Österreichische Agentur für Gesundheit
Bereich Landwirtschaft
Institut für Pflanzengesundheit
Univ. Doz. DI Dr. Sylvia Blümel
Presseinformation (November 2011)
Der Maiswurzelbohrer hat eine erfolgreiche Saison hinter sich
Der Westliche Maiswurzelbohrer hat in diesem Jahr ein neues Rekordergebnis erreicht. 2011 wurden in Österreich 355 Monitoring-Standorte mit Pheromonfallen bestückt, an denen die amtlichen Pflanzenschutzdienste der Bundesländer gemeinsam mit der AGES die Ausbreitung des Käfers überwachen (Details unter gis.lebensministerium.at/AGES-WebGIS). Gleich zu Beginn der Flugsaison schlüpften in manchen Maisbauregionen innerhalb des Befallsgebietes die Käfer in noch nie dagewesenen Massen. In der Folge hatte der Schädling in den großteils heißen Sommer- und Frühherbstwochen viel Zeit, sich in bis dahin befallsfreie Gebiete auszubreiten.
Besonders eilig hatte es Diabrotica virgifera virgifera in Kärnten. In nur vier Jahren konnte er sich, aus Südosten durch das Lavanttal kommend, über das gesamte Bundesland mit einer Ost-West-Ausdehnung von immerhin 180 Kilometern ausbreiten. Käferfangzahlen von bis zu 1000 Käfern pro Falle im Klagenfurter Becken zeigen zudem, dass die mittlerweile etablierten Populationen geradezu explosionsartig anwachsen. Sollte dieser Trend anhalten, ist bereits in den nächsten ein bis zwei Jahren mit ersten sichtbaren Schäden zu rechnen. Auch nördlich der Alpen zeichnet sich in Oberösterreich eine deutliche Vergrößerung des Befallsgebietes ab. 2011 wurden bereits aus 16 Bezirken Käferfunde gemeldet. Anders als im Süden Österreichs werden hier jedoch im überwiegenden Teil der Pheromonfallen nur einzelne Exemplare gefangen, was auf kleine Populationen bzw. auf erst in letzter Zeit zugeflogene Käfer schließen lässt. Dementsprechend gering ist in diesem Bundesland das Risiko von Ertragsverlusten in den kommenden Jahren.
Auch in den von Grünland dominierten inneralpinen Tälern der nördlichen Steiermark konnte sich der Maiswurzelbohrer heuer weiter ausbreiten. Obwohl die Zahl der gefangenen Käfer gering war, ist die sprunghafte Erweiterung des Verbreitungsareals in dieser Region rekordverdächtig. Mit dem erstmaligen Auftreten an gleich drei Fallenstandorten im Ennstal hat der Käfer einen Sprung von insgesamt beinahe 80km (!) in einem Jahr gemacht und die letzten bisher befallsfreien Maisstandorte dieses Bundeslandes erobert.
Wie auch schon in den vergangenen Jahren wurden die meisten Käfer im Burgenland gefangen. Das östlichste Bundesland Österreichs blickt auf die längste Diabrotica Befallsgeschichte zurück, zusätzlich finden die Käfer in den teilweise sehr intensiv geführten Maiskulturen optimale Entwicklungsbedingungen vor. Der kleine, aber gut flugfähige Käfer hält sich zudem nicht an politische Grenzen, die riesigen und ebenfalls stark befallenen Maisflächen in der Slowakei und in Ungarn sorgen daher für zusätzlichen Schädlingsdruck. Auch in Niederösterreich werden Jahr für Jahr mehr Käfer in den Fallen festgestellt, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als im Burgenland. Dennoch sind auch hier in Regionen mit einem hohen Anteil an Mais in der Fruchtfolge die Schädlingspopulationen heuer in einem Ausmaß angewachsen, welches zu Problemen in den kommenden Jahren führen kann.
Besonders schwierig stellt sich die Situation in der südlichen Steiermark dar. Die Anzahl der in den Pheromonfallen gezählten Käfer hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft in den am stärksten befallenen Gebieten kleinräumig strukturiert und die große Zahl an Veredelungsbetrieben nutzt die begrenzten räumlichen Ressourcen vorwiegend zur Produktion von Futtermais. Dementsprechend hoch ist der Anteil an Dauermaisflächen, in denen eine derartige Massenvermehrung des Käfers überhaupt erst möglich geworden war. Wenig überraschend traten heuer in dieser Region erstmals deutlich sichtbare Schäden auf. Die durch den Fraß an den Wurzeln verursachte Lagerung der Maispflanzen („Gänsehals-Symptom“) war stellenweise so stark, dass die Pflanzen von Unkräutern überwuchert wurden (Abbildung 2).
Legenden für Abbildungen:
Abb 1: Ergebnisse des Maiswurzelbohrer-Monitorings in Österreich 2011; nach Meldungen des Amtlichen Österreichischen Pflanzenschutzdienstes erstellt von G. Grabenweger und M. Schwarz, AGES Wien
Abb. 2: Stark geschädigte, tlw. bereits überwucherte Maispflanzen, © G. Grabenweger, AGES Wien
Rückfragehinweis:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation:
Dr. Ingrid Kiefer
Spargelfeldstraße 191
1220 Wien
Tel: 050 555-25000
E-Mail: ingrid.kiefer@ages.at
Fachlich:
Institut für Pflanzengesundheit:
Dr. Giselher Grabenweger
Tel: 050 555-33320
E-Mail: pflanzengesundheit@ages.at
AGES
Adresse: 1220 Wien, Spargelfeldstraße 191
Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
