Vier Jahre Projekt Gemeinsam gegen Feuerbrand – eine Bilanz
Seit 2007 arbeiten Fachleute aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein im Rahmen eines Interreg IV-Programms an der gemeinsamen, grenzüberschreitenden Bekämpfung von Feuerbrand rund um den Bodensee. 60 Prozent des Gesamtbudgets von 2.306.996,00 € konnten über die Förderung aus dem Interreg IV Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein lukriert werden; 40 Prozent wurden von den Projektpartnern (Österreich: Land Vorarlberg, Technische Universität Wien, AGES) finanziert.
Die vier Schwerpunkte des Projekts - Kulturmaßnahmen, Sorten, Wirkstoffe und Kommunikation - brachten wesentliche Ergebnisse zur Bekämpfung von Feuerbrand im Streu-/Feld- und Erwerbsobstbau. Die wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen machen das Projekt für Forschung, Lehre, Beratung und Obstbaupraxis gleichermaßen relevant.
Kulturmaßnahmen:
In den Jahren 2008 bis 2011 wurden sieben Streuobstbestände mit unterschiedlicher Pflegeintensität in der Schweiz und Vorarlberg auf Feuerbrandbefall kontrolliert und eine Vielzahl von Verdachtsproben und Latenzuntersuchungen (von nicht-symptomatischen Pflanzenteilen) durchgeführt.
Die Arbeiten umfassten folgende Aktivitäten:
- Blütenmonitoring als Bezugsbasis: Der Befall von Blüten gilt als wichtiger Indikator für den Befallsausbruch bei ansteigenden Temperaturen
- Monitoring der Indikatorbäume auf Krankheitsverlauf (laufende Befallskontrolle): Die laufende Beobachtung der ausgewählten Bäume bildet die Basis für die Schlussfolgerungen im Projekt.
- Probenahmen zu verschiedenen Zeitpunkten zur Erfassung von Latenzinfektionen: Allein in Vorarlberg wurden 3700 Latenzproben von der AGES untersucht um sich ein Bild vom Vorkommen des Feuerbranderregers zu machen.
Entscheidender Faktor sind letztendlich Witterungsverlauf und Sorte. Trotz intensiver Kontrollen im Projekt und sofortige Schnittmaßnahmen konnte der Feuerbrand in der Befallsphase während der Vegetationszeit kaum gestoppt und schon gar nicht verhindert werden. Über die Jahre gesehen ist aber Baumschnitt und -pflege ein wichtiges Instrument um die Bestände zu erhalten.
Sorten:
Robuste Sorten sind nicht immun gegenüber Feuerbrandbefall und garantieren keine völlige Befallsfreiheit. Ist der Infektionsdruck im Bestand oder in der unmittelbaren Umgebung sehr hoch, kann auch eine robuste Sorte Triebbefall zeigen und in Einzelfällen sogar absterben. Allerdings schreitet bei robusten Sorten der Befall langsamer voran. Damit steigen die Chancen, die Pflanze durch einen gezielten Ausschnitt vom Feuerbrand zu befreien.
Nach Abschluss des Projektes können 35 Apfel- und 17 Birnensorten als robust gegenüber Feuerbrand empfohlen werden. Darunter finden sich so altbewährte Apfelsorten wie Bittenfelder Sämling, Rheinischer Bohnapfel und Schöner aus Wiltshire oder Birnensorten wie Schweizer Wasserbirne oder Kirchensaller Mostbirne. Aber auch weniger bekannte und in Vergessenheit geratene alte Sorten wie Borowinka, Doppelter Prinzenapfel und Winterzitronenapfel bei den Äpfeln oder Wilde Eierbirne und Kieffers Sämling bei den Birnen können nun beim Anbau bevorzugt werden. Aber auch verschiedene neuere Sorten sind robust gegenüber dem Feuerbranderreger, so z. B. die Apfelsorten Florina, Spartan und Enterprise sowie die Birnensorten Harrow Sweet und Harrow Delight. Die gezielt auf Widerstandsfähigkeit gegenüber Feuerbrand gezüchtete neue Apfelsorte Rewena gilt aktuell als die feuerbrandrobusteste Sorte überhaupt.
Einige der ausgewählten Sorten waren bisher kaum mehr in Baumschulen erhältlich. Sie werden nun gezielt wieder vermehrt und stehen für künftige Pflanzungen zur Verfügung. Eine Empfehlungsliste informiert detailliert über Verwendung, Reife, Anbaueignung und Ansprüche der insgesamt 54 Apfel- und Birnensorten und erleichtert dem Nutzer die Sortenwahl.
