Mutterkorn (Claviceps purpurea)
Einleitung
Hauptsächlich im Mittelalter führte der Verzehr von Brot aus mit Mutterkorn verseuchtem Getreide immer wieder zu massenhaften Vergiftungen ganzer Städte. Die toxische Wirkung des Mutterkorns beruht auf seinem hohen Alkaloidgehalt. Die Vergiftungen wurden damals als Antoniusfeuer bezeichnet. Die letzten tragischen Massenvergiftungen mit tausenden Toten gab es 1926 bis 1927 in der früheren Sowjetunion. Auch der Name Mutterkorn weist auf die Alkaloide (hier besonders Ergometrin) hin, die die Wehen anregen und für Schwangerschaftsabbrüche verwendet wurden.
Schadorganismus
Der Pilz Claviceps purpurea gehört zur Gruppe der Ascomyzeten und überwintert in Form von Sklerotien, die beim Druschvorgang auf den Boden gelangen. Im Frühjahr keimen aus den an der Bodenoberfläche verbliebenen Sklerotien mehrere gestielte Köpfchen mit zahlreichen Perithecien (Fruchtkörper), in denen sich die schlauchförmigen Asci befinden. Von diesen Sporenschläuchen werden bei feuchter Witterung die Askosporen ausgeschleudert und gelangen während der Blüte von Getreide und Gräsern mittels Wind auf die unbefruchteten Narben. Ausgehend von dieser Primärinfektion bilden sich an den infizierten Fruchtknoten nach einigen Tagen zahlreiche einzellige Konidien, die mit Assimilattropfen aus der Blüte austreten. Durch diese asexuell gebildeten Konidien wird der Pilz durch Insekten, Wind, Regen oder nur durch Kontakt auf andere unbefruchtete Narben weiterverbreitet. Dieser Infektionszeitraum verlängert sich, wenn aufgrund von Sorteneigenschaften oder schlechter Witterung wenig Pollen zur Verfügung steht. In den infizierten Blüten entwickeln sich in weiterer Folge anstatt Körner die typischen Sklerotien des Mutterkornpilzes.
Symptome
Schon während der Blüte zeigen sich als erste Symptome gelbliche Tropfen an den Blütenständen. Es handelt sich um die Assimilattropfen die aus der Blüte austreten und als Honigtau bezeichnet werden. Mit zunehmender Reife des Getreides kommen dann die dunkelbraun bis dunkelviolett gefärbten Sklerotien zum Vorschein. Diese gebogenen Gebilde sind meist wesentlich größer als das Getreidekorn und somit sehr auffällig. Je nach Wirtspflanze können die Mutterkornsklerotien zwischen wenigen Millimetern und mehreren Zentimetern groß werden.
Wirtspflanzen
Befallen werden alle Getreidearten und zahlreiche Gräser. Bei Getreide sind Roggen und Triticale am anfälligsten, Gerste und Hafer werden nur sehr selten befallen.
Verbreitung
In gemäßigten Klimagebieten war Mutterkorn stark verbreitet, im heutigen Getreidebau hat der Pilz aufgrund der verbesserten Saatgutreinigung nur noch eine geringe Bedeutung. Die Ertragsverluste bedingt durch Mutterkorn sind gering, allerdings bringt ein Befall erhebliche Qualitätsminderungen sowohl bei der Saatgutproduktion als auch bei Konsumgetreide mit sich.
Vorbeugung und Bekämpfung
Eine wichtige pflanzenbauliche Maßnahme zur Vermeidung des Befalles mit Mutterkorn ist, den Anteil von Roggen in der Fruchtfolge zu vermindern und die Verwendung von mutterkornfreiem Saatgut. Weiters sollte nach Roggen tief gepflügt werden, um die Sklerotien zu vergraben und ihre Keimfähigkeit zu schwächen, dies gilt besonders, wenn Mutterkornbefall festgestellt wurde. Das Verhindern der Gräserblüte an den Feldrändern durch abmähen kann den Befall ebenfalls verringern.

- Roggen gehört zu den anfälligsten Getreidearten. Das dunkelbraun bis dunkelviolett gefärbte Sklerotium ist wesentlich größer als die Roggenkörner. (© M. Plank, Wien)

- Weizen und alle anderen Getreidearten, sowie zahlreiche Gräser werden befallen. (© M. Plank, Wien)
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