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Empfehlungen der AGES betreffend amtliche Maßnahmen beim Auftreten von Diabrotica virgifera virgifera  LeConte, Westlicher Maiswurzelbohrer

Biologie

Diabrotica virgifera virgifera gehört zur Familie der Blattkäfer, wie z.B. auch der Kartoffelkäfer oder das Getreidehähnchen. Die etwa 5 mm langen Käfer haben einen schwarzen Kopf mit fast körperlangen Fühlern, einen gelben Halsschild und schwarze Deckflügel mit seitlich gelegenen, gelben Streifen. Der Hinterleib und die Beine sind gelb, letztere können stellenweise angedunkelt sein.

Der Maiswurzelbohrer hat eine Generation pro Jahr. Die ersten Käfer können ab Mitte Juni auftreten, die Hauptflugzeit erstreckt sich von Anfang Juli bis Anfang September. Die Weibchen legen im Sommer und Herbst etwa 300 – 400 Eier in die Erde von Maisfeldern ab. Diese sind etwa 0,6 mm groß und mit freiem Auge nicht sichtbar. Die Überwinterung erfolgt im Eistadium, die ersten Larven schlüpfen im Mai. Die 3 Stadien der Larvalentwicklung sind nach etwa 3 - 4 Wochen abgeschlossen. Die schlanken, weißlichen Larven haben 3 Beinpaare, die Kopfkapsel und der Chitinschild am Hinterende sind braun. Die Größe variiert je nach Stadium zwischen 3 und 15 mm. Nach ihrer Fraßzeit verpuppen sich die Larven im Boden in ovalen, mit Sekret ausgekleideten Erdhöhlen, welche die fertig entwickelten Käfer nach einer etwa einwöchigen Puppenruhe verlassen.

Schadbild

Wirtschaftlich bedeutend sind in erster Linie die unterirdischen Schäden durch die Larven des Maiswurzelbohrers, welche an den äußeren Schichten der Wurzeln fressen oder sich in das Wurzelgewebe einbohren (Name!). Junglarven befallen zunächst die Feinwurzeln, spätere Stadien können auch größere Wurzeln bis zur Basis abfressen. Diese Fraßschäden beeinträchtigen den Wasser- und Nährstofftransport, begünstigen Infektionen durch Pilze und führen zum Verlust der Standfestigkeit. Bei starkem Befall kann der Wurzelballen vollständig vernichtet werden, wodurch die Pflanzen ihre Standfestigkeit verlieren und leicht umbrechen.

  • Oberirdisch sichtbare Schadsymptome: Lagerung der Pflanzen bzw. Ausbildung eines „Gänsehalses“: Nach anfänglicher Lagerung richten sich geschädigte Pflanzen an Sekundärwurzeln wieder auf und krümmen sich nach oben.

Die Käfer fressen an oberirdischen Teilen der Pflanzen, vorwiegend an Pollen, Narbenfäden, milchreifen Körnern und frischen Blättern. Diese Schäden erlangen nur unter bestimmten Bedingungen Bedeutung, etwa wenn die Maisblüte mit der Hauptflugzeit der Käfer zusammenfällt und die Befruchtung der Kolben beeinträchtigt wird.

  • Typische Schadsymptome: „Fensterfraß“ an den Blättern (wie beim Getreidehähnchen), „Bürstenkopf“ an der Spitze der Kolben durch abgefressene Narbenfäden
  • Geschädigte Körner an den Spitzen der Kolben

Verbreitung

Die Verbreitung der Käfer erfolgt durch aktiven Flug (etwa 40 bis 50 km pro Jahr) sowie durch Verschleppung entlang von Verkehrswegen (Frachtverkehr). Larven bzw. Eier können in Pflanzen oder Pflanzenteilen bzw. mit verseuchter Erde verschleppt werden.

Wirtspflanzen

Die Hauptwirtspflanze des Maiswurzelbohrers ist, wie der Name bereits sagt, Mais (Zea mays L.). Falls gar keine Maiswurzeln zur Verfügung stehen, können die Larven notfalls auch andere Gräser als Wirtspflanzen nutzen, was z.B. bereits für verschiedene Borstenhirsearten (Setaria spp.) nachgewiesen wurde. In diesen Fällen ist die Sterblichkeitsrate der Larven zwar sehr hoch, dennoch ist zu einem kleinen Prozentsatz auch eine vollständige Entwicklung bis zum Käfer möglich. Die erwachsenen Käfer sind zuweilen auch an Blüten (bzw. Pollen) anderer Pflanzen, wie z.B. an Sonnenblumen oder Kürbissen, zu finden, ohne dort jedoch Schaden anzurichten.

