ERSTELLT: 10.11.2011

Maßnahmen zur Umsetzung der Feuerbrandstrategie

Anwendung von Streptomycin-hältigen Pflanzenschutzmitteln gegen Feuerbrand

Das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) hat am 25.03.2011 die Gefahr-in-Verzug-Zulassungen für die streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmittel "Strepto" und "Firewall 17 WP" erteilt, die Zulassung endete am 15.06.2011.
 
Insgesamt wurden im Frühjahr 2011 46,8 ha Kernobstfläche in den Bundesländern Steiermark, Niederösterreich und Vorarlberg mit insgesamt 26,9 kg streptomycinhältigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Wie in den Vorjahren durften maximal zwei Behandlungen während der Blüte nach Freigabe durch die zuständige Landesbehörde vorgenommen werden. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um eine einmalige Applikation. Damit hat sich die unter der Federführung der AGES erarbeitete „Gesamtheitliche Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrandes 2009-2013 in Österreich“, die ein umfassendes Vorgehen gegen diese Pflanzenseuche vorsieht, auch im Hinblick auf den restriktiven und zielgerichteten Einsatz von Streptomycin wiederum bestens bewährt.

Begleitende Maßnahmen zum Streptomycineinsatz

Honigmonitoring:

Auf Länderebene erfolgte wie bereits in den Vorjahren ein Honigmonitoring, sodass die Rückstandsfreiheit des verkauften Honigs gewährleistet werden konnte.

Steiermark: Auf der Grundlage einer umfangreichen Datenerhebung und der Verteilung der Erwerbskernobstflächen sowie der Anwendungsmeldungen über den Streptomycineinsatz ist von der AGES ein Stichprobenplan für die Untersuchung des Honigs auf Streptomycinrückstände erstellt worden. Neben Proben aus dem tatsächlichen Anwendungsgebiet (Basis: gemeldete Anwendungen) sind auch Proben aus dem theoretisch möglichen Anwendungsgebiet (Erwerbskernobstbaugebiet) ausgewählt worden. Die Probennahme erfolgte im Zeitraum 23. Mai bis 30. Juni 2011 durch Amtsorgane der Lebensmittelaufsicht und es sind insgesamt 47 Proben gezogen worden. Streptomycin war in keiner der Proben nachweisbar. Die betroffenen Imker (insgesamt 38) sind über dieses Ergebnisse und die Zulässigkeit des Inverkehrbringens der untersuchten Honige mit Schreiben der FA10B vom 14. 08. 2011 informiert worden.
 
Vorarlberg: Das Vorarlberger Umweltinstitut hat 30 Honigproben untersucht, davon lagen 29 unter und eine Probe genau am Grenzwert und waren damit lebensmittelrechtlich in Ordnung.

Untersuchung der Früchte:

Aufgrund des geringen Anwendungsumfanges Streptomycinhältiger Pflanzenschutzmittel erschien die Notwendigkeit eines spezifisches Rückstandsmonitorings - über die LM-Kontrolle hinaus - nicht gegeben.  Dies wird auch durch den Umstand gerechtfertigt, dass fast ausschließlich nur eine einmalige Anwendung erfolgte und deshalb - auf Basis der Erfahrungen der Vorjahre - keine relevanten/nachweisbaren Rückstände am Ernteprodukt zu erwarten sind.

Überwachung der Sensitivität von E. amylovora gegenüber Streptomycin:

Es wurde auch 2011 eine Überprüfung von Feuerbrand-Isolaten auf eine eventuelle verminderte Sensitivität gegenüber Streptomycin durchgeführt. Es wurde keine veränderte Sensibilität festgestellt.

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Beratungs- und Informationsangebot

  • Zielgruppenorientierte Informations- und Schulungsaktivitäten wurden weiter geführt
  • Auflage neuer Feuerbrand-Informationsfolder
  • Schulung der Sachverständigen
  • Information über Internet
  • Veröffentlichungen in einschlägigen Fachzeitschriften
  • Rundschreiben und Mitteilungen der Obstbauorganisationen
  • Gartenbegehungen, Schulung in Kleingartenverbänden
  • Telefonische Beratung
  • Weitergabe von Fachwissen im Unterricht von GärtnerInnen (Meisterkurs) oder in der Baumwärterausbildung
  • Vorträge in Obst- und Gartenbauvereinen
  • Der Feuerbrand-Round Table (AGES) dient dem Informationsaustausch und der Weiterentwicklung der gemeinsamen Bekämpfungsstrategie
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Suche nach Alternativen zum Antibiotika-Einsatz:

