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AKTUALISIERT: 10.08.2012

Kirschessigfliege

Kirschessigfliege (© J. Davis, California Department of Food and Agriculture, Sacramento (USA)

Einleitung
Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist ein für den Obst- und Weinbau sehr bedeutender Schaderreger aus Asien, durch dessen Einschleppung und weitere Verbreitung in Europa zukünftig massive Probleme zu erwarten sind.

Bisher ist die Kirschessigfliege nicht von der EU als Quarantäneschadorganismus gelistet (RL 2000/29/EG), aber von der EPPO (Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation) auf die EPPO A2 - Liste gesetzt.

Die Kirschessigfliege verursacht durch die Zerstörung der reifenden Früchte und die enorm schnelle Vermehrungsrate sehr große Schäden und daher auch hohe Ertragsverluste.

Schadorganismus
Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege, gehört zur Familie der Essig- und Taufliegen (Drosophilidae) und wird fälschlicherweise als Fruchtfliege bezeichnet. Die erwachsenen Fliegen sind ca. 3 mm groß und hell, besitzen rote Augen, gefiederte Fühler und die Männchen einen auffälligen schwarzen Fleck in den durchsichtigen Flügeln.

Im Gegensatz zu den anderen Vertretern der Essigfliegen sucht die Kirschessigfliege nicht gärendes, faulendes Obst auf, sondern befällt gesunde, heranreifende Früchte. Die Weibchen können mit ihrem gezähnten Eiablageapparat die Früchte aufritzen und die Eier in die Frucht hineinlegen, wo sich dann die Fliegenlarven (Maden) vom Fruchtfleisch ernähren. Die Verpuppung erfolgt in der Frucht oder im Boden. Bei optimalen Bedingungen (Temperatur um +25 °C) kann die Entwicklung vom Ei bis zur adulten Fliege in ca. 8 Tagen ablaufen und bis zu 15 Generationen pro Jahr gebildet werden, bei kühleren Temperaturen dauert die Entwicklung entsprechend länger. Die adulte Fliege überwintert an geschützten Orten, bei Temperaturen über 10 °C kann sie auch aktiv bleiben.

In Österreich sind aufgrund der vorliegenden Temperaturen wahrscheinlich mit 5 – 7 Generationen pro Jahr zu rechnen.

 

befallene Frucht mit Puppe der Kirschessigfliege (© M. Hauser, California Department of Food and Agriculture, Sacramento (USA)

Symptome
Die Kirschessigfliegen befallen heranreifende, weichschalige Früchte. Befallene Früchte zeigen kleine loch- und stichartige Beschädigungen und eingedrückte, weiche Flecken auf der Oberfläche der Früchte. Innerhalb der Früchte sind die Larven (Fliegenmaden) zu finden, die das Fruchtfleisch fressen. Zusätzlich können Sekundärinfektionen durch Pilze oder Bakterien entstehen. Der Schaden ist durch faulende Früchte erkennbar.

An betroffenen Kulturen kann bis zu 80 % und mehr Ertragsverlust auftreten.

Wirtspflanzen
Die Kirschessigfliege ist polyphag, kann also mehrere Wirtspflanzen nutzen. Sie befällt alle weichschaligen Wild- und Kulturobstarten, bevorzugt Prunus spp. (hauptsächlich Süßkirsche, aber auch Pfirsich, Nektarinen, Marillen und Pflaume), Vaccinium spp. (Heidelbeere), Rubus spp. (z. B. Himbeeren und Brombeeren), Ribes spp. (z. B. Johannis- und Stachelbeeren) und Fragaria ananassa (Erdbeere). Weitere mögliche Wirtspflanzen sind Actinidia sp. (winterharte Kiwi), Sambucus sp. (Holunder), Morus sp. (Maulbeere), Cornus spp. (Hartriegel), Diospyros kaki (Kaki), Ficus carica (Feige), Vitis vinifera (Tafel- und Weintraube) und Solanum lycopersicum (Tomaten) und Curcubitaceae (Melonen) als Gemüsepflanzen. Zusätzlich können bereits beschädigte Früchte, wie z. B. Malus domestica (Apfel) und Pyrus pyrifolia (Nashi-Birne), von D. suzukii befallen werden.

Verbreitung
Die ursprüngliche Heimat von Drosophila suzukii ist der asiatische Raum. Erst in den vergangenen Jahren (ab 2009) wurde ein Auftreten in Nordamerika (Ost- und Westküste) und Kanada und in Europa in Spanien, Frankreich, Korsika, Italien, Slowenien und im Jahr 2011 auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland festgestellt. Vermutlich erfolgte eine großräumige Verbreitung durch den Transport befallener Früchte, während eine lokale Ausbreitung (einige km) durch die mobilen Fliegen selbst möglich ist.

Bekämpfung

direkte Maßnahmen:

  • Hygienemaßnahmen:

- Entfernung und Vernichtung aller Früchte von der Anlage, Obstgarten oder Feld (vollständige Ernte, auch von Früchten, die nicht vermarktet werden)

- keine Kompostierung der Früchte, da hier ein Überleben der Fliegen möglich ist.
- Einnetzen der Pflanzen bzw. Kultur (sofern möglich)

  • Einsatz von Fallen für Monitoring (Befallsfeststellung) und zur Reduktion der Fliegenpopulation:

- geschlossene Plastikbehälter mit einem Inhalt von 0,5 – 0,75 l und seitlichen Öffnungen mit ca. 3-4 mm Durchmesser am oberen Rand; Fangflüssigkeit: Apfelessig als Lockmittel; zusätzlich kann noch eine Gelbtafel im Inneren des Behälters befestigt sein.

 

  • chemische Bekämpfung:

  - Derzeit gibt es in Österreich eine Gefahr in Verzug – Zulassung (Zulassung gem. Art. 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009) zur Bekämpfung der Kirschessigfliege mit dem Pflanzenschutzmittel „SpinTor“ (Wirkstoff: Spinosad), Pfl.Reg.Nr. 3296, im Obstbau für Erdbeeren, Steinobst (Kirsche, Weichsel, Marille, Pfirsich, Zwetschke (Pflaume)), Strauchbeerenobst (Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Holunder) und  im Weinbau. Bei der Anwendung auf den begrenzten Anwendungszeitraum achten, der von Kultur zu Kultur unterschiedlich ist – weitere Informationen siehe im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.

Nachhaltige Pflanzenproduktion

Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Adresse: 1220 Wien, Spargelfeldstrasse 191

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