Das Tomatenbronzefleckenvirus an Tomaten (Tomato spotted wilt virus [TSWV])

- Ring- und Fleckenbildung an reifer Frucht (© G. Bedlan/AGES, Wien)

- Fruchtbefall an länglicher Tomaten- sorte (© G. Bedlan/AGES, Wien)

- Manchmal sind auch die Kelchblätter orange verfärbt (© G. Bedlan/AGES, Wien)
Einleitung
Das Tomato spotted wilt virus ist im Anhang II A II (d)15 des Pflanzenschutzgesetzes 1995, BGBl. Nr. 532/1995, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2005, als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung bei Befall bestimmter Pflanzen in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist. Dieses Virus unterliegt der Meldepflicht gemäß §§ 15 und 40 Pflanzenschutzgesetz 1995 und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.
Durch Tomato spotted wilt virus können große wirtschaftliche Schäden entstehen, da es sowohl bei Zierpflanzen- als auch Gemüsekulturen zu starken Ernte- bzw. Produktionsverlusten (bis zu 100%) kommen kann.
Schadorganismus
Tomato spotted wilt virus gehört zur Gruppe der Tospoviren, bei denen es sich um sphärische, isometrische Viruspartikel mit einer Größe von 70-110 nm handelt. Die Viruspartikel sind in allen Pflanzenteilen zu finden. Der thermale Inaktivierungspunkt für diese Viren wird durch 10 Minuten langes Erhitzen auf 45 °C erreicht, die Beständigkeit in vitro liegt bei 5-7 Stunden im Pflanzensaft bei Raumtemperatur. Tomato spotted wilt virus tritt häufig vergesellschaftet mit Impatiens necrotiv spot virus (INSV) auf. Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch Thripse, wobei dem Kalifornischen
Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) die größte Bedeutung zukommt. Aber auch andere Thripsarten, wie z. B. Thrips tabaci und Thrips fusca können das Virus übertragen. Für die Übertragung erfolgt die Virusaufnahme des Thripses durch Saugen, wobei nur die Larvenstadien L1 und L2 die Viren aufnehmen können. Hierfür muss die Dauer des Saugens etwa 30 Minuten
betragen (Acquisitionszeit). Der bloße Kontakt zwischen der infizierten Pflanze und einem Thrips reicht also nicht aus, um das Virus erfolgreich aufzunehmen. Die Inkubationszeit, also die Zeit die verstreichen muss bis der Thrips das Virus weitergeben kann, beträgt zwischen 3 und 10 Tagen, doch die maximale Infektiosität wird erst 22 bis 30 Tage nach der Virusaufnahme erreicht. Ein infizierter Thrips kann das Virus sein ganzes Leben lang übertragen. Die Infektion neuer Pflanzen erfolgt nur durch die erwachsenen Thripse. Auch hierbei ist eine Saugzeit von etwa 15 Minuten notwendig. Zwar ist noch nicht völlig geklärt, ob eine Virusvermehrung im Vektor stattfindet, doch es erfolgt keine Weitergabe an die Nachkommen.
Als weitere Verbreitungs- und Übertragungswege gelten infizierte Jungpflanzen oder Stecklinge. Auch über das Saatgut kann eine Verbreitung stattfinden (z. B. bei Tomaten und Cinerarien). Da dieses Virus auch mechanisch leicht übertragbar ist, müssen bei Kulturarbeiten alle hygienischen Maßnahmen beachtet werden. Weitere Übertragungswege sind Bewässerungssysteme, rezirkulierende Nährlösungen, infizierte Pflanzenreste im Substrat (zumindest für einige Wochen), Unkräuter oder der Durchwuchs im Kompost.
Symptome
Auf den Blättern sind zuerst schwache Aufhellungen der Blattadern zu sehen und manchmal blasse, konzentrische Ringe. Später entstehen dann bronzefarbene, lineare oder kreisförmige Flecken auf Stängeln, Blattstielen und Blättern. Der Spitzentrieb stirbt oft ab, es kommt zu einer vermehrten Seitentriebbildung. Bei Befall der Früchte sind diese unregelmäßig ausgebildet und sie weisen deutlich braun gefärbte Ringe auf. Die Früchte können auch verschieden großflächig gelblich-bronzefarbig gefärbt sein und lassen innerhalb dieser Verfärbungen unregelmäßige oder rundliche, scheibenförmige Flecken in der normalen Fruchtfarbe aus. Manchmal sind die Kelchblätter orange verfärbt.
Wirtspflanzen
Dieses Virus kann über 350 Pflanzenarten aus mehr als 50 Pflanzenfamilien (Dicotyle und Monocotyle) befallen. Besonders häufig sind Zierpflanzen und auch Gemüsekulturen betroffen.
Zierpflanzen
zum Beispiel: Argyranthemum (Argyranthemum frutescens), Inkalilie (Alstroemeria sp.), Anemone (Anemone sp.), Aster (Aster sp.), Begonie (Begonia sp.), Pantoffelblume (Calceolaria-Hybriden), Celosie (Celosia sp.), Chrysanthemen (Chrysanthemum sp.), Cinerarie (Senecio-Cruentus-Hybriden), Alpenveilchen (Cyclamen persicum), Diascie (Diascia sp.), Dahlie (Dahlia sp.), Enzian (Gentiana sp.), Eustoma (Eustoma grandiflora), Gerbera (Gerbera sp.) Gladiole (Gladiolus sp.), Gloxinie (Sinningia-Hybriden), Hortensie (Hydrangea sp.), Impatiens (Impatiens sp.), Schwertlilie (Iris sp.), Flammendes Käthchen (Kalanchoe blossfeldiana), Lobelie (Lobelia sp.), Kapmargeriten (Osteospermum sp.), Pelargonie (Pelergonium sp.), Primel (Primula sp.), Ranunkel (Ranunculus asiaticus), Usambaraveilchen (Saintpaulia-Ionantha-Hybriden), Sommeraster (Callistephus chinensis) , Surfinie (Petunia-Hybriden), Tagetes (Tagetes sp.), Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), Eisenkraut (Verbena sp.), Calla (Zantedeschia sp.), Zinnie (Zinnia elegans)
Gemüse
zum Beispiel: Gurke (Cucumis sativus), Melanzani (Solanum melongena), Paprika (Capsicum annuum), Salat (Lactuca sativa), Sellerie (Apium graveolens), Tomate (Lycopersicum esculentum), Artischocke (Cynara scolymus), Bohnen (Phaseolus vulgaris)
Weitere Wirtspflanzen
Kartoffeln (Solanum tuberosum), Tabak (Nicotiana tabacum), Gewöhnliches Greiskraut (Senecio vulgaris), Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum), Gänsedistel (Sonchus oleraceus), Vogelmiere (Stellaria media), Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), Löwenzahn (Taraxacum officinale) u. a. m.
Verbreitung
Vorkommen in Europa: Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Finnland, Frankreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Litauen, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Ukraine.Weiters ist dieses Virus auch auf allen anderen Kontinenten verbreitet.
Vorbeugung und Bekämpfung
Die Anzucht der Tomaten nicht in Nachbarschaft von Zierpflanzen (z. B.: Cinerarien, Dahlien, Chrysanthemen, Primeln, Surfinien, Lobelien, etc.) vornehmen. Pflanzen mit Krankheitssymptomen aus den Beständen entfernen und am besten verbrennen. Die Thripse sorgfältig bekämpfen.
Nachhaltige Pflanzenproduktion
Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
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