Alternativ-Präparate
Im gemeinsamen Projekt wurden unter wissenschaftlicher Begleitung mögliche alternative Präparate getestet. In einem Stufenverfahren, beginnend mit einem Nährbodentest, dann auf isolierten Blüten im Labor, wurden Wirkstoffe auf ihre Eignung zur Feuerbrandbekämpfung getestet. Waren hier erste positive Ergebnisse zu sehen, wurden die Wirkstoffe dann im Freiland in isolierten Anlagen geprüft.
Mittels künstlicher Inokulation wurde der Erreger in den Versuchsanlagen ausgebracht und unter realen Bedingungen wurden die Prüfsubstanzen im Vergleich zu Streptomycinsulfat und unbehandelten Parzellen getestet. Die Wirkstoffe bzw. Produkte mit guter Wirkung müssen nun ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem Fragestellungen wie z. B. Bewertung der (Human-)Toxizität, Gefährdung der Honigbienen und Gewässerschutz beantwortet werden müssen.
Feuerbrand-Situation in Österreich 2011
In der Steiermark kam es zu einem weiteren Rückgang des Feuerbrandauftretens, weitere Landesteile sind befallsfrei. Ca. 40 % aller Feuerbrandverdachtsmeldungen kamen heuer aus dem Erwerbsobstbau, die Sanierung erfolgte v. a. durch Rückschnitt; 3,63 Hektar mussten gerodet werden. Aus Tirol liegen derzeit Meldungen aus 6 von 279 Gemeinden vor, ca. 100 Bäume in Intensivobstanlagen sind betroffen. Niederösterreich hat 190 Fälle v. a. aus dem Wald- und Weinviertel gemeldet (Weiß- und Rotdorn; kein Intensivobstbau betroffen). Kärnten meldete 46 Fälle, v. a. Hochstammbirnen, insgesamt gab es 28 Rodungen. Oberösterreich meldete gebietsweise Feuerbrand im Streuobstbau, im Erwerbsobstbau traten keine Feuerbrandfälle auf. In Salzburg ist die Situation seit 2008 unverändert ruhig (insgesamt 15 Fälle aus Hausgärten). In Vorarlberg gab es trotz guter Infektionsbedingungen nur punktuell starken Befall. Wien meldete 4 Fälle (1 Birne, 3 Crataegus aus Windschutzstreifen), ebenso wie das Burgenland.
Insgesamt wurden im Frühjahr 2011 46,8 ha Kernobstfläche in den Bundesländern Steiermark, Niederösterreich und Vorarlberg mit insgesamt 26,9 kg streptomycinhältigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Wie in den Vorjahren durften maximal zwei Behandlungen während der Blüte nach Freigabe durch die zuständige Landesbehörde vorgenommen werden. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um eine einmalige Applikation. Auf Länderebene erfolgte wie bereits in den Vorjahren ein Honigmonitoring, sodass die Rückstandsfreiheit des verkauften Honigs gewährleistet werden konnte. Damit hat sich die unter der Federführung der AGES erarbeitete „Gesamtheitliche Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrandes 2009-2013 in Österreich“, die ein umfassendes Vorgehen gegen diese Pflanzenseuche vorsieht, auch im Hinblick auf den restriktiven und zielgerichteten Einsatz von Streptomycin wiederum bestens bewährt.
Strategie 2009 bis 2013
Um den Feuerbrand in Österreich langfristig beherrschen zu können, wurde gemeinsam mit ExpertInnen aller Wirtschaftsbereiche entlang der gesamten Lebensmittelkette eine umfassende Strategie entwickelt. Weiters wurden seitens der AGES in Partnerschaft mit anderen Institutionen umfassende Forschungsarbeiten durchgeführt. Ziel aller Maßnahmen ist es, unter bestmöglicher Wahrung des Gesundheits- und Umweltschutzes die Ausbreitung dieser gefährlichen Pflanzenseuche bestmöglich zu verhindern.
Die Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrands sieht ein umfassendes Vorgehen gegen diese Pflanzenseuche vor:
1. Vorrangig allgemeine Maßnahmen für verschiedene Bereiche (Intensivobstbau, Streuobstbau, Zierpflanzenbau, Privatgärten, öffentliches Grün, Baumschulen):
- Vorbeugend (z. B. Sorten- und Unterlagenwahl, keine weiteren Wirtspflanzen in Intensivobstbaugebieten)
- Sanierung (Rodung, Rückschnitt, Vernichtung des befallenen Materials)
- Hygienemaßnahmen
- regelmäßige Kontrollen auf Symptome etc.
- spezielle praktische Empfehlungen für den Intensivobstanbau
2. Forschung, Versuchstätigkeit (Labor, Glashaus, Freiland)
3. Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zur Pflanzenseuche Feuerbrand
4. Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Pflanzenhilfsmitteln
5. Gefahr im Verzug - Zulassungen
Hintergrundgespräch 2009 Feuerbrandstrategie
AGES
Ort: 1220, Spargelfeldstraße 191
Dienstort: Wien
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Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit