Anthraknose der Erdbeere

(Glomerella acutata, Anamorph: Colletotrichum acutatum)

Einleitung
Die Anthraknose der Erdbeere wurde 1997 erstmals in Österreich nachgewiesen. Die Verbreitung des Erregers erfolgt in überwiegendem Maße durch befallenes Pflanzgut, worin der Pilz latent überlebt. Die Infektion der Pflanzen wird meist erst im nächsten Jahr bei der ersten Ernte bemerkt. Da der Pilz rasch sporuliert und die Sporen durch Sprizwasser im Feld verbreitet werden, kann in Jahren mit warmer, feuchter Witterung während der Ernte der Schaden durch Ernteausfälle beträchtlich sein.
Bei Colletotrichum acutatum handelt es sich um einen Quarantäneschaderreger gem. EU-RL 2000/29 (Annex II/A2 c2). Die Krankheit unterliegt der Meldepflicht gemäß §40 Pflanzenschutzgesetz 1995, ein Auftreten ist dem für das jeweilige Bundesland zuständigen Amtlichen Pflanzenschutzdienst zu melden.

Schadorganismus
Glomerella acutata tritt vorwiegend in seiner Nebenfruchtform (Colletotrichum acutatum) auf. An Erdbeeren wurden neben C. acutatum auch C. fragariae und C. gloeosporioides nachgewiesen, diese sind jedoch in Europa von untergeordneter Bedeutung an Erdbeeren.
Der Pilz kann sich in der ganzen Pflanze ausbreiten, am sichersten anzutreffen ist er in der Basis älterer Blattstiele. In mehrjährigen Beständen überwintert er in lebenden oder abgestorbenen Pflanzengeweben. Ein Krankheitsausbruch wird durch warme, niederschlagsreiche Witterung im Frühjahr begünstigt. Für die Sporenkeimung benötigt C. acutatum Temperaturen von mindestens 15°C und eine Luftfeuchte von annähernd 100%. Optimale Bedingungen findet der Pilz bei Temperaturen zwischen 22°C und 28°C und gleichzeitiger Nässe vor. Je länger Nässeperioden bei günstigen Temperaturen anhalten, umso größer ist die Gefahr ernsthafter Ertragsausfälle durch die Anthraknose.

Symptome
Unspezifische Symptome:
Systemisch infizierte Pflanzen können im Feld durch ihr gehemmtes Wachstum auffallen.
Die Fruchtsymptome an reifen Früchten sind typisch und im Feld leicht erkennbar: kleine kreisrunde braune Flecken, die im weiteren Krankheitsverlauf wachsen, sich bei trockener Witterung braunschwarz verfärben und tief ins Gewebe einsinken, bei feuchter Witterung bilden sich rasch die lachsfarbenen Sporenlager des Pilzes aus.
Colletotrichum kann auch unreife Beeren infizieren. Erfolgt die Infektionen an Blüten, so entwickeln sich diese nicht weiter sondern vertrocknen und knicken ab.

Befallene Früchte in unterschiedlich fortgeschrittenem Befallsstadium
Colletotrichum acutatum sporulierend auf befallener Frucht

An Blattstielen und Ausläufern treten längliche, dunkle ins Gewebe einsinkende Flecken auf, die von einem roten Vorhof umgeben sind. Im fortgeschrittenen Stadium umfassen sie das gesamte Gewebe. Da der Erreger sich in der Pflanze systemisch ausbreitet, ist gerade in der Produktion von Pflanzgut auf derartige Symptome an den Ausläufern zu achten.

Ausläufer mit Anthraknosesymptomen, links in einem frühen, rechts im fortgeschrittenen Stadium mit Sporenlagern.

Sporenlager: An der Oberfläche der Befallsstellen von Früchten, Blattstielen und Ausläufern bilden sich unter feuchten Bedingungen zahlreiche hellrosa (lachsfarbene) Sporenlager (sogenannte Acervuli) in denen die Konidien gebildet werden. Diese sind unseptiert, gerade und zumindest an einem Ende (meist an beiden) zugespitzt. Ihre Länge vairiert zwischen 8 und 16µm, die Breite zwischen 2,5 und 4µm.

