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Asiatische Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer Harmonia axyridis (Pallas)

(Englische Bezeichnungen: Multicolored Asian lady beetle, Harlequin ladybird, Halloween beetle, Japanese lady beetle)

Einleitung
Ursprünglich stammt der „Asiatische Marienkäferaus dem östlichen Asien (China, Japan, Korea, Mongolei und Süd-Russland). Die Larven und erwachsenen Käfer ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen und Schildläusen, fressen jedoch außerdem noch andere weichhäutige Insekten und Milben. Der gefräßige Blattlausjäger wurde zur natürlichen Schädlingskontrolle gezüchtet und vor allem in Glashauskulturen erfolgreich eingesetzt, zuerst (1916) in den USA, ab 1995 auch in einigen europäischen Ländern (z.B: Frankreich, Belgien und die Niederlande). In der Zwischenzeit ist er jedoch in weiten Teilen der USA, in Europa und Südamerika sowie in einigen afrikanischen Ländern auch im Freiland etabliert. In Österreich wurde das erste Mal im Herbst 2006 über eine Ansammlung des Asiatischen Marienkäferns berichtet (Rabitsch und Schuh, 2006). Mittlerweile liegen Meldungen über das Vorkommen des Käfers aus allen Bundesländern vor.

Die Naturalisierung des Asiatischen Marienkäfers im Freiland war eigentlich nicht vorgesehen und ist aufgrund seines breiten Wirtsspektrums und raschen Ausbreitungsvermögens problematisch. Der Asiatische Marienkäfer ist eine invasive Art, die sich enorm rasch ausgebreitet hat und eine Bedrohung für die Biodiversität von einheimischen Marienkäferarten darstellt: als direkter Nahrungskonkurrent und als gefräßiger, polyphager Räuber, der auch die Eier und Larven anderer Nützlinge frisst. Zur Überwinterung bilden die Käfer große Ansammlungen und dringen in Häuser ein, wo sie eine Belästigung darstellen. Darüber hinaus verursacht Harmonia axyridis zunehmend Schäden im Obst- und Weinbau.

In den letzten Jahren hat sich das Bild des Asiatischen Marienkäfers vom „nützlichen Marienkäfer“ hin zum „Schädling“ gewandelt. Der positive Beitrag als biologisches Kontrollmittel von verschiedenen Schädlingen wird von seinen negativen Eigenschaften überschattet.

Aussehen
Der erwachsene Asiatische Marienkäfer erreicht eine Länge von 6-8mm und ist damit deutlich größer als die meisten europäischen Marienkäferarten (<5mm). Einige heimische Marienkäferarten sind jedoch ähnlich groß wie der Asiatische Marienkäfer wie zum Beispiel: der 7-Punkt Marienkäfer (Coccinella septempunctata) (5,5-8mm), Augenfleck Marienkäfer (Anatis ocellata) (6-9mm), Ameisen-Siebenpunkt (Coccinella magnifica), Vierpunkt Marienkäfer (Harmonia quadripunctata) (5-7,5mm), Gestreifter Marienkäfer (Myzia oblongoguttata) (6-8mm), Ceratomegilla undecimnotata (5-7mm). Aufgrund der variablen Farbgestaltung des Asiatischen Marienkäfers besteht daher Verwechslungsgefahr mit einheimischen Marienkäfern. Grundsätzlich lassen sich drei Farbvarianten der Deckflügel (Elytren) unterscheiden:

Die Grundfarbe der Deckflügel variiert von senf-gelb über orange bis rot mit keinem Punkt oder bis zu 21 schwarzen Punkten

