Einleitung
Die Birnblattsauger können durch ihre Saugtätigkeit an Birnbäumen beträchtliche Schäden verursachen. Bei starkem Befall können der Fruchtansatz beachtlich vermindert und auch starke Triebstauchungen verursacht werden, die zum Absterben führen können. Zusätzlich entstehen durch Honigtau und Russtaupilze eine Verunreinigung der Früchte und damit eine Qualitätsminderung.
Schadorganismus
Die zu den Pflanzensaugern (Homoptera) zählenden Birnblattsauger werden der Familie der Blattsauger oder Blattflöhe (Psyllidae) zugeordnet. Es gibt 3 Arten an Birnblattsaugern: Großer Birnblattsauger (Cacopsylla pyrisuga), Gemeiner Birnblattsauger (Cacopsylla pyri) und Gefleckter (Kleiner) Birnblattsauger (Cacopsylla pyricola). Sie treten ab dem Frühjahr auf und sind je nach Art bis in den Sommer hinein zu finden, mit Vorliebe an noch jungen Trieben.

- Erwachsene Birnblattsauger (Cacopsylla pyri)“ (© C. Lethmayer/AGES, Wien)

- Birnblattsauger-Larven(Cacopsylla pyri)“ (© C. Lethmayer/AGES, Wien)

- Birnblattsauger-Larven(Cacopsylla pyri)“ (© C. Lethmayer/AGES, Wien)

- Birnblattsauger adult (© W. Fickert/AGES, Wien)

- Eier von Birnblattsauger (© W. Fickert/AGES, Wien)

- Birnblattsauger-Junglarve (© W. Fickert/AGES, Wien)

- Birnblattsauger-Altlarve (© W. Fickert/AGES, Wien)
Der Große Birnblattsauger ist 3 bis 4 mm lang, anfangs grün und später dunkelbraun gefärbt und tritt nur mit 1 Generation pro Jahr auf. Die erwachsenen Tiere überwintern vor allem an Nadelbäumen. Im Frühjahr, zur Zeit des Knospenaufbruchs, werden die Eier einzeln oder in Häufchen an jungen Blättern, Blattstielen und an Trieben abgelegt. Die Eiablage findet in zwei großen Schüben mit einem Intervall von vier bis sechs Wochen statt (ca. Ende März und Ende Mai). Ab Mitte Mai erscheinen die 1,5 bis 2 mm großen, platt gedrückten, wanzenartigen Larven, die gelblich rot bis grüngrau gefärbt sind und am Rücken helle Längslinien haben. Sie sitzen dicht zusammengedrängt an Blattunterseiten, Blattstielen und Trieben, saugen aus der Pflanze ihre Nahrung und scheiden große Mengen von flüssigem Kot („Honigtau“) aus, sodass bald ganze Triebe und Blätter von ihm überzogen sind. Die Larven setzen sich gerne an der Basis der noch weichen Triebe fest. Guter Hinweis für ein Auftreten der Blattsauger bzw. für deren Befallsstellen sind die zu- und abwandernden Ameisen, die den Honigtau bevorzugt aufnehmen. Ab Juni erscheinen die erwachsenen Tiere, die meist mit dachförmig zusammengelegten Flügeln an den Blattunterseiten sitzen. Erwachsene Blattflöhe können gut springen, sie verlassen die Birne nach kurzer Saugtätigkeit an den Blättern und wandern ab (im Juni). Es entsteht keine zweite Generation. Im folgenden Frühjahr kommen sie, bevor die Knospen schwellen, wieder auf die Birnbäume zurück.
Der Gemeine Birnblattsauger verursacht ähnliche Schäden wie der Große Birnblattsauger. Die Blattrollungen und -deformationen sind jedoch trotz sehr starker Kotausscheidung geringer. Erwachsene Blattflöhe überwintern vornehmlich in Rindenverstecken der Wirtsbäume und beginnen sehr zeitig (ca. März) mit der Eiablage an Zweigen und Knospen. Witterungsabhängig werden mehrere Generationen pro Jahr gebildet. Individuen des Gemeinen Birnblattsaugers sind daher auch im Sommer vorhanden.
Der Gefleckte Birnblattsauger hat eine ähnliche Biologie und Lebensweise wie der Gemeine Birnblattsauger. Auch er kann in den Obstanlagen großen Schaden anrichten.
Große Bedeutung kommt allen 3 Blattfloh-Arten als Überträger (Vektor) des Birnenverfalls zu. Birnenverfall ist eine Quarantäne-Krankheit, die von Phytoplasmen ('Candidatus Phytoplasma pyri') verursacht wird und in den österreichischen Birnen-Anbaugebieten bereits weit verbreitet ist.
Symptome
Im späten Frühjahr ist teilweise starkes Einrollen und Kräuseln der Blätter und Triebe zu sehen, die schwarz werden und absterben. Reichliche Ausscheidung von klebrigem Honigtau ermöglicht die Ansiedlung von Rußtaupilzen, die schwärzliche Beläge auf den Früchten und Trieben erzeugen.

- Birnblattsauger (adulter Blattfloh, Larve) und Schadbild (© P. P. Kohlhaas/AGES, Wien)

- Schwarzer Belag auf Frucht durch Russtaupilze (© C. Lethmayer/AGES, Wien)
Wirtspflanzen
Wirtspflanzen der Birnblattsauger sind Birnbäume (Pyrus communis) und andere Pyrus-Arten.
Verbreitung
Birnblattsauger haben paläarktische Verbreitung.
Vorbeugung und Bekämpfung
direkte Maßnahmen:
- stark geschädigte Triebe abschneiden und vernichten
- Austriebsbehandlungen (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel) können einen Teil der an Stamm und Ästen überwinternden Tiere abtöten.
- Frühjahrsbehandlung: bei Auftreten der Larven mit für diesen Zweck zugelassenen Insektiziden (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel). Stark befallene, noch weiche Triebe können in die Spritzbrühe getaucht werden. Da der Honigtau die Tiere schützt, ist es günstig, Behandlungen mit hohem Druck und erhöhter Brühenaufwandmenge bzw. nach starken Regenfällen (Honigtau wird durch den Regen teilweise abgewaschen) durchzuführen. Frühzeitige Behandlungen verhindern Schäden im Sommer.
- Zur Behandlung von Blattsaugern zugelassene Insektizide mit entwicklungshemmender Wirkung (s. Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel) sollten ab Beginn der Eiablage im Frühjahr ausgebracht werden (Kontrolle auf erste Eiablagen), larvizid wirkende Präparate ab dem Schlupf der Larven.
biologische Bekämpfung:
Die wichtigsten natürlichen Feinde der Birnblattsauger sind die Blumenwanzen (Anthocoridae).
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