Baumwoll-Weiße Fliege
Einleitung
Die Baumwoll-Weiße Fliege oder Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) ist ein weltweit bedeutender Schaderreger an Feldbaukulturen (in tropischen und subtropischen Ländern) und in Glashäusern an Gemüse und Zierpflanzen. Sie ist als Quarantäneschadorganismus in der EU (siehe RL 2000/29/EG) gelistet. Neben den durch ihre Saugtätigkeit verursachten Schäden ist ihre Funktion als Überträger von mehr als 100 Pflanzenviren der Gattungen Begomovirus (Geminiviridae), Crinivirus (Closteroviridae) und Carlavirus oder Ipomovirus (Potyviridae) sehr bedeutend und damit hohe Ertragsverluste möglich.
Schadorganismus
Bemisia tabaci, die Baumwoll-Weiße Fliege oder Tabak-Mottenschildlaus, gehört zur Gruppe der Pflanzensauger oder Gleichflügler (Homoptera). Die erwachsenen Tiere sind etwa 1,5 mm groß mit 4 dachförmig stehenden, weißen Flügeln, die wie der Körper mit feinem, mehligem Wachsstaub bepudert sind. Der Saugrüssel entspringt weit hinten an der Kopfunterseite. Die Weiße Fliege hat 4 schildlaus-ähnlich aussehende Larvenstadien, wovon nur das 1. Larvenstadium noch beweglich ist, die anderen sitzen (unbeweglich und) fest auf den Blättern. Die Färbung der Larven (Nymphen) ist stark von der Wirtspflanze abhängig; auf Poinsettie nehmen sie z.B. eine zitronengelbe Färbung an.
Seit einigen Jahren können mit enzymatischen Nachweisverfahren mehrere Unterarten (Sub- oder Biotypen) von Bemisia tabaci unterschieden werden. Der bekannteste davon, Subtyp B („silverleaf whitefly“, Bemisia argentifolii), hat in Kalifornien zu verheerenden Schäden an Gemüsekulturen geführt, ist besonders fruchtbar und hoch resistent gegenüber Insektizidwirkstoffen.
Symptome
Die Alttiere und die unbeweglichen, schildlaus-ähnlich aussehenden Larven sitzen bevorzugt an der Blattunterseite, wo sie den Pflanzensaft saugen. Auf den Blättern entstehen dadurch gelbliche Flecken, bei starkem Befall vergilben sie, bis sie schließlich welken und abfallen. Zusätzlich scheiden die Larven große Mengen an klebrigem Kot (Honigtau) aus, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln können und schwärzliche Beläge erzeugen.
Wirtspflanzen
Bis vor kurzem war B. tabaci hauptsächlich als Schädling für Feldkulturen tropischer und subtropischer Länder bekannt, wie für Maniok (Manihot esculenta), Baumwolle (Gossypium), Süßkartoffeln (Ipomoea batatas), Tabak (Nicotiana) und Tomaten (Lycopersicon esculentum). Das Wirtspflanzenspektrum für B. tabaci besteht aus über 900 Wirtspflanzen aus über 60 Familien (wie Asteraceae, Brassicaceae, Cucurbitaceae, Convolvulaceae, Euphorbiaceae, Fabaceae, Malvaceae, Solanaceae, etc.). Durch die Entwicklung des so polyphagen B Biotyps wurde B. tabaci auch ein bedeutender Glashaus-Schädling in vielen Teilen der Welt, wie im Gemüsebau besonders für Paprika (Capsicum), Zucchini (Cucurbita pepo), Gurken (Cucumis sativus), Salat (Lactuca sativa) und Tomaten (Lycopersicon esculentum) und im Zierpflanzenbau für Hibiscus, Gerbera, Gloxinia und Poinsettie (Euphorbia pulcherrima).
Verbreitung
Ein Auftreten von Bemisia tabaci wird von allen Kontinenten, außer der Antarktis, berichtet. Sie ist in warmen Ländern (z.B. Tropen, Subtropen, Südeuropa) verbreitet, auch im ganzen Gebiet der EPPO-Region, vor allem in geschützten Kulturen. In manchen Ländern gibt es Ausrottungsprogramme, wie in Dänemark, Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Irland.
In Österreich ist die Einschleppung und Etablierung in Gewächshäusern möglich – in deren unmittelbarer Umgebung auch im Freiland während des Sommers.
Die erwachsenen Tiere von Bemisia tabaci können zwar nicht ausdauernd fliegen, in der Luft aber durch Wind über weite Strecken vertragen werden. Alle Entwicklungsstadien können durch Pflanzmaterial und Schnittblumen bzw. Schnittgrün übertragen werden. Wahrscheinlich ist der internationale Handel mit Poinsettien der größte Verbreiter des Schädlings.
Bekämpfung
Präventivmaßnahmen:
bei Zukauf sofortige Kontrolle der Pflanzen beim Eintreffen im Betrieb auf Vorhandensein von Weißer Fliege bzw. auf verdächtige Schadsymptome (z.B. gelbliche, chlorotische Flecken, Honigtau, Rußtaupilze)
vor Kulturbeginn die Befallsfreiheit von Gewächshäusern und Folientunnel visuell überprüfen und dabei Gelbfallen unterstützend einsetzen
regelmäßige Befallskontrollen während der Kultur (visuell, Gelbtafeln)
auf Hygiene-Maßnahmen im Betrieb achten, vor allem nach Ende einer Kultur
direkte Maßnahmen:
Ermittlung des Befalls im gesamten Betrieb; auch die benachbarten Kulturen prüfen
Einsatz von natürlichen Gegenspielern, wie z.B. Parasitoide
Behandlung mit zur Bekämpfung von Weißer Fliege zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (siehe Amtlicher Pflanzenschutzmittel-Register der AGES unter: http://www.infoland.at:7778/pls/psmv/pmgweb2$.Startup?z_user=www)
Vernichtung des befallenen Pflanzenbestandes, wenn kein geeignetes Pflanzenschutzmittel zur Verfügung steht
Christa Lethmayer
Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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