  1. Schwarze Grundfärbung mit 2 orange - roten Punkten
  2. Schwarze Grundfärbung mit 4 orange - roten Punkten

 Sehr häufig befindet sich auf dem Halsschild (Pronotum) eine schwarze Markierung, die je nach Betrachtungsweise „M”-oder „W“-förmig ist. Die Linien dieser Markierung können verbunden oder unterbrochen sein. Andere Individuen (häufig die mit schwarzer Flügelgrundfarbe) weisen diese Markierung nicht auf, sondern haben in der Mitte des Halsschildes einen großen schwarzen Fleck. Verwechslungsgefahr besteht besonders mit dem Zwei-Punkt Marienkäfer (Adalia bipunctata), der eine ähnliche schwarze Markierung am Pronotum aufweisen kann. Neben den bereits genannten nicht artcharakteristischen Merkmalen, ist nur die im hinteren (apical) Bereich der Deckflügel transversal verlaufende leichte Erhebung ein eindeutiger Hinweis für den Asiatischen Marienkäfer.

Biologie
Die erwachsenen Asiatischen Marienkäfer treten ab Mitte April /Mai auf. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in Grüppchen auf von Blattläusen befallenen Pflanzen ab. Der Käfer entwickelt sich vom Ei über vier Larvenstadien und das Puppenstadium zum erwachsenen Käfer. Im Unterschied zu den meisten in Nordeuropa heimischen Marienkäferarten, ist der Asiatische Marienkäfer in der Lage mehrere Generationen im Jahr zu bilden, abhängig von den vorherrschenden Temperaturen: in Großbritannien gibt es zwei, in Griechenland vier und in seiner Heimat Asien sogar fünf Generationen. Durch die Bildung mehrerer Generationen im Jahr kommt es zu einem raschen Populationsanstieg, was eine rasche Ausbreitung begünstigt.

Die älteren Larven sind sehr auffällig: auf dem Rücken tragen sie verzweigte Fortsätze, was ihnen ein stacheliges Aussehen verleiht. Die Fortsätze vom 1. bis zum 5. Hinterleibssegment sind orangefarben und bilden einen auffallenden Kontrast zum schwarzgrauen Körper. Das letzte Larvenstadium kann eine Größe von 1 cm erreichen. Die Larven sind vor allem im Juni und Anfang Oktober zu finden. Eine Larve frisst während ihrer Entwicklungszeit von etwa 2 Wochen zwischen 90 und 370 Blattläuse (Hukusima and Kamei, 1970). Im Oktober/November machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Untersuchungen aus den USA zeigten, dass sich die Käfer im Herbst nach einem Kälteeinbruch (Temperaturen um 0°C) in den darauffolgenden wärmeren Tagen (>18°C) auf die Suche nach einem Winterquartier begeben (Huelsman et al., 2002).

Larve des Asiatischen Marienkäfers (Quelle: www.harlequin-survey.org)

Wirtschaftliche Bedeutung
In den USA, wo der Asiatische Marienkäfer seit 1988 etabliert ist, fällt er immer wieder als Obst- und Weinbauschädling auf.

Weinbau
Wenn im Herbst keine Blattlauskolonien mehr vorhanden sind, sucht der Asiatische Marienkäfer andere Nahrungsquelle auf und wird von „Blattlausfresser“ zum „Früchteliebhaber“. Da Weintrauben im Herbst einen hohen Zuckergehalt aufweisen, werden sie von ihm gerne als Nahrung angenommen. 

Offensichtlich wird er von bereits beschädigten Weintrauben angelockt. Es gibt aber auch Berichte wonach er an nicht beschädigten Weintrauben frisst. Traubensorten die zum Aufspringen neigen und sehr spät reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, oder Riesling sind besonders gefährdet und betroffen.

Der eigentliche Schaden entsteht durch die Geschmacksbeeinträchtigung des Weins durch den unangenehmen Abschreckstoff des Marienkäfers. Bei Bedrohung entlassen sie ein abschreckendes Sekret („Reflexbluten“), welches Pyrazine (2-isopropyl-3-methoxypyrazin, 2-sec-butyl-3-methoxypyrazin) enthält, die einen erdigen bis ranzigen Geruch aufweisen. Die Käfer fressen sich in die Trauben hinein, wo sie schwierig zu entfernen sind. Werden die Käfer mit den Weintrauben verarbeitet, wird das Aroma durch die Pyrazine verdorben und führt zu einem unerwünschten, bitteren Geschmack (Weinfehler).

