Invasive gebietsfremde Pflanzen in Österreich
Die Entdeckung der Neuen Welt im Jahr 1492 markierte einen Wendepunkt. Fremdländische Pflanzenarten (Neophyten) konnten nun ihre biogeographischen Grenzen mit Hilfe des Menschen überwinden und nach Europa (und umgekehrt) gelangen. Der bewusste Import war und ist der wichtigste Einführungsweg und ist zumeist ökonomisch motiviert: neue Arten für die Kultur in der Land- und Forstwirtschaft, für Gärten, Parks oder Aquarien. Neben absichtlich eingeführten Arten trägt heute vor allem der rasch wachsende weltweite Handel und Verkehr dazu bei, dass unbeabsichtigt gebietsfremde Arten verschleppt werden.
Ökologische, wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen
Die weitaus meisten gebietsfremden Pflanzen gliedern sich in vorhandene Pflanzengesellschaften problemlos ein. Einige können jedoch in ihrer neuen Umgebung vielfältige Schäden verursachen. Diese Pflanzen können einheimische Arten verdrängen und Struktur und Funktion von Ökosystemen nachhaltig verändern. Diese auch als „invasiv“ bezeichneten gebietsfremden Pflanzen gehören heute weltweit zur zweitgrößten Bedrohung der biologischen Vielfalt. Darüber hinaus können gebietsfremde Pflanzen wirtschaftliche Kosten z. B. in der Landwirtschaft verursachen oder die menschliche Gesundheit beeinträchtigen.
Die Situation in Österreich
In Österreich gibt es zurzeit ca. 1.100 gebietsfremde Pflanzen, davon konnten sich bisher ein Fünftel der Arten in der freien Natur dauerhaft etablieren. Aus naturschutzfachlicher Sicht werden zurzeit 17 Pflanzenarten als invasiv eingestuft. Dazu gehören z. B. der Götterbaum (Ailanthus altissima) und die Robinie (Robinia pseudoacacia). Weitere 18 Arten gelten als potenziell invasiv. Diese Arten werden bei einer weiteren Ausbreitung vermutlich zu ökologischen Problemen führen. Invasive gebietsfremde Pflanzen dringen insbesondere in Lebensräume wie Auwälder, Hochstaudenfluren und in Trockenstandorte des pannonischen Raumes ein.
Eine „himmlische“ Plage – der Götterbaum. Im Stadtbereich ist sein Vorkommen mehr lästig als problematisch. Bedenklich ist jedoch, dass der Götterbaum im sommerwarmen Osten in den Auwaldbereich der Donau einzudringen vermag.
(© S. Follak/AGES, Wien)
Neue invasive Unkrautarten in der Landwirtschaft
Auch in der Landwirtschaft gibt es zahlreiche Problemarten. Einige sind schon über Jahrzehnte fester Bestandteil der Unkrautflora, andere wiederum sind erst kürzlich hinzugekommen. Ein Beispiel für eine „langgediente“ Art ist der Zurückgekrümmte Fuchsschwanz (Amaranthus retroflexus). Die Pflanze stammt ursprünglich aus den zentralen und östlichen USA sowie Nordostmexikos. Es wird vermutet, dass LINNÉ diese Art um 1750 eingeführt hat, um sie im botanischen Garten von Uppsala zu kultivieren. In Westeuropa trat die Art subspontan erstmals 1783 in Paris auf und breitete sich ab ca. 1800 rasch über weite Teile Europas bis nach Österreich aus. Andererseits wird das Auftreten neuer, häufig wärmeliebender Unkrautarten in den letzen Jahren in der Landwirtschaft verstärkt beobachtet. Dazu gehören z.B. das Erdmandelgras (Cyperus esculentus), die Eleusine (Eleusine indica), die Samtpappel (Abutilon theophrasti) und die Giftbeere (Nicandra physalodes).
Mit Baumaschinen eingeführt – das Erdmandelgras. Die Pflanze kommt in vielen landwirtschaftlichen Kulturen vor und ist nur sehr schwer zu kontrollieren (© S. Follak/AGES, Wien).
Globalisierung und Klimawandel
Sicher ist auch, dass laufend neue Arten hinzukommen werden. Die Gründe sind vielfältig: Einschleppung über verunreinigtes Saatgut, Handelsgüter und Fahrzeuge, oder es handelt sich um verwilderte Zierpflanzen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt auch die zu erwartende Klimaerwärmung. Sie begünstigt das Auftreten neuer Unkrautarten meridional-subtropischer Herkunft in Österreich. Es werden aber auch viele bereits etablierte wärmeliebende Arten profitieren, die bisher nur in bestimmten Regionen Österreichs vorkommen. Ein Beispiel ist die Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia). Aktuell ist ihre Hauptverbreitung auf die warmen Tieflagen Ostösterreichs beschränkt. Als Folge des Klimawandels ist eine rasante Ausbreitung der Art in andere Teile Österreichs zu erwarten.
Weitere Informationen, Streckbriefe und Datenbanken zu invasiven gebietsfremden Pflanzen in Österreich und Europa:
Nachhaltige Pflanzenproduktion
Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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