Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera)

Einleitung
Helicoverpa armigera
ist im Anhang II A II (a)6.2 des Pflanzenschutzgesetzes 1995, BGBl. Nr. 532/1995, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2005, als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung bei Befall bestimmter Pflanzen (Dendranthema, Dianthus, Pelargonien und der Familie der Nachtschattengewächse) in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist. Dieses Insekt unterliegt der Meldepflicht gemäß § 40 Pflanzenschutzgesetz 1995 und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.

Schadorganismus
Der Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera) wurde früher der Gattung Heliothis zugerechnet. Es handelt sich um die Raupe eines Nachtschmetterlings, der zu den Eulenfaltern (Noctuidae) zählt. Die Falter fliegen sehr gut und sind - freilich mit Hilfe der Winddrift - in der Lage, auch größere Entfernungen von bis zu Tausend Kilometern zurückzulegen. Nach bisherigen Untersuchungen ist er bei uns nicht heimisch, da er bei uns nicht überwintern kann. Er wandert jedoch in einzelnen Jahren in Massen aus dem Süden zu. Möglicherweise wird dies durch Dürreperioden in seiner Heimat ausgelöst. Er wird dann auch bei uns sehr schädlich. Die Falter legen ihre cremefarbenen Eier einzeln aber in kleineren Gruppen an ihren Wirtspflanzen meist in der Nähe von Blüten oder Früchten ab. Weibchen können je nach dem Ernährungszustand der Raupe, aus der sie sich entwickelt hatten, über 1000 Eier ablegen! Im Zuge der Entwicklung werden 6 Raupenstadien durchlaufen. Die Raupen fressen bevorzugt in Blüten, Triebspitzen oder Früchten. Wenn sie die Möglichkeit haben, so bohren sie sich in Pflanzenteile ein und halten sich dann in den selbst genagten Fraßgängen auf. Als Nahrung werden die heranreifenden Samen bevorzugt. Zur Verpuppung verlässt die Raupe ihre Wirtspflanze und gräbt eine kleine Erdhöhle, die sie mit Spinnseide auskleidet und in der sie sich verpuppt. Je nach Temperatur können sich in jeder Saison mehrere Generationen von Faltern entwickeln. Bei uns war bislang wahrscheinlich infolge stetiger Zuwanderung keine deutliche Generationenfolge erkennbar. In wärmeren Ländern erfolgt die Überwinterung im Puppenstadium. Parasitierte Raupen wurden bei uns nur in geringem Ausmaß gefunden: die Ursache mag darin liegen, dass diese Insekten bei uns nicht heimisch sind und sich durch deren sporadisches Auftreten kaum Parasiten einstellen konnten. Zudem ist es denkbar, dass der Falter durch seine weiträumigen Wanderungen den Raupen- und Eiparasiten seiner Nachkommenschaft praktisch davonfliegt.

Symptome
Fraßgänge in Gemüsefrüchten und verschiedenen  Samenständen (z.B. Maiskolben, Baumwollkapseln), aber auch in Blüten oder Knospen beispielsweise von Gerbera oder Geranien. Schäden wurden bislang in Ackerkulturen und Freilandgemüse, aber auch in Glashauskulturen beobachtet. Schäden waren auch im Kleingartenbereich festzustellen.

Erkennung
Eier werden meist in Blüten- oder Fruchtnähe einzeln in losen Gruppen abgelegt, nicht jedoch in Eigelegen. Sie besitzen kugelförmige Gestalt mit einem Durchmesser von etwa 0,5 mm und zeigen eine fein ziselierte Oberfläche. Sie können nach derzeitigem Wissenstand nicht von den Eiern verwandter Arten unterschieden werden.

Der „Baumwollkapselwurm“ ist eine sehr variabel gefärbt Raupe. Neben Typen, wie dem abgebildeten Exemplar gibt es noch bräunliche Farbvarianten. Charakteristisch sind jedenfalls die in feine Linien aufgelösten Längsbänder sowie Borsten auf dem 4. Körpersegment – das ist das erste beinloses Segment nach der Brustregion mit den Brustbeinen - die auf stark sklerotisierten Sockeln stehen. Die Körperhaut ist mit sehr feinen Zäpfchen bedeckt – zu deren Erkennung ist unbedingt eine Lupe erforderlich. Um letzte Sicherheit zu erhalten, muss die Raupe bis zum Falter weitergezüchtet werden.

Die Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) ist ein unscheinbarer Nachtfalter von 35 mm Spannweite, der für den Laien nur schwer von ähnlichen Arten zu unterscheiden ist. Typisch für die gesamte Gruppe der so genannten Eulenfalter ist das rechts abgebildete Zeichnungsmuster, die Flügelform sowie meist fadenförmige Fühler ohne Endkeule.

Die Flügel von Faltern der Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) sind in verschiedensten Braun- und Grautönen äußerst variabel gefärbt.

Zur sicheren Identifizierung der Baumwollkapseleule ist es notwendig deren Genitaltrakt zu untersuchen: Beim Männchen (links) sind im Inneren typische Chitinhörnchen (Cornuti) zu finden, beim Weibchen ist neben dem spiralig gedrehten Darm ein blasenförmiges Receptaculum seminis sichtbar, welches mit feinen Zähnchen besetzt ist, die in 4 Längsrillen angeordnet sind.

Wirtspflanze
Die Raupen wurden in Österreich bisher in Früchten von Nachtschattengewächsen (Paprika, Paradeiser, Melanzani), an Buschbohnen, an Gurkentriebspitzen, an Maiskolben sowie in Gerbera- und Pelargonienblüten gefunden. Weltweit ist er vor allem durch den Befall der Baumwollkapseln berüchtigt, woher auch sein deutscher Name rührt - in Frankreich wird er hingegen als Tomateneule bezeichnet. Seine gesamte Wirtspflanzenliste umfasst jedoch mehr als 120 Wild- und Kulturpflanzen, eine der bevorzugten Wirtspflanzen ist der Mais.

Verbreitung
Der Baumwollkapselwurm ist in den Tropen und Subtropen der alten Welt weit verbreitet und kommt auch im Mittelmeergebiet häufig vor. In Österreich fliegt er jahresweise aus dem Süden zu und erzeugt hier Nachkommenschaft, die aber kaum überwintern kann.

Vorbeugung und Bekämpfung

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