Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi)

- Kirschfruchtfliege (Fliege, Made, Puppe) und Schadbild (© P. P. Kohlhaas/AGES, Wien)
Einleitung
Die Kirschfruchtfliege ist der wichtigste tierische Schaderreger an Kirsche. Sie befällt im Juni mittelspäte und späte Kirschensorten, auch Vogel- und Heckenkirschen. Frühkirschen werden nicht befallen. Bei Befall werden die Früchte unansehnlich und leicht faulig. In Befallsgebieten sind bis zu 80 % madiger Früchte nicht selten.
Schadorganismus
Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) gehört zur Familie der Fruchtfliegen (Trypetidae oder Tephritidae). Die erwachsenen Tiere sind 4 bis 5 mm lang, mit glashellen und von dunklen Bändern durchzogenen Flügeln. Auffällig ist das am Rücken glänzende hellgelbe Rückenschildchen. Ab etwa Mitte Mai, je nach Witterung jährlich verschieden, schlüpfen die Kirschfruchtfliegen aus den Puppen, die im Boden überwintern. Die Eiablage beginnt 8 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen aus dem Boden nur bei sonnigem, warmem Wetter. Bevor sie aber Eier ablegen können, benötigen sie eine Reifungszeit, während der sie sich von den zuckerhaltigen Säften der Kirschbäume ernähren. Die Eier werden einzeln unterhalb der Fruchtschale in die sich gerade rot färbenden Kirschen gelegt. Die Maden schlüpfen nach etwa 8 Tagen, bohren sich tiefer in das Fruchtfleisch ein und fressen. Dadurch verwandelt sich das Fruchtfleisch in eine weiche, faulige Masse. Werden die Früchte reif, sind die Maden ausgewachsen, lassen sich zu Boden fallen und verpuppen sich etwa 3 cm tief im Boden. Die Puppen überwintern, im Mai des nächsten Jahres schlüpfen die Fliegen der nächsten Generation.

- Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) (© I-PGH/AGES, Wien)

- Gelbtafel (© I-PGH/AGES, Wien)
Symptome
Befallene Früchte zeigen in der Stielgegend eine bräunlich verfärbte Stelle. Das Fruchtfleisch ist um den Kern herum weich und faulig, im Inneren befindet sich eine weißliche, beinlose, bis zu 6 mm lange Made in Kernnähe.
Wirtspflanzen
Wirtspflanzen der Kirschfruchtfliege sind Süßkirsche (Prunus avium), auch Vogel- und Heckenkirschen.
Verbreitung
Kirschfruchtfliegen sind weltweit an Kirsche verbreitet.
Vorbeugung und Bekämpfung
vorbeugende Maßnahmen:
- restloses Abernten aller, auch der madigen Früchte hilft, den nächstjährigen Befall zu mindern
- Entfernen oder Umpfropfen von Wildkirschen; in Befallsgebieten keine Heckenkirschen pflanzen!
- direkte Maßnahmen:
- Gelbe Leimtafeln („Gelbtafeln“) können einen Großteil der zufliegenden Kirschfruchtfliegen abfangen und den Befall deutlich vermindern. Sie müssen zu Flugbeginn in ausreichender Menge (je nach Baumgröße 2 – 10 Tafeln) an der Außenseite der Kronen sonnseitig aufgehängt werden. Achtung: Da auch Nützlinge gefangen werden, Tafeln nur von Flug- bis Erntebeginn verwenden!
- Gezielte Behandlung mit einem zur Kirschfruchtfliegenbekämpfung genehmigten Insektizid (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel) und Netzmittelzusatz. Der Zeitraum der Reifungszeit der Fliegen (vor der Eiablage) sollte zur Bekämpfung genützt werden. Der Behandlungstermin wird mit Hilfe von Gelbtafeln bestimmt und in Form von Warnmeldungen bekannt gegeben. Vom Gartenbesitzer kann er selbst bestimmt werden: beginnende Gelbfärbung mittelspäter Sorten. Wartezeiten nach Behandlung(en) unbedingt einhalten!
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Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
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