Feuerbrandbekämpfung 2008

Umfassende Bekämpfungsstrategie soll Ausbreitung der Pflanzenseuche eindämmen

(Wien, November 2008, AGES) Feuerbrand ist eine hochinfektiöse, schwer zu bekämpfende Pflanzenseuche. Befallene Apfel- und Birnenbäume können innerhalb kurzer Zeit absterben.
In Österreich wurde seitens der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, ein Konzept für eine ganzheitliche Bekämpfungsstrategie erarbeitet. Besonders wichtig ist, die Verbreitung der Pflanzenseuche einzudämmen. Das Konzept beruht auf Vorsorgemaßnahmen wie z. B. den Anbau resistenter Sorten, den Verzicht, feuerbrandanfällige Wirtspflanzen auszupflanzen und die genaue Beobachtung von Wirtspflanzen auf Befallssymptome, damit infizierte Pflanzenteile oder Pflanzen frühzeitig entfernt werden können. Stark geschädigte Pflanzen müssen sofort gerodet und am besten an Ort und Stelle verbrannt werden. Denn der Erreger kann auch an gerodetem Holz am Leben bleiben. Bei weniger geschädigten Pflanzen genügt das Entfernen erkrankter Äste. Das geschnittene Holz muss sofort vernichtet werden. Schnittwerkzeuge, Hände und Schuhwerk müssen desinfiziert werden.

Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln

Die bisher verfügbaren Pflanzenschutzmittel sind nur in bestimmten Entwicklungsphasen der Pflanze einsetzbar und weisen nur eine Teilwirkung auf. Das Antibiotikum Streptomycin ist eine mit einem beständig hohen Wirkungsgrad verfügbare Substanz, die weltweit, insbesondere in den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz, eingesetzt wird. Nach dem bisher stärksten Feuerbrandauftreten in Österreich im Jahr 2007 wurde im Jahr 2008 die Inverkehrbringung und Anwendung von Streptomycin durch das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) in Österreich zugelassen. Der Einsatz wurde ausschließlich bei Gefahr im Verzug, d. h. wenn alle anderen Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfungsstrategie nicht mehr ausreichend waren, erlaubt. Angewendet durfte das Mittel ausschließlich während der Blüte werden. Eine Warnmeldung war vorgeschriebene Voraussetzung für eine Behandlung. Auf Grund dieser wissenschaftsbasierten Beratung der Obstbauern war unter den 2008 vorliegenden Umweltbedingungen die Anwendung von Streptomycin lediglich auf 189 Hektar - das sind lediglich 2,4 Prozent der gesamten Kernobstbauflächen Österreichs - erforderlich. Der Einsatz von Streptomycin wurde durch das BAES und die Bundesländer streng kontrolliert und überwacht.

Umfangreiche Überwachungs-Maßnahmen

Seitens der AGES und der Länder wurden umfangreiche Monitoringmaßnahmen zur Evaluierung des Streptomycineinsatzes durchgeführt. Sie umfassten ein Resistenzmonitoring, ein Honigmonitoring und ein Rückstandsmonitoring.
Die Untersuchungen des Feuerbranderregers, des Bakteriums Erwinia amylovora, ergaben keinen Hinweis auf eine Veränderung der Sensitivität der Erreger gegenüber Streptomycin; d. h. es wurden keine Resistenzen festgestellt.
In sämtlichen Untersuchungen im Rahmen des Honigmonitorings wurden keine Rückstände nachgewiesen.
Im Zuge des Rückstandsmonitorings haben ExpertInnen der AGES erstmals den Nachweis von Streptomycin-Rückständen in reifen Äpfeln erbracht. Mit einer eigens für das Monitoring entwickelten Analysenmethode ist es gelungen, Spuren des Antibiotikums im Bereich von Millionstel Gramm zu detektieren. Die Analyse der Proben erfolgte mittels Hochdruck-Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (LC/MS-MS). Diese Analysemethode erfordert hohes Maß an Erfahrung, umfassende Kenntnisse der analytischen und apparativen Chemie und eine Geräteausrüstung nach dem neuesten Stand der Technik. Dann allerdings können noch geringste Spuren von Substanzen nachgewiesen werden, die in einem Bereich von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm liegen. So konnten die AGES-ExpertInnen die Bestimmungsgrenze von Streptomycin – jener Wert, ab dem eine Mengenangabe einer Substanz möglich ist – auf 0,0066 Milligramm pro Kilogramm senken. Die Nachweisgrenze – jener Wert, ab dem man sagen kann, dass die Substanz vorhanden ist – liegt sogar bei 0,0019 Milligramm/Kilogramm. Zum Vergleich: Mit den bisher verwendeten Methoden lagen die Nachweisgrenzen bei etwa 0,02 bis 0,05 Milligramm/Kilogramm. Die in wenigen Fällen nachgewiesenen Rückstände liegen unter dem gesetzlich zulässigen Vorsorgewert. Festzuhalten ist, dass die Erzeugnisse sichere Lebensmittel sind und keinerlei Gefahren für den Verzehr bestehen.

Zusammenarbeit ist wichtig

Unter der Federführung der AGES wird in Österreich an der Weiterentwicklung einer ganzheitlichen Strategie zur Beherrschung der Pflanzenseuche Feuerbrand gearbeitet. Die nunmehr vorliegenden neuen Erkenntnisse werden in die Strategie einfließen. ExpertInnen aus allen Wirtschaftsbereichen entlang der gesamten Lebensmittelkette, dem Lebensmittelhandel bis hin zu Konsumentenschutzorganisationen und NGO´s wurden und werden in Beiräten eingeladen, an der Entwicklung der Strategie mitzuwirken. Weiters werden seitens der AGES in Partnerschaft mit anderen Institutionen umfassende Forschungsarbeiten durchgeführt, um die Pflanzenseuche Feuerbrand künftig zu beherrschen. Ziel aller Maßnahmen ist es, unter bestmöglicher Wahrung des Gesundheits- und Umweltschutzes die Ausbreitung dieser gefährlichen Pflanzenseuche bestmöglich zu verhindern.

Seite empfehlen

Senden Sie den Link zur aktuellen Seite an einen E-Mail Empfänger:

(Sie müssen die *gekennzeichneten Felder ausfüllen!)