Empfehlungen der AGES betreffend amtliche Maßnahmen beim Auftreten von Phytophthora fragariae var. fragariae, Rote Wurzelfäule der Erdbeere
GESETZLICHE REGELUNG
Phytophthora fragariae var. fragariae ist im Anhang II A II (c)7. des PSG 2011 idgF. als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung bei Befall bestimmter Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist.
Dieser Pilz unterliegt der Meldepflicht gemäß § 40 PSG 2011 idgF. und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.
INFORMATION ÜBER DIE ROTE WURZELFÄULE DER ERDBEERE
Biologie, Schadbild
Der Erreger überdauert im Boden mittels Oosporen. Bei günstigen Bedingungen (vorhandener Wirt, Bodennässe, Bodentemperaturen zwischen 5 und 20°C, Optimum 10-15°C) keimen die Oosporen und formen ein Sporangium, in dem die begeißelten Zoosporen gebildet werden, die von Ausscheidungen der Wurzel angelockt werden und sich aktiv zur Erdbeerwurzel hin bewegen können. Die Infektionen erfolgen nahe der Wurzelspitzen, die Ausbreitung in der Wurzel entlang des Zentralzylinders in Richtung Rhizom. Bei günstigen Bedingungen erfolgt eine laufende Bildung neuer Sporangien und Sekundärinfektionen.
Typisch für einen Befall durch die Rote Wurzelfäule sind die nur im Frühjahr bzw. knapp nach erfolgter Infektion auftretenden Wurzelsymptome:
- Hauptwurzeln glatt, kahl und verdickt, "Rattenschwänze"
- Faserwurzeln weitgehend fehlend
- rot gefärbter Zentralzylinder im Wurzellängsschnitt
Anmerkung: die typischen Symptome sind häufig schwach ausgeprägt und daher ist die Krankheit schwer zu bestimmen; bei Verdacht ist eine Laboruntersuchung notwendig.
Ein unspezifisches Schadsymptom ist das Auftreten von Pflanzen mit gestauchtem Habitus (verkleinerte Blätter, verkürzte Stiele), meist entlang von Pflanzreihen. Die Fruchtentwicklung unterbleibt gänzlich oder es entwickeln sich Kümmerfrüchte, die noch vor der Ernte vertrocknen.
Verbreitung
Die wichtigste Form der Verbreitung ist der Verkauf infizierten Pflanzgutes. Am Feld erfolgt die Verbreitung im Bodenwasser durch begeißelte Zoosporen des Erregers. Auch die kleinräumige Verbreitung von Feld zu Feld durch Bodenbearbeitungsgeräte, Schuhwerk bzw. Traktorreifen ist möglich.
Wirtspflanzen
Natürliche Infektionen durch Stämme von Phytophthora fragariae var. fragariae wurden bislang nur an Erdbeere nachgewiesen. Ein spezieller Stamm von P. fragariae var. fragariae befällt auch Brombeere und Loganbeere.
Vorkommen, wirtschaftliche Bedeutung
Vorkommen weltweit. Die Verbreitung von Phytophthora fragariae an Erdbeeren ist in weiten Teilen Europas (den Hauptanbaugebieten der Erdbeere) bekannt.
Phytophthora fragariae ist vor allem auf schweren, stauenden Böden und in milden, regenreichen Wintern gefährlich, da es dann zu einer Vielzahl von Sekundärinfektionen und einer raschen Ausbreitung der Krankheit am Feld kommt. Ein weiteres Problem stellt der Flächenverlust aufgrund der sehr langlebigen Oosporen dar. Diese Dauerorgane können ohne Wirtspflanzen 10-15 Jahre im Boden überleben, ein Nachbau von Erdbeeren auf diesen Flächen ist praktisch nicht mehr möglich. In Westeuropa (UK, Niederlande, etc.) ist die Krankheit deshalb sehr gefürchtet. In den Hauptanbaugebieten Ostösterreichs ist Phytophthora fragariae aufgrund der eher sandigen, leichten Böden und der kalten Winter nur von lokaler Bedeutung.
BEKÄMPFUNGSMAßNAHMEN
Präventivmaßnahmen
- Zukauf kontrollierten zertifizierten Pflanzguts
- bei Zukauf sofortige Kontrolle der Pflanzen beim Eintreffen im Betrieb
- Untersuchung des Pflanzguts auf latente Infektionen
- Pflanzung auf Böden, auf denen bisher keine Erdbeeren kultiviert wurden. Feldstücke, auf denen ein Befall durch Phytophthora fragariae in der Vergangenheit festgestellt wurde, sollten für die Erdbeerproduktion nicht mehr verwendet werden.
- Dammanbau bei schweren Böden
- Fungizidbehandlungen bereits gesetzter Pflanzen können die Ausbreitung des Erregers reduzieren Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel
- regelmäßige Befallskontrolle während der Kultur
Maßnahmen bei Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Probennahme und Einsendung von Pflanzen mit typischen Symptomen an ein Untersuchungslabor
- Ermittlung des Befalls im gesamten Betrieb (benachbarte Erdbeeranlagen überprüfen)
- Entfernen und schadloses Vernichten erkrankter Pflanzen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern
- Aussetzen des Verkaufs von Pflanzen aus verdächtigen Pflanzenbeständen bzw. -lieferungen bis zum Vorliegen des Laborergebnisses
- Ursprung des Befalls eruieren (z.B. Zukauf,…)
- Ermitteln, ob bereits Pflanzen aus dieser Kultur weitergegeben worden sind
Notmaßnahmen bei bestätigtem Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Entfernen und schadloses Vernichten aller Pflanzen mit visuell sichtbaren Symptomen
- Behandlung mit einem wirksamen, zugelassenen Pflanzenschutzmittel (damit ist nur eine weitere Ausbreitung zu verhindern, eine Sanierung latent infizierter Bestände ist nicht möglich)Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel
- Bestände zur Pflanzgutherstellung: Laboruntersuchung (Screening) des gesamten Vermehrungsquartiers auf Latentinfektionen
- Reichen die gesetzten Maßnahmen nicht aus bzw. ist auch die nochmalige Laboruntersuchung positiv, so sollte als einzige verbleibende Maßnahme das Feld umgebrochen werden. Die Fläche sollte für die Produktion nicht mehr herangezogen werden.
- Unverzügliche Benachrichtigung der Eigentümer und sonstiger Verfügungsberechtigter (z.B. Pächter,…) von benachbarten Grundstücken
KONTAKT
Fachliche Beratung
DI Robert Steffek, Tel. 050 555-33341,robert.steffek@ages.at
Allgemeine Anfragen: Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst
Ing. Elisabeth Jägersberger,Tel. 050 555-33301, elisabeth.jaegersberger@ages.at
Dr. Barbara Langbauer,Tel. 050 555-33309, barbara.langbauer@ages.at
Ing. Elisabeth Ottendorfer,Tel. 050 555-33302, elisabeth.ottendorfer@ages.at
(Dieser Artikel wurde auch auf folgender Seite veröffentlicht: http://blog.1800flowers.com/international/wurzelfaeule-erdbeere-es/)
Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
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