Diese Website verwendet Cookies, um Daten für die Verbesserung der Funktionalität und Navigation unserer Homepage zu sammeln.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung für weitere Informationen zu den von uns verwendeten Cookies und wie diese zu deaktivieren sind.

Eckige Blattfleckenkrankheit der Erdbeere (Xanthomonas fragariae)

Einleitung
Xanthomonas fragariae wurde erstmals 1959 beschrieben und in den 70er-Jahren aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt. Das Bakterium verursacht eine Blattfleckenkrankheit an Erdbeeren. Die Krankheit ist in Gebieten mit wenig Niederschlag und Tröpfchenbewässerung von geringer Bedeutung. Sie kann jedoch Erdbeerfeldern mit Beregnung bzw. in Gegenden mit häufigen Niederschlägen während der Sommermonate zu einem Problem werden.
Die Verbreitung des Erregers erfolgt großräumig durch latent infiziertes Pflanzgut, kleinräumig im Feld durch die Bakterientropfen, die durch Wind, Insekten, Pflücker von Pflanze zu Pflanze getragen werden.
Xanthomonas fragariae ist im Anhang II A II (b)10. des Pflanzenschutzgesetzes 1995, BGBl. Nr. 532/1995, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 83/2004, als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung bei Befall bestimmter Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist.
Dieses Bakterium unterliegt der Meldepflicht gemäß § 40 Pflanzenschutzgesetz 1995 und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.

Schadorganismus
Xanthomonas fragariae ist ein aerobes, gram-negatives, nicht sporenbildendes, stäbchen-förmiges Bakterium. Die Primärinfektionen gehen im Frühjahr von alten Blättern bzw. dem Kronenbereich befallener Pflanzen aus, wobei im Frühjahr Tagestemperaturen um die 20°C und tiefe Nachttemperaturen die Entwicklung des Bakteriums beschleunigen. Die Infektion junger Blätter erfolgt meist durch Tröpfchen bei Regen bzw. Überkronenberegnung. Die in den Tropfen enthaltenen Bakterien dringen über die Spaltöffnungen in das Blatt ein. Bei günstigen klimatischen Bedingungen sind mehrere Zyklen der Krankheit möglich.
Die wichtigste Form der Verbreitung ist der Verkauf infizierten Pflanzguts. Kommt die Krankheit zum Ausbruch erfolgt die Verbreitung am Feld durch den aus den Blättern austretendem Bakterienschleim, der über Wind/Regen, Geräte, Kleidung, Hände (bei der Pflücke), etc. übertragen wird.
Der Erreger wird bei der Vermehrung von der Mutterpflanze in die Jungpflanzen übertragen und ist deshalb von phytosanitärer Bedeutung. Im Fruchtanbau stellt Xanthomonas nur bei sehr hohen Niederschlagsmengen eine Bedrohung für das befallene Feld dar. Er führt zu einer Reduktion der Blattfläche und u. U. auch zu einem geringeren Ertrag. Bei starkem Befallsdruck können mit der Infektionen der Kelchblätter Qualitätseinbußen gegeben sein. Bei Einhaltung der Präventivmaßnahmen hinsichtlich Bewässerung ist jedoch der wirtschaftliche Schaden im Fruchtanbau in der Regel gering.

Symptome
Die Blattsymptome sind typisch und im Feld leicht erkennbar, treten allerdings nicht immer auf: blattunterseits: 1-4 mm große, eckige, von den Blattadern umgrenzte, wässrige Flecken, die bei Gegenlicht durchscheinend, bei Auflicht schwarz erscheinen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bzw. Niederschlägen kann blattunterseits ein cremefarbener bis gelber, später braun werdender Bakterienschleim austreten. Die Symptome können sich entlang der Blattadern ausbreiten und zu einem großflächigen absterben des Blattgewebes führen. Die Blätter verfärben sich rotbraun und zerreißen.

