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Die Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)

© R. Moosbeckhofer/AGES, Wien
© G. Strauß/AGES, Wien

Einleitung
Die Bläulingszikade stammt aus Nordamerika und wurde innerhalb Europas erstmals im Veneto (Italien) 1979 gefunden. In den darauf folgenden Jahren breitete sie sich in ganz Italien, Slowenien, Kroatien aus, regional ist sie auch in Frankreich, der Schweiz, Spanien, Ungarn, Serbien, Montenegro, Bulgarien, Griechenland und der Türkei zu finden. Es handelt sich nicht um einen Quarantäneorganismus.

Schadorganismus
Metcalfa pruinosa gehört zur Familie der Schmetterlingszikaden (Flatidae). Das erwachsene Tier erreicht samt Flügeln eine Länge von etwa 8 mm. Seine Grundfarbe ist graublau, woher auch der deutsche Name rührt. Die Flügel sind teilweise von weißen Wachsflöckchen bedeckt - jedoch niemals von Schmetterlingsschuppen, wie man vom Namen Schmetterlingszikaden vielleicht fälschlicherweise ableiten könnte. Zur Nahrungsaufnahme sticht das Tier mit seinem Saugrüssel Leitungsbahnen seiner Wirtspflanzen an und saugt den darin transportierten zuckerhältigen Pflanzensaft auf. Überschüssiger Zuckersaft wird, ähnlich wie bei anderen saugenden Insekten, nahezu unverändert als Honigtau ausgeschieden. Erwachsene Zikaden fliegen von August bis in den Spätherbst und „injizieren“ ihre Eier in weichen Kork oder Lentizellen von Zweigen, Ästen oder Stämmen, so dass diese teilweise noch ins Freie ragen. Eier sind länglich oval und messen etwa 0,8 mm. Nach der Überwinterung schlüpfen daraus ab Ende Mai kleine weißliche bis zartgrüne Larven, welche von auffallenden weißen Wachsfäden eingehüllt sind. Diese Larven können ausgezeichnet springen. Sie ernähren sich wie die erwachsenen Zikaden durch Saugen von Pflanzensäften. Im Zuge ihrer Entwicklung durchlaufen sie 5 Larvenstadien - in den beiden letzten sind bereits äußerliche Flügelanlagen erkennbar. Ab August schlüpfen wiederum erwachsene Zikaden womit sich der Kreis schließt. Metcalfa pruinosa ist kein Überträger von Viren und Phytoplasmen.
Von Imkern werden Bläulingszikaden sehr gerne gesehen, da bei starkem Zikadenauftreten im Spätsommer sehr viel Honigtau erzeugt wird, der in dieser trachtarmen Zeit eine vorzügliche Bienennahrung darstellt.

Symptome
Infolge der Saugtätigkeit kann das Pflanzenwachstum und die Ausbildung von Früchten beeinträchtigt werden. Durch die Erzeugung von Honigtau mit darauf siedelnden Schwärzepilzen (Rußtau) werden die Wirtspflanzen (auch deren Früchte) verunreinigt und dadurch deren Qualität vermindert. An Ziergehölzen führen Häutungsreste von Larven und Wachswolle zu einer optischen Beeinträchtigung.

Wirtspflanzen
Die Bläulingszikade ist eine sehr polyphage Art, die hauptsächlich an Gehölzen, seltener auch an krautigen Pflanzen saugt. In Österreich wurde sie bisher an 290 Pflanzenarten festgestellt. Einige Beispiele stark betroffener Pflanzen sind: Ahorn (Acer sp.), Robinie (Robinia pseudacacia), Götterbaum (Ailanthus altissima), Apfel (Malus sp.), Marille (Prunus armeniaca), Pfirsich (Prunus persica), Wein (Vitis vinifera), Hartriegel (Cornus sp.), Straucheibisch (Hibiscus syriacus), Hortensien (Hydrangea sp.), Ribisel (Ribes sp.), Brombeere (Rubus fruticosus), Himbeere (Rubus idaeus), Brennnessel (Urtica dioica) Wilder Wein (Parthenocissus quinequefolius), Holunder (Sambucus nigra) und Waldrebe (Clematis vitalba).

Verbreitung
Bisher wurde die Bläulingszikade an mehreren Standorten in Wien (Abbildung rechts) und an einer Stelle in Graz gefunden. In Österreich wurde erstmals 1996 ein einzelnes Exemplar in Graz entdeckt. Im Juli 2003 wurde in Wien in einer Zierpflanzengärtnerei mit einem angrenzenden Waldstück eine große Population beobachtet. 2007 wurde eine weitaus schwächere Population in einer Gärtnerei in Graz festgestellt. Die Vorkommen in Österreich sind bislang selten und kleinräumig. Die natürliche Ausbreitung der Zikade ist gering, es besteht jedoch das Risiko, dass sie durch menschliche Aktivitäten unbemerkt verschleppt wird.

Vorbeugung und Bekämpfung

  • Vermeidung der Verschleppung: keine Transporte befallener Pflanzen, oder solcher Pflanzen, die in der Nähe stark befallener Pflanzen stehen oder gestanden sind. Die Eier der Bläulingszikade sind nämlich im Rindenkork versteckt und dort nahezu unsichtbar. Hier wäre das Risiko einer unbemerkten Verschleppung besonders hoch.
  • Zurückschneiden von Zweigen in der kalten Jahreszeit, da sich daran die überwinternden Eier befinden. Eier werden allerdings auch an ältere Zweige und Stämme abgelegt, die nicht geschnitten werden können.
  •  Spritzbehandlung mit Mitteln gegen saugende Insekten (Netzmittel erforderlich), (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel).
  • Im südeuropäischen Obst- und Weinbau (Italien, Frankreich, Slowenien, Kroatien) wird die Bläulingszikade seit einigen Jahren sehr erfolgreich auf biologische Weise bekämpft: dazu wird die aus Nordamerika stammende parasitische Zikadenwespe Neodryinus typhlocybae freigelassen. In Österreich dürfen faunenfremde Nützlinge erst nach Genehmigung, welche eine Überprüfung der möglichen Gefährdung anderer Organismen beinhaltet, eingesetzt werden. Im Hinblick auf eine zukünftige Freilassung der Zikadenwespe in Österreich wurde ihr Wirtstierkreis in Bezug auf heimische Zikadenarten an der AGES untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigten deutlich, dass diese Zikadenwespe sehr stark auf Schmetterlingszikaden spezialisiert ist. Aus dieser Gruppe kommt in Österreich aber nur die Bläulingszikade vor. Es besteht somit kein Risiko für heimische Zikadenarten.

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