerkannten Insektizid
Hygienemaßnahmen wie periodische, gründliche Reinigung der Vorratslager, Schädlingsmonitoring (Nachweis) mittels Pheromonfallen, Klebefallen und Köderfallen, Temperaturmessung, Kühlung, Trocknung, Entsorgung von Gerümpel und Putzabfällen, Vernichtung bereits befallener Vorräte, Ausschöpfung aller physikalischen Abwehrmethoden wie Abdichtung von Fenstern und Türen (Insektengitter), Isolierung von Decken, Wänden und Leitungen (Vermeidung von Kondenswasserbildung), verputzen von Spalten, Rissen und porösen Wänden, Behandlung befallener Vorräte mit einem anerkannten Vorratsschutzmittel (stäuben, sprühen, vernebeln, begasen), biologische Maßnahmen (Nützlinge, Kieselgur,)
Nagetiere (Mäuse und Ratten)
Gegenmaßnahmen:
Bauliche Maßnahmen wie Gitterroste vor Toren und Türen, Gummischutzleisten, entsprechende Lagerhygiene, Fallen und Köderstationen.
Vögel (Tauben Spatzen, Hühner) verunreinigen das Getreide durch Salmonellen und Bakterien im Vogelkot
Gegenmaßnahmen:
Selbstschließende Türen, Vogelschutzgitter
Mykotoxine (Pilze und Hefen in den Stoffwechselprodukten vorratschädlicher Insekten und Nagetiere)
Gegenmaßnahmen:
Möglichst trockene Einlagerung und Absenken der Lagertemperatur während der Lagerung, Schädlingsbefall wie beschrieben vermeiden
Schimmelbildung
Gegenmaßnahmen:
Feuchte Einlagerung vermeiden (Trocknung), Kondenswasserbildung und feuchte Wände durch einer entsprechenden Isolierung vorbeugen
3. Physikalische Gefahren
Eintrag von Fremdkörpern wie Glas, Steine, Kunststoffe, Metalle, Knochen usw .bei Ernte, Manipulation und Lagerung durch entsprechende Schutzmaßnahmen (Schutzgitter, Siebe) vermeiden.
Für eine integrierte Schädlingsbekämpfung ist ein Mindestmaß an biologischen Kenntnissen über in Österreich häufig vorkommende Vorratsschädlinge unerlässlich!!
In Österreich häufig an Getreide vorkommende Schadinsekten unterteilt man in:
Primärschädlinge
Sie sind in der Lage Vorräte neu zu befallen und schaffen durch ihre Fraßtätigkeit und deren Folgeschäden abiotische Bedingungen, die anderen Insekten und Mikroorganismen die Ansiedlung ermöglichen.
Kornkäfer (Sitophilus granarius)
Bedeutendster und häufigster Schädling am bäuerlichen Lager, 3-4 mm langer Rüsselkäfer, Farbe dunkelbraun bis schwarz, flugunfähig, kälteresistent (-10°C), kommt im Freiland auf Eicheln vor, Eiablage 200-300 Eier/Weibchen, Entwicklungszeit bei 21°C 42 Tage, Entwicklung bis zu Kornfeuchten von 10% möglich, 2-3 Generationen jährlich. Die Larve entwickelt sich zur Gänze im Korn. Schadbild: Tiefe unregelmäßige Fraßlöcher, Körner ausgehöhlt, erhöhte Temperatur, muffiger Geruch.
Reiskäfer (Sitophilus oryzae)
Im Erscheinungsbild ähnlich dem Kornkäfer, 2,5-3,5 mm groß, mit mattbraunen Flügeldecken und vier undeutlich umgrenzten gelbbraunen Flecken, flugfähig, kälteempfindlich (0°C), Entwicklung, Schadbild und Lebensweise ähnlich dem Kornkäfer.
Sekundärschädlinge
Sie können Getreidevorräte nur dann befallen, wenn ein gewisser Prozentsatz an Bruchgetreide oder von Primärschädlingen angefressene Getreidekörner vorhanden sind.
Getreideschmalkäfer (Oryzaephilus surinamensis)
2-3 mm langer, schlanker, dunkelbrauner Käfer, an den Brustschildseiten je 6 „Zähne“, Bewegung flink, ameisenartig, flugfähig. Larvenentwicklung bis 14°C möglich, Eiablage ca. 300 Eier/Weibchen, Entwicklungszeit etwa 1 Monat (bei 24 °C). Bei Befall Erwärmung des Getreides, bildet Wärmenester (Hot spots)
Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer (Cryptolestes ferrugineus)
1-2 mm langer, flacher, brauner Käfer mit langen Fühlern, am Halsschild beiderseits mit feiner Linie, flugfähig, kälteresistent (-5°C). Entwicklungszeit 2,5 Monate (bei 21°C), Eiablage ca. 300 Eier/Weibchen, eine Entwicklung ist noch bei einer Getreidefeuchte von unter 12 % möglich. Bei befall Fraß am Keimling, Bruchgetreide erhöht den Schaden, Erwärmung, bildet „hot spots“.
Amerikanischer Reismehlkäfer(Tribolium confusum, T. castaneum)
3,5-4,2 mm langer rotbrauner Käfer mit zur Spitze hin charakteristisch verdickten Fühlergliedern. Die Entwicklungszeit beträgt bei 22°C 3,5 Monate, kälteempfindlich ab 0°C, Eiablage bis zu 400 Eier /Weibchen. Die Larven sind mehlwurmähnlich, gelbbraun und ca. 5 mm lang. Bei Befall leere Larvenhäute in der Ware sichtbar, muffiger Geruch und Erwärmung.
Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)
Häufiger und bedeutender Schädling in Getreidespeichern, Mühlen, Lagerhäusern, Haushalten, an Getreide, Futtermitteln, Mahlprodukten, Dörrobst usw. Der Falter ist in Ruhestellung 8 mm lang und an der spitzenseitigen Hälfte der Vorderflügel kupferrot, die andere Hälfte der Flügel ist gelbbraun. Die Entwicklungszeit beträgt etwa 5-6 Monate. Der Schädling ist winterhart. Die Eiablage der Weibchen beträgt 200-400 Eier. Die Larven sind 12-16 mm lang, gelblich mit brauner Kopfkapsel. Es entwickeln sich 2 Generationen jährlich Bei Befall der Ware erfolgt eine Verunreinigung durch Spinntätigkeit und Kot, durch Fraß am Keimling kommt es zu erheblichen Qualitäts- und Gewichtsverlusten.
Mehlmotte (Ephestia kuehniella)
Häufiges Vorkommen an Mahlprodukten aller Art in Mühlen Bäckereien, Futtermitteln, Getreidelagern und Haushalten. Die Falter haben in Ruhestellung die Flügeln dachförmig angelegt sind 10-14 mm lang, Farbe bleigrau mit leicht gezackten dunklen Querbändern. Die Entwicklungszeit beträgt je nach Temperatur 1,5-3 Monate. Eiablage pro Weibchen 200-600 Eier. Die Larven sind gelblich- bis rötlichweiß, 18-20 mm lang, mit bräunlicher Kopfkasel, 2 Generationen jährlich. Minustemperaturen von -10°C werden gut vertragen, bei entsprechenden Temperaturen (18-20°C) entwickeln sich bis zu 4 Generationen jährlich. Ein Befall wird in erster Linie durch die enorme Spinntätigkeit der Larven sichtbar.
Speicher- oder Heumotte (Ephestia elutella)
Die Speichermotte ist in Erscheinungsbild, Lebensweise und Schadbild der Mehlmotte ähnlich, etwas kleiner (12 mm lang) und die Flügel sind eher rötlichbraun. Die Eiablage pro Weibchen beträgt 100-150 Eier. Es entwickeln sich 2 Generationen jährlich.
Die Bekämpfung erfolgt durch stäuben (Pyrethrum, Kieselgur), sprühen (Chlorpyrifos-methyl), begasen (Phosphorwasserstoff) oder biologisch durch die Mehlmottenschlupfwespe (Habrobracon hebetor).