Vorkommen, wirtschaftliche Bedeutung

In Nordamerika sind mehrere Arten der Gattung Diabrotica seit Jahrzehnten weit verbreitet und vor allem im intensiv für den Maisanbau genutzten Mittleren Westen („corn belt“) als Schädling gefürchtet. In Europa tritt nur der Westliche Maiswurzelbohrer auf. Der Käfer wurde zum ersten Mal 1992 in der Umgebung von Belgrad in Serbien festgestellt, wohin er wahrscheinlich durch den Flugverkehr verschleppt wurde.

2009 umfasste das Verbreitungsareal des Käfers in Europa ein geschlossenes Befallsgebiet über weite Teile Ost- und Südosteuropas, sowie einige isolierte Befallsgebiete unterschiedlicher Größe in anderen europäischen Regionen. In Österreich wurden die ersten Maiswurzelbohrer im Sommer 2002 nahe der slowakischen Grenze gefangen. Seitdem breitete sich der Käfer kontinuierlich weiter nach Westen aus und hatte sich in den wichtigen Maisanbaugebieten in Niederösterreich, der Steiermark und im Burgenland in den folgenden 5 Jahren etabliert. In Oberösterreich setzt sich der Käfer zurzeit hauptsächlich im Donauraum fest. In Kärnten und in Tirol wurden 2008 erste vereinzelte Käferfunde gemeldet. Während sich die Käfer in Kärnten 2009 weit in das Klagenfurter Becken hinein ausbreiten und etablieren konnten, wurde das isolierte Befallsvorkommen in Tirol noch einmal ausgerottet, sodass dort 2009 keine Käfer festgestellt werden konnten. Im Gegensatz dazu wurde im selben Jahr aus Salzburg zum ersten Mal ein isoliertes Vorkommen in der Nähe der dt. Grenze bei Freilassing festgestellt. Als einziges österreichisches Bundesland war bis Ende 2009 nur mehr Vorarlberg n noch nie mit Diabrotica-Befall konfrontiert.

In den USA verursacht der Maiswurzelbohrer von allen Maisschädlingen die größten ökonomischen Einbußen. Verluste um 30% sind keine Seltenheit, in einzelnen Fällen wurden Spitzenwerte bis zu 80% Ernteverlust festgestellt. Die Kosten zur Bekämpfung des Schädlings sind enorm und haben ihm den Spitznamen „Milliarden-Dollar-Käfer“ eingebracht. In Europa wurden bisher aus Serbien, Ungarn und der Slowakei Verluste bis 50% gemeldet.

BEKÄMPFUNGSMAßNAHMEN

Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verbreitung des Maiswurzelbohrers

Die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers wird durch Verordnungen der amtlichen Pflanzenschutzdienste der Länder geregelt, welche sich an der Entscheidung der Europäischen Kommission 2003/766/EG, geändert durch die Entscheidungen 2006/564/EG und 2008/644/EG, über Sofortmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Schadorganismus Diabrotica virgifera in der Gemeinschaft orientieren. Ein flächendeckendes, amtliches Monitoring-Programm mit Pheromonfallen garantiert die Überwachung der Verbreitung des Maiswurzelbohrers entlang seiner natürlichen Ausbreitungsgrenze und die rasche Entdeckung neuer, isolierter Befallsherde in zuvor schädlingsfreien Gebieten. Die Monitoring-Ergebnisse können über den AGES Geoserver (Adresse: http://gis.lebensministerium.at/ages, Fachkarten Landwirtschaft/Pflanzengesundheit) eingesehen werden.