2010 wurden erstmals in Österreich am LVZ Haidegg Freilandversuche zur Wirksamkeitsprüfung von Präparaten gegen Feuerbrand mit künstlicher Inokulation durch den Feuerbranderreger Erwinia amylovora durchgeführt. In einer 2009 eigens angelegten Versuchparzelle außerhalb von Obstbaugebieten wurden junge Apfelbäume gepflanzt. Jährlich werden neue Bäume nachgesetzt. Die Versuchsplanung wurde mit dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst Steiermark und dem Institut für Pflanzengesundheit der AGES unter Beachtung strengster Sicherheitsauflagen erstellt. Gemäß der EPPO–Richtlinie PP 1/166(3) wurden getopfte Bäumchen in der Anlage platziert und mit Feuerbrandbakterien (108 cfu/ml) besprüht. Für eine weitere Verbreitung der Erreger auf alle Versuchsbäume wurden Bestäubungsbienen eingesetzt, sie wurden nach Versuchsende vernichtet. Die Anlage wurde vor Versuchsbeginn eingenetzt, um eine unkontrollierte Verbreitung des Feuerbranderregers zu unterbinden. Nach der Bonitur wurden die Bäume gerodet und verbrannt. 2011 wurden die Versuche fortgesetzt, für 2012 bereits Vorbereitungen getroffen.

Bisher wurden folgende Präparate getestet:

Variante

Präparat

Wirkstoff

Wirkungsgrad ausreichend

2010

Kontrolle

Vergleichsmittel

Strepto

Streptomycinsulfat

X

Prüfmittel

Akasoil 40

Poly[2-(2-ethoxy)-ethoxyethyl-guanidiumhydroxid]+Poly(hexamethylendiamin-guanidiumhydroxid)

Vacciplant

Laminarin

Schwefelkalk

Schwefelkalk

2011

Kontrolle

Vergleichsmittel

Strepto

Streptomycinsulfat

X

Prüfmittel

Juglon

Juglon

Vacciplant-Mycosin

Laminarin, Aluminiumsulfat

X

Curamin+Vittafos

Kupferchelat+Blattdünger

X

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Bereitstellung resistenter Unterlagen für Obstbauern
Versuch: „Prüfung feuerbrandtoleranter Apfelunterlagen auf ihre Anbaueignung unter den Bedingungen der Steiermark“, LVZ Haidegg, 2009 – 2013

Im Frühjahr 2009 wurde am Landwirtschaftlichen Versuchszentrum Graz-Haidegg ein Unterlagenversuch gepflanzt. Es wurden die Sorten Golden Reinders und Gala Brookfield auf den Unterlagen M9-337 (Referenzvariante), CG 11, CG 41, Supporter 4 und Supporter 1 gepflanzt. Im Frühjahr 2010 wurden Bäume mit der Unterlage B 9 ergänzt. Der Versuch ist randomisiert mit drei Wiederholungen angelegt. Eine Ausweitung des Versuchs um interessante polnische Unterlagen ist geplant. Die Bonitur umfasst vor allem obstbauliche Aspekte wie vegetatives Wachstum, Ertrag und Fruchtqualität. In Österreich bieten derzeit in begrenztem Ausmaß Baumschulen bereits Bäume auf Geneva- und B9-Unterlagen an. Feuerbrand ist in diesem Versuch bis 2011 noch nicht aufgetreten, daher kann über die Feuerbrandempfindlichkeit derzeit noch keine Aussage getroffen werden.

Vorarlberg: Im Herbst 2009 wurde bei einer Baumschule die Veredelung von je 150 Apfelbäumen auf robuste Unterlagen (B9 und CG 11/Geneva 11) in Auftrag gegeben, um mit den Bäumen in Praxisanlagen Erfahrungen zu sammeln. Leider hat die Baumschule mitgeteilt, dass keine einzige Veredelung angewachsen sei. Es wurde daher der Auftrag erneuert, CG 11 waren allerdings nicht zu bekommen. Somit wurden 150 Bäume (75 Topaz und 75 Elstar) auf B9 veredelt.

Erhaltung genetischer Ressourcen

  • Tirol: Sammlung von alten Apfelsorten im Rahmen eines Interreg III-Projektes
  • Markierung von besonders seltenen Sorten/Bäumen
  • Einrichtung von 2 Pflanzgärten für seltene/gefährdete Apfelsorten (ca. 90 Sorten an 2 versch. Standorten)
  • Vermehrung und Auspflanzung von seltenen/gefährdeten Apfelsorten
  • Am LFZ Klosterneuburg, an der BOKU und am OVG St. Andrä werden ebenfalls Kernobstsorten gesammelt und erhalten.
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Anpassung der landesrechtlichen Regelungen der Wanderbeschränkungen für Bienen in allen Bundesländern

Durch die Novellierung der Tiroler Feuerbrand-Verordnung wurde die Einschränkung (Quarantäne) der Bienenwanderung von einer Befallsgemeinde in eine andere Befallsgemeinde aufgehoben. Diese Bestimmung ermöglicht es Imkern und Imkerinnen, sofern Ausweichplätze vorhanden sind, mit ihren Bienen rechtzeitig aus der näheren Umgebung der behandelten Anlagen abzuwandern, um einer möglichen Gefahr von Rückständen im Honig vorzubeugen.