Versuche in den USA und der Schweiz haben gezeigt, dass bereits 1 bis 1,9 Asiatische Marienkäfer pro kg Trauben die geruchliche und geschmackliche Qualität von Weißweinen (Testsorten: Chasselas, Riesling) mindern. Bei roten Rebsorten (Testsorten: Blauburgunder, Frontenac) waren erst bei fünf Käfern pro Kilogramm Qualitätsseinbußen festzustellen. Basierend auf diesen Ergebnissen, wurde in den USA eine Schadensschwelle hinsichtlich einer Geschmacksbeeinträchtigung von 1 Asiatischen Marienkäfer pro Traube festgelegt (Galvan et al., 2007a).

Zur Abschätzung der Befallsstärke durch den Asiatischen Marienkäfer im Weinbau wird in den USA folgende Methoden empfohlen: bei 25 Trauben wird der Anteil an befallenen Trauben über einem Schwellenwert von 1 Asiatischen Marienkäfer pro Traube bewertet (Galvan et al. 2007a). Sind 10% der untersuchten Trauben mit mindestens einem Asiatischen Marienkäfer infiziert, ist mit Geschmackseinbußen zu rechnen (Schwellenwert bei Riesling).

Erstmals 2006 in Österreich entdeckt, hat sich der Asiatische Marienkäfer mittlerweile weit ausgebreitet und wird auch in Weingärten immer häufiger wahrgenommen. Nach einer letzten Umfrage unter den Rebschutzgebietsleitern 2012 gab es bisher im Österreichischen Weinbau jedoch noch keine Probleme.

Obstbau
Im Obstbau sind Marienkäfer im Frühjahr und Sommer sehr nützlich, da sie effektiv Blattläuse vertilgen. Im Herbst allerdings kann sich der Asiatische Marienkäfer an verschiedenen Kern- und Steinobstsorten sowie Beeren schädigend zu schaffen machen. Der Asiatische Marienkäfer frisst an Apfel, Birne, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Marille, Pfirsich, Zwetschke, Mirabelle und Kirsche; an Pfirsich und Himbeere frisst er auch wenn diese noch nicht vorgeschädigt sind.

Vereinzelt gibt es bereits erste Berichte aus Österreich, dass der Asiatische Marienkäfer im Obstbau Qualitätsschäden verursachte. Im Gegensatz zum Weinbau sind für den Obstbau bislang noch keine wirtschaftlichen Schadschwellen festgelegt worden. Aufgrund der zahlreichen Obstsorten und deren unterschiedliche Reifezeiten ist es im Obstbau auch weitaus schwieriger konkrete Angaben über den Zeitpunkt einer möglichen Schädigung durch den Asiatischen Marienkäfer zu machen. Grundsätzlich wäre es empfehlenswert, ebenso wie im Weinbau kurz vor der Ernte (2 Wochen) ein Monitoring für den Asiatischen Marienkäfer durchzuführen. 

Vor allem bei der Vermarktung von frischen Beeren/Tafeltrauben und Verarbeitungsprodukten wie z.B. Obstsäften  kann es zu Qualitätsverlusten kommen. Werden die Käfer mit den Früchten geerntet und verarbeitet kommt es ähnlich wie beim Wein zur geschmacklichen unumkehrbaren Beeinträchtigung.

Kontrollmaßnahmen im Wein-und Obstbau
Da der Weinfehler eines “Harmoniaweins” nicht mehr komplett aufgehoben sondern bestenfalls durch Zugabe von Eichenschnitzel oder Aktivkohle gelindert werden kann, ist es besonders wichtig eine derartige Verunreinigung von vornherein zu verhindern (Pickering et al. 2006b). Die Gefahr eines wirtschaftlichen Schadens hängt von der Populationsdichte des Asiatischen Marienkäfers ab. Kontrollmaßnahmen sollten auf Grundlage von Schädlingsdichte und Schadensschwelle erfolgen.