Maßnahmen bei isoliertem Befallsauftreten von mehr als 2 Exemplaren des Schadorganismus

Wird der Schädling in einem Gebiet nachgewiesen, das zuvor befallsfrei war und das nicht in der Reichweite der natürlichen Ausbreitung des Käfers liegt (mehr als 40 km von der Linie der natürlichen Ausbreitung entfernt), so sollten folgende Maßnahmen getroffen werden (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet):

  • Festlegung einer Befallszone (1km Radius) und einer Sicherheitszone (5km Radius) um die Befallszone
  • Überwachung des Befallsverlaufs mit Pheromonfallen
  • Entsprechende Anpassung der beiden Zonen bei der Entdeckung weiterer Befallsherde

Maßnahmen in der Befallszone

  • Ernte- und Verbringungsverbot für Mais aus der Befallszone bis zum Ende der Eiablageperiode
  • Verbringungsverbot für Erde von Maisfeldern aus der Befallszone
  • Fruchtfolge mit Mais nur 1x in 3 Jahren oder 2 Jahre nach dem Erstauftreten des Schädlings kein Maisanbau in der gesamten Befallszone
  • rasche chemische Behandlung gegen fliegende Käfer nach der Feststellung des Befalls im Jahr des Auftretens: Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
  • im Folgejahr chemische Behandlung bis zum Ende der Eiablageperiode oder Verwendung von gebeiztem Saatgut
  • Reinigung der Maschinen vor dem Verlassen der Befallszone
  • Entfernung des Maisdurchwuchses in den Folgekulturen

Maßnahmen in der Sicherheitszone

  • Fruchtfolge mit Mais nur 1x in 2 Jahren, oder, falls dies nicht möglich ist:
  • Durchführung chemischer Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Schadorganismus, wie z.B. Verwendung von gebeiztem Saatgut oder Spritzapplikationen gegen die Käfer während der Eiablageperiode Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
  • Entfernung des Maisdurchwuchses in Folgekulturen

Diese Maßnahmen sollten solange durchgeführt werden, bis zwei Jahre hintereinander in dem durch die Zonen abgegrenzten Gebiet kein Schadorganismus mehr nachgewiesen werden kann.

Maßnahmen bei isoliertem Befallsauftreten von höchstens 2 Exemplaren des Schadorganismus

Die Maßnahmen bei isoliertem Befallsauftreten (s. oben) können auf das Jahr des Erstauftretens und das Folgejahr beschränkt werden, wenn

  • nicht mehr als 2 Käfer in der Befallszone festgestellt wurden
  • die Einschleppung nachweislich im Jahr der Berichterstattung erfolgte und
  • im Folgejahr keine Käfer mehr nachgewiesen werden

Dadurch ändert sich die Fruchtfolgevorschrift in der Befallszone wie folgt:

  • Fruchtfolge mit Mais nur 1x in 2 Jahren oder 1 Jahr nach dem Erstauftreten des Schädlings kein Mais in der gesamten Befallszone

Alle anderen Maßnahmen sind davon nicht betroffen.

Maßnahmen im Gebiet der natürlichen Ausbreitung des Schädlings

Da in diesen Gebieten der Maiswurzelbohrer nicht mehr getilgt werden kann, entfallen die oben angeführten Ausrottungsmaßnahmen. Soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet, müssen jedoch Maßnahmen ergriffen werden, die eine Ausbreitung des Organismus aus diesen Gebieten in befallsfreie Gebiete einschränken:

  • Fruchtfolge mit Mais maximal 1x in 2 Jahren, oder, falls dies nicht möglich ist:
  • Durchführung chemischer Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Schadorganismus, wie z.B. Verwendung von gebeiztem Saatgut oder Spritzapplikationen gegen die Käfer während der Eiablageperiode  Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
  • Entfernung des Maisdurchwuchses in Folgekulturen

kONTAKT

Fachliche Auskunft zu Schadorganismus und Bekämpfung:

Institut für Pflanzengesundheit

Dr. Giselher Grabenweger, Tel. 050 555, Dw 33320, giselher.grabenweger@ages.at

Dr. Andreas Kahrer, Tel. 050 555, Dw 33321, andreas.kahrer@ages.at

Fachliche Auskunft zu Pflanzenschutzmitteln und Saatgutbeizmitteln:

Institut für Pflanzenschutzmittelbewertung und -zulassung

DI Robert Womastek, DW 33400, robert.womastek@ages.at

DI Dr. Johann Kohl, DW 33410, johann.kohl@ages.at

 

Allgemeine Anfragen: Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst

Ing. Elisabeth Jägersberger,Tel. 050 555-33301, elisabeth.jaegersberger@ages.at

Dr. Barbara Langbauer,Tel. 050 555-33309, barbara.langbauer@ages.at

Ing. Elisabeth Ottendorfer,Tel. 050 555-33302, elisabeth.ottendorfer@ages.at

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