Aufbau einer PRA
Grundsätzlich setzt sich die Risikoanalyse aus drei Abschnitten zusammen:
1. Anlass zur Risikoanalyse - initiation -
In diesem Abschnitt wird geklärt, um welchen Schadorganismus es sich handelt, welche grundsätzlichen Eintrittswege in Frage kommen und für welches geografische Gebiet das Risiko abgeschätzt werden soll (PRA-area)
Es gibt verschiede Gründe, weshalb eine PRA begonnen wird:
Organismusbezogen (pest initiated):
- ein neuer Organismus wird im Land nachgewiesen oder bei Grenzkontrollen abgefangen.
- Ein Schadorganismus ist noch nicht im Land vorhanden wird aber als potentiell gefährlich eingeschätzt. Das Risiko soll vorab für ein Gebiet geklärt werden.
Eintrittswegbezogen (pathway initiated):
- ein neues Produkt (z. B. exotische Pflanzen oder Früchte) soll gehandelt werden und evaluiert werden, welche Krankheiten und Schädlinge dadurch eventuell verbreitet werden können.
veränderte gesetzliche Entscheidungen:
- ein Staat wünscht die Änderung (Neueinführung oder Lockerung) phytosanitärer Maßnahmen, weil es beispielsweise weniger oder neue Behandlungsmöglichkeiten gegen einen Schädling gibt, wodurch sich das Schädlingsrisiko erhöht oder vermindert.
2. Pest Risk Assessment
Im Pest Risk Assessment-Teil werden die Wahrscheinlichkeit von Eintritt, Etablierung, Ausbreitung und die wirtschaftlichen Auswirkungen ausführlich analysiert. Dies erfolgt auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, Nachweisen über das Auftreten von Schadorganismen im internationalen Warenverkehr und anderen relevanten Daten wie z.B. Handelsdaten, Klimadaten, etc.
Wahrscheinlichkeit des Eintritts (entry)
Zuerst wird ermittelt, wie ein Schadorganismus in ein Gebiet gelangt ist, oder gelangen könnte. Dadurch ergeben sich die sogenannten Eintrittswege (pathways). Schädlinge und Krankheiten können passiv zum Beispiel durch Handel mit Früchten, Schnittblumen, lebenden Pflanzen, Saatgut, anhaftender Erde oder in Verpackungsmaterial sowie durch Strassen-, oder Flugverkehr verbreitet werden. Insekten können des Weiteren aktiv einwandern oder durch Wind verdriftet werden. Beanstandungen von Schadorganismen in bestimmten Waren und deren Herkunft geben Aufschluss über die wahrscheinlichste Eintrittsstelle. Die Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn der Schadorganismus im Ursprungsgebiet sehr häufig und weit verbreitet ist, große Mengen an potenziell infiziertem Material gehandelt werden und es keine speziellen Regulierungsmaßnahmen gibt, z.B. keine phytosanitären Importkontrollen zur Kontrolle anderer Schadorganismen für diese Ware.
Im Folgenden werden Beispiele genannt, wie Schädlinge über verschiedene Eintrittswege verbreitet wurden:
- Einschleppung mit Verpackungsmaterial: Sowohl der Citrusbockkäfer (Anoplophora chinensis (http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzengesundheit/citrusbockkaefer/) als auch der Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) wurden in hölzenen Transportkisten gefunden, in welchen Natursteine aus China nach Europa importiert wurden.
- Einschleppung mit Pflanzgut: Kartoffelzystennematoden (Globodera rostochiensis und Globodera pallida (http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzengesundheit/nematoden/kartoffelzystennematoden/) wurden wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Kartoffeln aus Südamerika nach Europa eingeschleppt.
- Einschleppung mit Pflanzen: Der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) wurde mehrfach durch Pflanzenhandel aus Nordamerika in andere Erdteile verschleppt, auch nach Europa, wo er ein bedeutender Glashausschädling an Gemüse und Zierpflanzen ist.