Da die Trauben/Früchte üblicherweise knapp vor der Lese/Ernte befallen werden, sollte 2 Wochen davor die Befallsstärke des Asiatischen Marienkäfers überprüft werden, z.B. mittels Bonitur oder beleimter Gelbtafeln.

Mechanisch
Beschädigte Trauben und Früchte sollten entfernt werden, damit der Asiatische Marienkäfer erst gar nicht angelockt wird. Es ist wichtig darauf zu achten, dass keine Käfer ins Lese- oder Erntegut gelangen. In kleineren Anlagen können per Hand die Käfer gegebenenfalls von den Trauben/Früchten geschüttelt werden. Bei maschineller Ernte besteht die Gefahr, dass die sich in den verletzten Trauben/Früchten aufhaltenden Käfer nicht ausgeschieden werden und in die Maische gelangen.


Insektizide
Zur Bekämpfung des Asiatischen Marienkäfers sind derzeit keine Pflanzenschutzmittel in Österreich zugelassen. Grundsätzlich wären Pflanzenschutzmittel aus den Wirkstoffgruppen der Pyrethroide, Neonicotinoide und Carbarmate wirksam.

An der Erforschung anderer Kontrollmaßnahmen wie z.B. Abschreckstoffen (Repellents) und Lockstoffen wird gearbeitet. Kampfer und Menthol wirken auf die erwachsenen Asiatischen Marienkäfer abschreckend, allerdings haben diese pflanzlichen sekundären Inhaltsstoffe nur eine sehr kurze Wirkungsdauer. In Feldstudien zeigten mit Honig und Maispollen gefüllte Fallen eine gute Anlockung des Käfers.

Die Erfahrungen aus den USA zeigen was für ein großes Potenzial Harmonia axyridis als Wein-und Obstschädling besitzt. Um mögliche negative Entwicklungen rechtzeitig feststellen zu können, sollte das Auftreten des Asiatischen Marienkäfers aufmerksam beobachtet werden. Die Bestimmung von Harmonia axyridis kann an der AGES durchgeführt werden.

Rückfragehinweis:

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
Mag. Gudrun Strauß +43(0)5 0555 33313

gudrun.strauss@ages.at

Zahlreiche Individuen von Harmonia axyridis haben sich zur Überwinterung zusammengefunden. Die Bandbreite an unterschiedlicher Farbgebung und Musterung ist gut zu erkennen. Die Aufnahmen stammen aus dem Weinviertel.

Foto: Josef Altenburger (AGES)

Links:

http://www.harlequin-survey.org/default.htm

http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/insektenundspinnen/kaefer/marienkaefer/

http://www.europe-aliens.org/speciesFactsheet.do?speciesId=50711

http://www.eppo.org/MEETINGS/2008_meetings/biocontrol.htm

 

Literatur

Galvan TL, Burkness EC, Hutchison WD (2007). Enumerative and binomial sequential sampling plans for the multicolored Asian lady beetle (Coleptera: Coccinellidae) in wine grapes. J. Econ. Entomology 100: 1000-1010

Huelsman MF, Kovach J, Jasinski J, Young C, Eisley B (2002). Multicolored Asian lady beetle (Harmonia axyridis) as a nuisance pest in households in Ohio. In: Jones SC, Zhai J, Robinson WH (eds) Proceedings of 4th international conference on urban pests, pp 243-250

Hukusima S und Kamei M (1970). Effects of various species of aphids as food on development, fecundity and longevity of Harmonia axyridis Pallas (Coleoptera: Coccinellidae). Research Bulletin of the Faculty of Agriculture, University 29:53-66

Pickering GJ, Lin JY, Reynolds A, Soleas G, Riesen R (2006). The evaluation of remedial treatments for wine affected by Harmonia axyridis. Int. J. Food Sci. Technol. 41:77-86

Rabitsch W und Schuh R (2006). First record of the multicoloured Asian ladybird Harmonia axyridis (Pallas, 1773) in Austria. Beiträge zur Entomofaunistik 7:161-164

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