  

im Regelfall ist der durch Xanthomonas fragariae verursachte ökonomische Schaden gering. Nach einer sehr guten Ernte und einem regenreichen Sommer wurden an den Blättern dieses kräftig entwickelten einjährigen Erdbeerbestandes Symptome des Bakteriums sichtbar

    

Xanthomonas fragariae an Erdbeerblättern. Die Flecken sind im Gegenlicht durchscheinend (linkes und mittleres Bild) im Auflicht an der Blattunterseite schwarz (rechtes Bild), später wird das Blattgewebe nekrotisch (mittleres Bild)

Symptome Rhizomschnitt: Im Regelfall sind im Rhizomschnitt keine Verfärbungen sichtbar. Ausgehend von den Blättern und Blattstielen kann in Ausnahmefällen auch das Leitgewebe des Rhizoms infiziert werden. Sichtbar durch lokal begrenzte wassergesättigte Flecken im Rhizom. Diese sind häufig auf eine Seite des Rhizoms beschränkt
   

Pflanzen mit einer fortgeschrittenen systemischen Infektion durch Xanthomonas fragariae, im rechten Bild sind im Rhizomschnitt starke Verbräunungen des Vaskulärbereichs zu sehen. Aus den Blattstielen (linkes Bild) und dem Rhizom konnte X. fragariae nachgewiesen werden. Eine derart starke Symptomausprägung ist jedoch nur in seltenen Fällen zu beobachten und wird meist erst durch Überkronenberegnung ausgelöst.

Auf Kelchblättern der Früchte können Verbräunungen bei äußerlich gesunden Früchten entstehen. Dieses Symptom ist jedoch nicht spezifisch für Xanthomonas sondern kann auch durch verschiedene andere Blattfleckenerreger verursacht werden.

(© IPGH/AGES, Wien)

Ein Befall der Kelchblätter reduziert die Vermarktbarkeit der Früchte

Wirtspflanzen
Natürliche Infektionen von Xanthomonas fragariae wurden bislang nur an Erdbeere (verschiedene Fragaria-Arten) nachgewiesen. Verschiedene Fingerkrautarten (Potentilla fruticosa und Potentilla glandulosa) zeigten nach künstlicher Infektion Symptome.

Verbreitung
Vorkommen weltweit. In Europa tritt Xanthomonas fragariae lokal in Österreich, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweiz und Deutschland auf.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Zukauf von kontrollierten zertifizierten Pflanzgut. Das Pflanzgut muss frei von X. fragarie sein. Da die Symptome meist nicht sichtbar sind, wird eine Untersuchung des Pflanzguts auf latente Infektionen wird empfohlen. Die Untersuchung erfolgt im Labor mittels molekularbiologischer Methoden.
  • Weitgestellte Fruchtfolge. Xanthomonas fragariae ist sehr unempfindlich gegenüber Trockenheit, es kann auf ausgetrockneten Blatt- und Pflanzenresten im bzw. am Boden überleben. Frei lebend im Boden ist das Bakterium allerdings nicht lebensfähig. Feldstücke, auf denen ein Befall durch Xanthomonas fragariae festgestellt wurde, sollten mindestens zwei Saisonen nicht mehr für die Erdbeerproduktion verwendet werden.
  • Mehrreihige Pflanzsysteme bzw. windgeschützte, eingeschlossene Lagen vermeiden und die N-Düngung reduzieren
  • Bewässerung: Tröpfchenbewässerung bevorzugen, morgens statt abends bewässern um ein schnelleres Abtrocknen zu gewährleisten
  • Regelmäßige Befallskontrolle während der Kultur
  • Durch Behandlung mit registrierten Kupferpräparaten von Beginn des Blütenstängelschiebens bis zur Blüte kann die Ausbreitung der Eckigen Blattfleckenkrankheit vermindert werden. Bei zu häufigem Kupfereinsatz kann es zu phytotoxischen Reaktionen kommen. Ebenso ist zu beachten, dass Kupferpräparate keine kurative Wirkung aufweisen sondern nur die Verbreitung verhindern helfen. Erkrankte Pflanzen sollten also entfernt werden.


Bezüglich der Maßnahmen im Verdachtsfall und bei bestätigtem Verdacht siehe:
LINK ZU AMTLICHE EMPFEHLUNGEN X. fragariae

 

Bilder: (© R. Steffek/AGES, Wien)

Seite empfehlen

Senden Sie den Link zur aktuellen Seite an einen E-Mail Empfänger:

(Sie müssen die *gekennzeichneten Felder ausfüllen!)