- Einschleppung im Flugzeug: Der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera (http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzengesundheit/maiswurzelbohrer/) wurde erstmals in Europa 1992 in der Nähe des Flughafens von Belgrad festgestellt. Die Tiere waren wahrscheinlich als blinde Passagiere dorthin gelangt.
Wahrscheinlichkeit der Etablierung (establishment)
Ob sich ein neu eingeschleppter Schadorganismus zu einem Problem entwickelt, hängt davon ab, ob er sich dauerhaft in einem Gebiet etablieren kann. Tropische Schädlinge können in kühl gemäßigten Klimaregionen im Freiland den Winter üblicherweise nicht überleben, jedoch in Glashauskulturen Schäden anrichten. Für das Überleben ist weiters relevant, ob entsprechende Wirtspflanzen, genügend Geschlechtspartner, Nistplätze oder Verstecke vorhanden sind. Zur Abschätzung der Etablierungsmöglichkeit einer Art, werden Informationen über das Klima der Herkunftsregion sowie Wirtspflanzen erhoben und mit der „Risikoregion“ verglichen. Mit speziellen Computermodellen, die die klimatischen Ansprüche einer Art und Klimadaten kombinieren, können die zur Etablierung geeigneten Gebiete dargestellt werden. In diesen Gebieten vorhandene Wirtspflanzen sind besonders gefährdet. Am Institut für Pflanzengesundheit der AGES wird zur Etablierungsprognose von Schadorganismen das Computerprogramm CLIMEX verwendet.
Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung (spread)
Die Ausbreitungswahrscheinlichkeit des Schadorganismus steht in engem Zusammenhang mit den zu ergreifenden Kontroll- bzw. Eindämmungsmaßnahmen. Es wird erhoben, ob die Ausbreitung aktiv oder passiv erfolgt, wie rasch diese vonstatten geht, ob Vektorarten oder Zwischenwirte nötig sind und diese gegebenenfalls im Risikogebiet vorkommen. Einige tierische Schaderreger können sich fliegend sehr rasch über große Distanzen ausbreiten, was deren Eindämmung wesentlich erschwert. Manche Pathogene werden nur durch spezifische Vektorarten verbreitet, beispielsweise die gefährliche Weinkrankheit Flavescence-dorée durch die amerikanische Rebzikade Scaphoideus titanus (http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzengesundheit/flavescence-doree-amerikanische-rebzikade/). Sind diese Vektoren im Risikogebiet nicht vorhanden, besteht keine Möglichkeit der Krankheitsverbreitung.
Wahrscheinlichkeit der wirtschaftlichen Auswirkungen (economic impact)
In diesem Abschnitt wird analysiert, ob ein Schadorganismus unakzeptablen wirtschaftlichen oder ökologischen Schaden in einem bestimmten Gebiet verursachen kann. Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen hängen zum Beispiel von der Größe der Anbaufläche der gefährdeten Kultur ab, der Sortenanfälligkeit, den vorherrschenden Produktionsmethoden und der Art der Schädigung (Auswirkung auf Ernteertrag oder Erntequalität). All diese Faktoren werden für das mögliche Schadensausmaß in Betracht gezogen und die anfallenden Kosten abgeschätzt.
3. Risikominimierung - Pest Risk Management
Wenn das Gesamtrisiko eines Schadorganismus unakzeptabel ist, werden im Pest Risk Managementteil mögliche Kontroll- und Bekämpfungsstrategien evaluiert. Dabei werden einzelne Maßnahmen hinsichtlich ihrer Effizienz, Durchführbarkeit und Reproduzierbarkeit bewertet und den Kosten gegenübergestellt. Das Ziel ist, Maßnahmen oder eine Kombination von Maßnahmen aufzuzeigen, durch die das Einschleppungsrisiko reduziert wird bei möglichst geringem Handelshemmnis.
Beispiele für PRA
Metcalfa pruinosa
Grapevine flavescence dorée phytoplasma
Solanum carolinense
AGES
Ort: 1220, Spargelfeldstraße 191
Dienstort: Wien
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit