Blattläuse (Aphidina)
Einleitung
Blattläuse sind im Obstbau mit vielen verschiedenen Arten vertreten, die entweder auf eine Wirtspflanze spezialisiert sind oder ein breiteres Wirtspflanzenspektrum besitzen. Große Bedeutung liegt vor allem in ihrer Rolle als Überträger (Vektor) von pflanzlichen Viruskrankheiten (indirekte Schäden), wie z.B. das Sharka-Virus an Zwetschke durch die Grüne Pfirsichblattlaus. Durch ihre Saugtätigkeit werden direkt Schäden an den Pflanzen hervorgerufen und zusätzlich wird durch ihre klebrigen Ausscheidungen (Honigtau) die Ansiedlung von Rußtaupilzen ermöglicht.
Schadorganismus
Blattläuse (Aphidina) gehören zur Gruppe der Pflanzensauger (Homoptera). In der Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae) sind die wichtigsten schädlichen Arten für den Obstbau zu finden.
In den einzelnen Obstbaukulturen gibt es eine Vielzahl verschiedener Arten in unterschiedlicher Größe und Farbe, aber auch mit unterschiedlichem Entwicklungszyklus. Es gibt Arten mit einem Wirtswechsel (Wechsel von Hauptwirt zu Nebenwirt) und Arten, die keinen Wirtswechsel durchführen und immer auf der gleichen Wirtspflanze bleiben. Die Aufeinanderfolge mehrerer Generationen pro Jahr vom Frühling (etwa ab April) bis in den Spätsommer und Herbst hinein ist für Blattläuse sehr bezeichnend, häufig im Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung. Die Überwinterung erfolgt entweder lebend (Larven oder adulte Tiere) oder mit Wintereiern.

- Blattlaus-Kolonie (© C. Lethmayer/AGES, Wien)

- Blattlaus-Winterei (© A. Kahrer/AGES, Wien)

- Grüne Apfelblattlaus (© P. P. Kohlhaas/AGES, Wien)

- Holunderblattlaus (© C. Lethmayer/AGES, Wien)
Die wichtigsten Arten im Obstbau sind:
- im Kernobst:
Grüne Apfelblattlaus (Aphis pomi)
Apfelgraslaus (Rhopalosiphum insertum)
Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea)
Apfelfaltenlaus (Dysaphis devecta)
Mehlige Birnenblattlaus (Dysaphis pyri)
Blutlaus (Eriosoma lanigerum)
- im Steinobst:
Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae)
Schwarze Sauerkirschenblattlaus (Myzus cerasi)
Schwarze Süßkirschenblattlaus (Myzus prunavium)
Mehlige Pflaumenblattlaus (Hyalopterus pruni)
- im Beerenobst:
Knotenhaarlaus (Chaetosiphon fragaefolii)
Schalottenlaus (Myzus ascalonicus)
Kleine Himbeerblattlaus (Aphis idaei)
Große Himbeerblattlaus (Amphorophora idaei)
Hellgrüne Brombeerblattlaus (Sitobion fragariae)
Kleine Stachelbeerblatttrieblaus (Aphis grossulariae)
Bleiche Stachelbeerblattlaus (Hyperomyzus pallidus)
Kleine Johannisbeerblattlaus (Aphis schneideri)
Große Johannisbeerblattlaus (Nasonovia ribis-nigri)
Gänsedistellaus (Hyperomyzus lactucae)
Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis)
Holunderblattlaus (Aphis sambuci)
Symptome
Ein Auftreten der Blattläuse ist entweder durch die Tiere selbst oder durch die Schäden, die sie verursachen, festzustellen.
Die Tiere sind fast immer in mehr oder weniger großen Kolonien mit geflügelten und ungeflügelten Individuen auf den Blattunterseiten, an jüngeren, saftigen Trieben, v.a. an den Triebspitzen, und auch in Blüten zu sehen.
Die Blattläuse saugen Pflanzensäfte, wobei sie mit Hilfe ihrer stechend-saugenden Mundwerkzeuge in das Pflanzengewebe (meist Schwammparenchym, selten Siebröhren) stechen. Sie sind vor allem Phloemsauger. Durch diese Saugtätigkeit (Saftentzug, ausgeschiedene Giftstoffe) reagiert die Pflanze häufig mit Blattverformungen und Wachstumshemmungen: gekräuselte, eingerollte Blätter, Falten, Gallbildungen und andere Wucherungen, Verfärbungen, Triebstauchungen, Bildung von Blattnestern, Verkümmern der Triebspitzen, Absterben befallener Teile, usw. Zusätzlich siedeln sich an den süßen, klebrigen Kotausscheidungen (Honigtau) verschiedene Rußtaupilze auf Früchten und anderen Pflanzenteilen an, wodurch ein schwärzlicher Belag entsteht.
Im Winter findet man die schwarz glänzenden Wintereier (0,5 – 0,6 mm) der wirtswechselnden Blattlausarten meist einzeln an den Trieben, Knospen, in Astlöchern und Rindenritzen und –rissen, oder in Massen, wie bei der Grünen Apfelblattlaus.

- Blattverfärbung durch Blattlaus-Befall (© C. Lethmayer/AGES, Wien)
Wirtspflanzen
Blattlaus-Arten sind an jeder Obstkultur zu finden, entweder mit spezifischen Arten oder mit Arten, die auf mehreren Wirtspflanzen vorkommen.
Verbreitung
Blattläuse sind weltweit verbreitet.
Vorbeugung und Bekämpfung
direkte Maßnahmen:
- Anwendung von „gegen am Baum überwinternde tierische Schaderreger“ zugelassenen Winter- und Austriebsspritzmitteln gegen die überwinternden Blattläuse und die Wintereier der Blattläuse während der Vegetationsruhe bzw. während des Austriebs. Auf eine gründliche Benetzung aller Baumteile achten.
- Ausschneiden und Vernichten der Blattlauskolonien bei nicht zu starkem Befall, um eine Ausweitung des Blattlausschadens zu verhindern. Leimringe an den Stämmen und Unterstützungen verhindern das Aufwandern von Ameisen, welche die Ausbreitung von Blattläusen begünstigen (Ameisen schützen die Blattläuse vor Feinden und verbreiten sie.)
- Während der Vegetationszeit Anwendung von für diesen Zweck registrierten Insektiziden, besonders die Zeit unmittelbar vor und nach der Blüte ist für die Blattlausbekämpfung wichtig. Bei wiederholten Behandlungen ist es notwendig, bei der Pflanzenschutzmittelwahl auf einen Wirkstoffwechsel zu achten, um das Aufkommen von Resistenzen zu verhindern.
- Es ist aber auch auf eine weitgehende Schonung von nützlichen Blattlausräubern und –parasiten zu achten.
Schadschwellenwerte: Mehlige Apfelblattlaus: 1 bis 2% befallene Bäume Apfelfaltenlaus: 3 bis 5 % befallene Triebe
Grüne Apfelblattlaus: 10 bis 15 % befallene Triebe
Die zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel sind im Amtlichen Pflanzenschutzmittel-Register auf der Homepage der AGES zu finden.(s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
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