Sporenlager (Acervuli) und Sporen von Colletrichum acutatum

Blattsymptome: Ein weiteres, manchmal beobachtetes Symptom sind kleine punktförmige Blattflecken (<1mm), die vor allem entlang der Blattadern auftreten.

Blattsymptome von Colletrichum acutatum

Wirtspflanzen
Der Erreger ist polyphag und tritt auf einer Vielzahl von Wirtspflanzen auf. In einer 2007 erarbeiteten PRA (pest risk analysis) wird von einem Wirtspflanzenkreis von mindestens 91 Gattungen in 52 verschiedenen Pflanzenfamilien berichtet.
Ökonomisch am bedeutendsten ist er an Erdbeeren (Fragaria ananassa). Daneben verursacht Colletotrichum acutatum auch eine Bitterfäule an Äpfeln, befällt häufig Früchte von Heidelbeeren und Holunder, Blüten und Triebe an Citruspflanzen …

Verbreitung
Glomerella acutata tritt mittlerweile sehr weit verbreitet in der ganzen Welt auf. In Europa in Österreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Malta, Niederlande, Norwegen, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, UK.
Darüberhinaus in vielen Ländern Asiens, Afrikas, Nord- und Südamerikas und Ozeaniens.

Vorbeugung und Bekämpfung
1. Verwendung von gesundem Pflanzgut. Der Erreger zählt zu den meldepflichtigen Quarantänekrankheiten, die Pflanzen müssen frei von Colletotrichum acutatum sein. Colletotrichum acutatum kann relativ leicht aus der Basis der Blattstiele isoliert und anhand der Form und Größe der Sporen nachgewiesen werden. Eine Untersuchung der Pflanzen vor dem Auspflanzen wird empfohlen.

Kolonien von Colletrichum acutatum die sich aus Blattstielen infizierter Erdbeerjungpflanzen entwickelten. (Am obersten Blattstiel im linken Bild ist auch eine für den Erreger typische Einschnürung zu erkennnen.) Rechts: Detail mit Acervulus

2. Optimierung der Kulturführung:
Um die Anzahl der Infektionsperioden zu reduzieren, ist eine gute Durchlüftung des Bestandes essentiell (einreihige Pflanzsysteme, Auslichtung und Unkrautbehandlung). Eine rechtzeitige Stroheinlage verringert die Verbreitung des Pilzinokulums durch Wassertropfen, weiters sollte die Stickstoffdüngung eingeschränkt werden. Enge Pflückintervalle reduzieren die Gefahr eines Fruchtbefalls beträchtlich. Aufgrund der Biologie des Erregers haben Pflanzenschutzmittel nur eine Teilwirkung. Ihr Einsatz muß in Kombination mit den angegebenen Kulturmassnahmen erfolgen (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
3. Regelmäßige Kontrolle auf Anthraknosesymptome und Entfernen erkrankter Pflanzen. Bei starkem Befall sollte das Feld umgebrochen werden. Erdbeeren sollten 2 Jahre nicht nachgepflanzt werden.
4. Optimierung der Bewässerungsstrategie: In den warmen und trockenen Anbaugebieten Ostösterreichs ist ein Erdbeeranbau nur mit Bewässerung möglich. Optimal hinsichtlich einer Reduktion der Gefahr durch Colletotrichum ist eine Tröpfchenbewässerung. Muß beregnet werden, so ist zu beachten, dass dies nicht bei Nachttemperaturen >15°C erfolgen sollte, da man sonst optimale Infektionsbedingungen für den Pilz schafft. In der Praxis zeigte sich, dass durch das Umstellen der Beregnung auf die Morgenstunden, die Anzahl ernsthafter Krankheitausbrüche reduziert werden konnte, da dadurch ein rascheres Abtrocknen der Erdbeeranlagen gewährleistet ist.

Bilder: © R. Steffek/AGES, Wien

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