Erdbeermehltau (Sphaerotheca macularis)
Einleitung
Der Erdbeermehltau ist insbesondere im geschützten Anbau ein Problem; bei anfälligen Sorten, z. B. Lambada, Darselect, Elsanta sowie bei remontierenden (immertragenden) Sorten tritt er auch häufig im Freiland auf. Wenn der Pilz günstige Bedingungen vorfindet und es schon früh in der Saison zu Infektionen kommt, können massive Schäden am Blattwerk auftreten, die die Assimilatleistung und damit auch den Blütenansatz und Ertrag im Erntejahr beeinträchtigen. Über Blüten- und Fruchtinfektionen kann sich der Erdbeermehltau auch direkt auf den Ertrag auswirken. Tritt die Krankheit erst im Spätsommer in Erscheinung, so ist der Blütenknospenansatz bereits erfolgt und sie ist auch bei stärkerem Befall ohne Bedeutung für den nächstjährigen Ertrag. In diesem Fall muß aber im nächsten Frühjahr bereits mit Mehltauproblemen gerechnet werden und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.
Schadorganismus
Sphaeroteca macularis zählt zu den Echten Mehltaupilzen. Als Ascomycet bildet er eine Hauptfruchtform aus (Kleistothezien), häufiger und in der Epidemiologie der Krankheit von größerer Bedeutung sind die in Ketten gebildeten Konidien, mit denen sich der Pilz rasch ausbreitet und zu Sekundärinfektionen im Bestand führt. Die Überwinterung erfolgt als Myzel oder Kleistothezium auf Blättern oder Fruchtmumien. Wie alle Mehltaupilze benötigt der Pilz feuchtwarme, trockene Bedingungen für seine Entwicklung, in kühlen niederschlagsreichen Saisonen ist der Erdbeermehltau von geringerer Bedeutung.
Im linken Bild sind Konidiophoren und die in Ketten angeordneten Konidien des Erdbeermehltaus zu sehen. Im rechten Bild die reifen, kugelförmigen Kleistothezien des Pilzes (braun) mit einer Vielzahl von Anhängen (hellbraun). Dazwischen kann man noch nicht reife Kleistothezienanlagen erkennen (blau gefärbt). Die Kleistothezien haben eine Größe von 60-125µm und sind mit dem freien Auge erkennbar.
Symptome
Symptome im Bestand: Der Erdbeermehltau ist eindeutig anhand der Blattsymptome zu diagnostizieren. Bei starkem Befall sind erkrankte Pflanzen schon von weitem an ihrem vertrockneten Habitus zu erkennen.
In diesem Erdbeerfeld sind zwei Sorten im Juli nach der Ernte zu sehen. Links (Reihe 1-6) die anfällige Sorte ‚Lambada’, rechts die weniger anfällige Sorte ‚Kimberly’.
Symptome an den Blättern: Das typische Symptom ist das Einrollen der Blätter nach oben, mit zunächst rötlicher Verfärbung blattunterseits. Im weiteren Verlauf trocknen die Blätter vollständig ein. Die Bildung der Hauptfruchtform des Pilzes ist sehr selten, man findet sie am ehesten bei immertragenden Sorten, wenn im Spätsommer bereits Kurztagbedingungen herrschen, bei kühleren Temperaturen und hoher Luftfeuchte.
Im linken Bild ist ein fortgeschrittener Befall mit den typischen, nach oben gerollten Blättern zu sehen, an der Blattoberseite mit rotbraunen Flecken. Im rechten Bild ein Befall in einem frühen Stadium: meist am Blattrand beginnend, mit weiss-rötlicher Verfärbung an der Unterseite, die Blattoberseite noch ohne Symptome, das Blatt beginnt sich nach oben einzurollen.
Im linken Bild ist eine beginnende Infektion an Erdbeerblättern im Folientunnel zu sehen. Im Gegensatz zu den Freilandinfektionen kann man hier den Pilz häufig auch an der Blattoberseite finden. Im rechten Bild das zarte Mycel des Pilzes an der Blattunterseite mit reifen, schwarzen Kleitothezien und unreifen weiss-gelblichen Kleistothezien.
Symptome an Blüten und Früchten: Befallene Blüten sterben meist gänzlich ab oder es entwickeln sich deformierte Früchte. Bei Infektion unreifer Früchte werden diese hellbraun und hart. Sie reifen nicht aus und die Nüsschen treten stark hervor. Werden reife Früchte befallen, so zeigen sie sehr weiche Konsistenz, an der Oberfläche kann der Pilz bei günstigen Bedingungen sporulieren, was an einem feinen Mehltaubelag sichtbar werden kann.
Im linken Bild sieht man reife und unreife Früchte, die vom Erdbeermehltau infiziert wurden. Während das Eintrocknen und nicht ausreifen von Früchten häufig im Feld beobachtet werden kann, ist die Entwicklung von Kleistothezien auf den Früchten (rechtes Bild) selten.
Wirtspflanzen
Sphaeroteca macularis ist neben Erdbeeren (Fragaria spp.) auch an Hopfen (Humulus spp.) von wirtschaftlicher Bedeutung. Darüberhinaus kommt er an einer Vielzahl von Wirtspflanzen aus der Familie der Rosaceae vor: u. a. an Odermennig (Agrimonia spp.), Frauenmantel (Alchemilla spp.), Mädesüss (Filipendula spp.), Nelkenwurz (Geum spp.), Fingerkraut (Potentilla spp.), Rosen (Rosa spp.), Himbeeren und Brombeeren (Rubus spp.) und Wiesenknopf (Sanguisorba spp.)
Darüberhinaus auch an Weidenröschen (Epilobium spp., Fam. Nachtkerzengewächse), Storchschnabel (Geranium spp., Fam. Storchschnabelgewächse).
Verbreitung
Sphaeroteca macularis tritt weit verbreitet in verschiedenen Klimazonen auf.
Vorbeugung und Bekämpfung
Vorbeugende Maßnahmen.
- Wahl des Standorts, Pflanzsystem: Windgeschützte, eingeschlossene Lagen und mehrreihige Pflanzsysteme sind für den Pilz günstig und sollten vermieden werden.
- Wahl der Sorten: Die Anfälligkeit der Sorten unterscheidet sich stark, zu den weniger anfälligen zählen z.B. Mars, Kimberly, Pegasus,
- Kulturführung: Bei zweijähriger Kulturführung sollte das Laub nach der ersten Ernte abgemäht werden, um den Infektionsdruck zu reduzieren.
- Pflanzenschutz:ist bei empfindlichen Sorten und/oder ungünstigen Lagen im Frühjahr ab längeren Perioden mit Temperaturen >15°-18°C und intensiver Blattneubildung durchzuführen. Neben Schwefel sind verschiedene synthetische Pflanzenschutzmittel zugelassen. Den aktuellen Zulassungsstand findet man im Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
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