Aufgrund der Möglichkeit der Verbreitung der Quarantänekrankheit über Bienen bzw. Wanderimker bleiben die Beschränkungen hinsichtlich der Wanderung aus Befallsgemeinden in Nichtbefalls-Gemeinden weiterhin aufrecht.

In Wien sind die Wanderbeschränkungen für Bienen in der Verordnung des Magistrates der Stadt Wien betreffend die Bekämpfung des Feuerbrandes §5 (1) geregelt. Eine Änderung dieser Bestimmung ist derzeit nicht angedacht.

In Niederösterreich wurden bis Juni 2010 Bienenwanderungen noch gemeldet. Durch die Gesetzesänderung sind ab 2011 keine Meldungen mehr erforderlich.

Einführung und Erfahrungsaustausch über das Warnmodell Maryblyt

Am 24.März 2010 wurde an der AGES ein Feuerbrand-Prognose-Seminar abgehalten. Dazu wurde Frau Dr. Moltmann als Expertin eingeladen. Für Prognose zuständige Berater nutzten die Möglichkeit des fachlichen Austausches anhand konkreter Fallbeispiele. Die Vernetzung der Teilnehmer wurde dadurch verbessert und der Informationsstand erhöht. In der kritischen Zeit der Kernobstblüte tauschen die betroffenen Obstbauberater Informationen aus.

Durchführung von Versuchen mit „bio-tauglichen“ Präparaten

Am LVZ Haidegg werden seit 2010 Freilandversuche mit künstlicher Inokulation durchgeführt. Dabei wurden jedes Jahr auch Präparate eingesetzt, die auch im Bio-Obstbau einsetzbar wären. Für die Abklärung der Pflanzenverträglichkeit wurden noch Versuche ohne künstliche Inokulation durchgeführt. Versuche ohne künstliche Inokulation, die bereits in den Vorjahren getätigt wurden, waren auf Grund der zu geringen Befallshäufigkeit nicht aussagekräftig.

Erhebung von Befallsdaten im Bio-Kernobstbau

In der Steiermark wurde der Feuerbrand-Erhebungsbogen 2010 so erweitert, dass eine Unterscheidung zwischen Bio- bzw. IP-Betrieb möglich ist.

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Information über zugelassene Präparate zur Feuerbrandbekämpfung im Bio-Kernobstbau

Zugelassene Präparate für den Bioobstbau zur Feuerbrandbekämpfung bzw. Pflanzenstärkung:

Produkt

Wirkstoff

Zulassung als

Vorteile

Nachteile

Wirkmechanismus

Blossom protect

Aureobasidium pullulans + 2. Komponente

Pflanzenschutzmittel gegen FB

guter WG

Berostung, Mischbarkeit

pH Verschiebung; Gegenspieler

Mycosin/ Ulmasud

Schwefelsaure
Tonerde

Pflanzenstärkungs-mittel; keine direkte Wirkung

auch Nebeneffekt auf Schorf; praxistauglich

geringer WG

pH Verschiebung; pflanzenstärkend

SKB

Calciumpoly-sulfid

Pflanzenschutz-mittel (§13) gegen Schorf, Mehltau

praxistauglich

Keine direkte Wirkung; nur Nebeneffekt; keine Zulassung gegen FB

pH Verschiebung; Verätzung der Blüten

Cuprofor

Kupferoxy-chlorid

Pflanzenschutz-mittel gegen pilzl. und bakt. Schaderreger

Reduktion des Sporen-potentials im Vorblüte-bereich

Keine Zulassung während der Blüte; geringer WG

bakterizid

 Da in den Jahren 2008-2011 die Feuerbrand-Gefahr sehr gering war, wurden in der Praxis kaum mögliche Strategien getestet. Die theoretischen Strategien stellen meist eine Kombination aus den oben genannten Präparaten dar. Jedoch ist nicht klar, wie hoch der Wirkungsgrad solcher Kombinationsstrategien tatsächlich ist. Die Basis für die Feuerbrand-Bekämpfung im Bio-Bereich sind immer noch widerstandsfähige, gesunde Bäume, um auch mit gering wirksamen bzw. pflanzenstärkenden Produkten eine zufrieden stellende Wirkung zu erzielen.
 
Informationsblatt über Anfälligkeiten von Streuobstsorten
Im Rahmen des Projektes „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ wurde ein Folder mit Feuerbrand-tolerante Apfel- und Birnensorten erstellt. Die Empfehlungen basieren auf Beobachtungen im Freiland und Glashausversuchen mit künstlichen Infektionen.
abrufbar unter: www.feuerbrand-bodensee.org

Forschungskoordination
Der Forschungs Round Table (AGES) dient weiterhin dem Informationsaustausch und der Abstimmung zu Projektinhalten sowohl national als auch im deutschsprachigen Raum.

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Nachhaltige Pflanzenproduktion

Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien

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