Empfehlungen der AGES betreffend amtliche Maßnahmen  beim Auftreten von Liriomyza  spp., (Minierfliegen)

GESETZLICHE REGELUNG

Liriomyza huidobrensis und L. trifolii sind in Anhang II A II (a)8. und 9., Liriomyza sativae ist in Anhang I A I (a)12. des PSG 2011 idgF. als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedstaaten bzw. verboten ist.

Liriomyza bryoniae ist in Anhang I B (a)4 des des PSG 2011 idgF.als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung in bestimmte Schutzgebiete verboten ist.

Diese Insekten unterliegen der Meldepflicht gemäß § 40 des PSG 2011 idgF. und sind beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.

INFORMATIONEN ÜBER LIRIOMYZA SPP.

Biologie, Schadbild

Die Minierfliegen (Agromyzidae) sind kleine Fliegen (1 – 3 mm groß), meist schwarz gefärbt, mit einem auffällig gelb gefärbten Rückenschildchen (Scutellum) bei der Gattung Liriomyza, zu der auch die 4 Quarantäne-Arten gehören. Die Eier werden auf die Blattoberfläche in Eiablagepunkte abgelegt, aus denen die Larven schlüpfen und ins Blattgewebe eindringen. Die kopf- und beinlosen Larven (Maden) erzeugen durch ihre Fraßtätigkeit im Blattinneren die charakteristischen, schlangenförmig gewundenen, hellen Minen (Fraßgänge) in den Blättern, die die auffälligsten Merkmale für ein Vorkommen der Minierfliegen sind. Weitere Hinweise und erste Anzeichen eines Minierfliegen-Befalles sind die hellen (gelblich-weißen) Saug- und Fraßpunkte auf den Blättern, die mit dem Legebohrer der Weibchen erzeugt werden. Mit Ausnahme von L. huidobrensis (und den heimischen Minierfliegen-Arten) sind die Puppen (Tönnchenpuppen) der 3 anderen Liriomyza-Arten immer außerhalb des Blattgewebes zu finden, entweder an der Blattaußenseite angeheftet, auf dem Boden oder direkt unter der Bodenoberfläche.

Verbreitung, Vorkommen

Liriomyza huidobrensis stammt aus Mittel- und Südamerika und wurde erst Ende der 80-er Jahre nach Europa eingeschleppt (1987 Niederlande). Heute ist sie auch noch in einigen Ländern der EPPO-Region (darunter auch Österreich), in Afrika (Mauritius, Réunion) und in Asien (Zypern, Indien [Uttar Pradesh], Israel, Thailand) zu finden.

Liriomyza trifolii stammt aus Nordamerika und breitete sich 1960 – 1980 auf andere Teile der Welt aus und ist jetzt weltweit vertreten.

Liriomyza bryoniae ist die einzige europäische Art (wahrscheinlich ursprünglich aus Südeuropa), da die anderen 3 Arten ursprünglich aus der Neuen Welt kommen. Jetzt ist sie in vielen Gebieten der EPPO-Region verbreitet, wo es Kulturen unter Glas gibt, und in Asien (Israel, Japan, Taiwan), in Afrika (Ägypten, Marokko) und in der USA (Massachusetts) zu finden.

Liriomyza sativae ist die einzige Art, die noch nicht in der EPPO-Region vorhanden ist, sonst aber weltweit verbreitet ist.

Wirtspflanzen

Generell handelt es sich bei allen 4 Liriomyza-Arten um polyphage Insekten von Zier- und Gemüsepflanzen. Es sind Wirtspflanzen aus 65 verschiedenen Pflanzenfamilien bekannt.

Liriomyza huidobrensis ist polyphag, mit Wirtspflanzen aus 14 Pflanzenfamilien, und lebt sowohl auf Blütenpflanzen, Gemüsepflanzen als auch auf Unkräutern.

Liriomyza trifolii ist eine polyphage Minierfliegenart, die auf über 120 Pflanzenarten (25 Pflanzenfamilien) vorkommt, mit Präferenz für Asteraceae (Korbblütler). Zu ihrem Wirtspflanzenspektrum zählen neben den verschiedenen Zierpflanzen, insbesondere Gerbera, auch zahlreiche Gemüsepflanzen.

Liriomyza bryoniae ist polyphag und besonders auf Pflanzen aus den Familien Asteraceae (Korbblütler), Brassicaceae (Kreuzblütler), Cucurbitaceae (Kürbisgewächse) oder Solanaceae (Nachtschattengewächse) unter Glas zu finden.

Liriomyza sativae ist eine polyphage Art auf Zierpflanzen und Gemüsekulturen, mit Wirtspflanzen aus 9 Familien, bevorzugt auf Solanaceae (Nachtschattengewächse) und Fabaceae (Schmetterlingsblütler).

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Minierfliegen gelten als wichtige Schädlinge von Zierpflanzen und Gemüsekulturen, die in Gewächshäusern oder unter geschützten Bedingungen angebaut werden, sowie von Feldkulturen in den südlichen bzw. wärmeren Regionen.

Durch die Fraßtätigkeit der Larven wird das Blattgrün zwischen Blattoberhaut und -unterhaut zerstört und damit die Photosyntheseleistung der Pflanze eingeschränkt, was sich negativ auf Pflanzenwachstum und –entwicklung auswirkt. Bei starkem Befall kann die gesamte Pflanze absterben, vor allem Jungpflanzen. So haben z.B. in der USA L. trifolii bei Sellerie und L. sativae bei Kartoffeln, Tomaten und Kürbisgewächsen schwere Ertragsausfälle hervorgerufen.

Die Blattschäden (Blattminen, Saug- und Fraßpunkte) beeinträchtigen auch das Aussehen und damit die Qualität (und den Wert) der Pflanzen, insbesondere bei Zierpflanzen.

Bedeutend ist auch die Rolle von L. sativae und L. trifolii als Vektoren von einigen Pflanzenviren, darunter das Selleriemosaik-Potyvirus.

 

BEKÄMPFUNGSMAßNAHMEN

Präventivmaßnahmen

Maßnahmen bei Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)

Notmaßnahmen bei bestätigtem Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)

KONTAKT

Fachliche Beratung

Dr. Christa Lethmayer, Tel. 050 555-33311, christa.lethmayer@ages.at

Allgemeine Anfragen: Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst

Ing. Elisabeth Jägersberger, Tel. 050 555-33301,  elisabeth.jaegersberger@ages.at

Dr. Barbara Langbauer, Tel. 050 555-33309, barbara.langbauer@ages.at

Ing. Elisabeth Ottendorfer, Tel. 050 555-33302, elisabeth.ottendorfer@ages.at

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