Empfehlungen der AGES betreffend amtliche Maßnahmen beim Auftreten von Tomato spotted wilt virus (TSWV), Tomatenbronzefleckenvirus
GESETZLICHE REGELUNG
Tomato spotted wilt virus ist im Anhang II A II (d)15. des PSG 2011 idgF. als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung bei Befall bestimmter Pflanzen in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist.
Dieses Virus unterliegt der Meldepflicht gemäß §§ 15 und 40 PSG 2011 idgf. und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.
INFORMATION ÜBER TOMATO SPOTTED WILT VIRUS
Biologie, Schadbild
Tomato spotted wilt virus gehört zur Gruppe der Tospoviren, bei denen es sich um sphärische, isometrische Viruspartikel mit einer Größe von 70-110 nm handelt. Die Viruspartikel sind in allen Pflanzenteilen zu finden. Der thermale Inaktivierungspunkt für diese Viren wird durch 10 Minuten langes Erhitzen auf 45 °C erreicht, die Beständigkeit in vitro liegt bei 5-7 Stunden im Pflanzensaft bei Raumtemperatur.
Tomato spotted wilt virus tritt häufig vergesellschaftet mit Impatiens necrotiv spot virus (INSV) auf.
- Chlorosen
- Nekrosen, manchmal ringförmig oder mit kreisförmigen Umrandungen
- Blüten öffnen sich nicht
- verbräunte Blattränder
- an Früchten helle oder bräunliche unregelmäßige Flecken, manchmal auch Ringflecken
Verbreitung
Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch Thripse, wobei dem Kalifornischen Blütenthrips die größte Bedeutung zukommt.
- Frankliniella occidentalis = Kalifornischer Blütenthrips
- Frankliniella schultzei = Gewöhnlicher Blütenthrips
- Frankliniella fusca = Zwiebeltrips
- Thrips tabaci = Tabakthrips
- Thrips palmi
- Scirtothrips dorsalis = Chillithrips
Für die Übertragung erfolgt die Virusaufnahme des Thripses durch Saugen, wobei nur die Larvenstadien L1 und L2 die Viren aufnehmen können. Hierfür muss die Dauer des Saugens etwa 30 Minuten betragen (Acquisitionszeit). Der bloße Kontakt zwischen der infizierten Pflanze und einem Thrips reicht also nicht aus, um das Virus erfolgreich aufzunehmen. Die Inkubationszeit, also die Zeit die verstreichen muss bis der Thrips das Virus weitergeben kann, beträgt zwischen 3 und 10 Tagen, doch die maximale Infektiosität wird erst 22 bis 30 Tage nach der Virusaufnahme erreicht. Ein infizierter Thrips kann das Virus sein ganzes Leben lang übertragen. Die Infektion neuer Pflanzen erfolgt nur durch die erwachsenen Thripse.
Auch hierbei ist eine Saugzeit von etwa 15 Minuten notwendig. Zwar ist noch nicht völlig geklärt, ob eine Virusvermehrung im Vektor stattfindet, doch es erfolgt keine Weitergabe an die Nachkommen.
Als weitere Verbreitungs- und Übertragungswege gelten infizierte Jungpflanzen oder Stecklinge. Auch über das Saatgut kann eine Verbreitung stattfinden (z. B. bei Tomaten und Cinerarien). Da dieses Virus auch mechanisch leicht übertragbar ist, müssen bei Kulturarbeiten alle hygienischen Maßnahmen beachtet werden. Weitere Übertragungswege sind Bewässerungssysteme, rezirkulierende Nährlösungen, infizierte Pflanzenreste im Substrat (zumindest für einige Wochen), Unkräuter oder der Durchwuchs im Kompost.
Wirtspflanzen
Dieses Virus kann über 350 Pflanzenarten aus mehr als 50 Pflanzenfamilien (Dicotyle und Monocotyle) befallen. Besonders häufig sind Zierpflanzen und auch Gemüsekulturen betroffen.
Zierpflanzen
zum Beispiel: Argyranthemum (Argyranthemum frutescens), Inkalilie (Alstroemeria sp.), Anemone (Anemone sp.), Aster (Aster sp.), Begonie (Begonia sp.), Pantoffelblume (Calceolaria-Hybriden), Celosie (Celosia sp.), Chrysanthemen (Chrysanthemum sp.), Cinerarie (Senecio-Cruentus-Hybriden), Alpenveilchen (Cyclamen persicum), Diascie (Diascia sp.), Dahlie (Dahlia sp.), Enzian (Gentiana sp.), Eustoma (Eustoma grandiflora), Gerbera (Gerbera sp.) Gladiole (Gladiolus sp.), Gloxinie (Sinningia-Hybriden), Hortensie (Hydrangea sp.), Impatiens (Impatiens sp.), Schwertlilie (Iris sp.), Flammendes Käthchen (Kalanchoe blossfeldiana), Lobelie (Lobelia sp.), Kapmargeriten (Osteospermum sp.), Pelargonie (Pelergonium sp.), Primel (Primula sp.), Ranunkel (Ranunculus asiaticus), Usambaraveilchen (Saintpaulia-Ionantha-Hybriden), Sommeraster (Callistephus chinensis) , Surfinie (Petunia-Hybriden), Tagetes (Tagetes sp.), Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), Eisenkraut (Verbena sp.), Calla (Zantedeschia sp.), Zinnie (Zinnia elegans)
Gemüse
zum Beispiel: Gurke (Cucumis sativus), Melanzani (Solanum melongena), Paprika (Capsicum annuum), Salat (Lactuca sativa), Sellerie (Apium graveolens), Tomate (Lycopersicum esculentum), Artischocke (Cynara scolymus), Bohnen (Phaseolus vulgaris)
Weitere Wirtspflanzen
Kartoffeln (Solanum tuberosum), Tabak (Nicotiana tabacum), Gewöhnliches Greiskraut (Senecio vulgaris), Schwarzer Nachtschatten (Solanum inigrum), Gänsedistel (Sonchus oleraceus), Vogelmiere (Stellaria media), Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), Löwenzahn (Taraxacum officinale) u. a. m.
Vorkommen, wirtschaftliche Bedeutung
Vorkommen in Europa: Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Finnland, Frankreich, Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Litauen, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Ukraine
Weiters ist dieses Virus auch auf allen anderen Kontinenten verbreitet.
Durch Tomato spotted wilt virus können große wirtschaftliche Schäden entstehen, da es sowohl bei Zierpflanzen- als auch Gemüsekulturen zu starken Ernte- bzw. Produktionsverlusten (bis zu 100%) kommen kann.
BEKÄMPFUNGSMAßNAHMEN
Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verbreitung von TSWV und INSV
Vorbeugende Maßnahmen in Betrieben zur Pflanzenproduktion
- Zukauf von virusfreiem Pflanz- und Saatgut (falls dies nicht möglich ist: Labortestung)
- Anbringen von Blautafeln zur Kontrolle des Thripsbefalls
- Vektorbehandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (Resistenzmanagement!)
- Regelmäßige optische Kontrollen im Bestand
- Aufstellen von Tospoviren-Wirtspflanzen (z.B. Gloxinien), die einen Befall schnell anzeigen
- Unkrautbekämpfung
- Desinfektion von Werkzeug
Maßnahmen bei Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Probenahme und Einsendung von Pflanzen bzw. Pflanzenteilen mit typischen Symptomen an ein Untersuchungslabor
- Aussetzen des Verkaufs von Pflanzen aus verdächtigen Pflanzenbeständen bis zum Vorliegen des Laborergebnisses
- Ursprung des Befalls eruieren (z.B. Zukauf,…)
- Erhebung, ob bereits Pflanzen aus dieser Kultur weitergegeben worden sind
Notmaßnahmen bei bestätigtem Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Testung aller Mutterpflanzen und schadlose Vernichtung aller befallenen Partien
- Entfernung aller Pflanzen mit visuell sichtbaren Symptomen und deren schadlose Vernichtung
- Bekämpfung der Vektoren
- Kulturpause von 4 Wochen zur Unterbrechung der Infektionskette und zum Abbau sowohl der Thrips- als auch der Viruspopulation
- Ermittlung des Befalls im ganzen Betrieb bzw. benachbarte Betriebe überprüfen
KONTAKT
Fachliche Beratung
Astrid Plenk, Tel. 050 555, Dw 33331, astrid.plenk@ages.at
Allgemeine Anfragen: Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst
Ing. Elisabeth Jägersberger,Tel. 050 555-33301, elisabeth.jaegersberger@ages.at
Dr. Barbara Langbauer,Tel. 050 555-33309, barbara.langbauer@ages.at
Ing. Elisabeth Ottendorfer,Tel. 050 555-33302, elisabeth.ottendorfer@ages.at
Nachhaltige Pflanzenproduktion
Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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