Kornmotte (Nemapogon granellus)
Auftreten in alten, ungeeigneten, feuchten Lagerräumen an überlagerten Getreide (Roggen), unbeobachteten Vorräten und morschem Holz. Falter in Ruhestellung 5-6 mm lang, winterhart, Vorderflügel cremefarbig mit dunkelbraunen Flecken. Zwischen 100 und 200 Eiern werden in den befallenen Vorräten abgelegt, es entwickeln sich zwei Generationen jährlich. Fraß am Keimling und Klumpenbildung in den befallenen Getreidevorräten
Getreidemotte (Sitotroga cerealella)
Die Getreidemotte ist in Ruhestellung etwa 6mm groß, gelblich mit dunklen Punkten, kälteempfindlich, eine Überwinterung im ungeheizten Lager ist jedoch möglich. Die Falter haben eine hohe Vermehrungsrate (200-300 Eier) sind dämmerungsaktiv und haben in Europa 1 Generation pro Jahr. Im Getreide entwickelt sich pro Korn 1 Larve, im Mais können sich auch mehrere Larven pro Korn entwickeln.
Milben (Spinnentiere)
Mehlmilbe (Acarus siro L.)
Hausmilbe – Getreidemilbe (Lepidoglyphus destructor De Geer)
Auftreten in Mahlprodukten und an Getreide, besonders bei hoher Getreidefeuchte oder feuchter Lagerung. Die Milben sind 0,3-0,5 mm groß. Die Weibchen legen bis zu 30 Eier. Die Entwicklung der Larven (Nymphen) zu erwachsenen Milben dauert 2-4 Wochen. Bei ungünstigen Bedingungen entwickelt sich eine sehr widerstandsfähige Dauerform (Hypopusstadium). Dieses Entwicklungsstadium ist kaum zu bekämpfen und in der Lage 1-2 Jahre zu hungern. Bei Massenbefall ist das Getreide mit einer hellen Staubschicht aus Milben und Stoffwechselprodukten überzogen. Vermilbte Nahrungsmittel sind für Mensch- und Tier absolut ungenießbar.
Auch am bäuerlichen Lager sind die Grundsätze einer modernen Lagerhaltung einzuhalten. Gründliche Reinigung der Vorratslager, Ernte- und Transportmaschinen vor der Einlagerung und Ernte bilden das Grundgerüst einer ordentlichen Lagerhaltung. Während der Lagerung ist eine periodische Reinigung der Lagerräume, eine wöchentliche Kontrolle der Temperatur des gelagerten Getreides, bei Bedarf Kühlung und ein Schädlingsmonitoring für die Gesunderhaltung des Getreides unerlässlich. Um Verschleppung und
Zusammenfassung
Eintrag von Schadorganismen zu vermeiden, müssen auch alle Einrichtungen zur Beförderung und Manipulation des Getreides regelmäßig gründlich gereinigt und bei Bedarf einer Behandlung mit einem geeigneten Vorratsschutzmittel unterzogen werden. Zur Kontrolle der lagernden Getreidevorräte sind Hilfsmittel wie Durchlaufsieb, Käferfallen, Getreidestecher, Lupe, Pinzette und Thermometer zur Temperaturkontrolle unbedingt notwendig. Zur Bestimmung und sachgemäßen Bekämpfung eventuell auftretender Vorratsschädlinge ist der Ankauf einer Vorratsschutzbroschüre anzuraten. Bei Schädlingsbefall ist eine Bekämpfung mit einem anerkannten Vorratsschutzmittel durchzuführen. Die Bekämpfung kann herkömmlich durch stäuben (Pyrethrum), sprühen oder vernebeln (Pyrethrum, Chlorpyrifos-methyl)oder begasen (Phosphorwasserstoff)erfolgen. Eine Bekämpfung im biologischen Landbau wäre mit Parasiten wie Lariophagus distinguendus beim Kornkäfer (in Österreich nicht registriert), Erzwespen (Trichogrammen) bei Motten bzw. durch stäuben mit Kiesegur bei Käfern möglich.
Die in Österreich zugelassenen Vorratsschutzmittel können im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel eingesehen werden.
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