Empfehlungen der AGES betreffend amtliche Maßnahmen beim Auftreten von Apple proliferation mycoplasm, Apfeltriebsucht
GESETZLICHE REGELUNG
Apple proliferation mycoplasm ist im Anhang I A II (d)1. des PSG 2011 idgF. als Schadorganismus gelistet, dessen Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten ist. Diese Phytoplasmose unterliegt der Meldepflicht gemäß § 40 PSG 2011 idgF. und ist beim Auftreten (bestätigt durch Laborbefund) dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst des betreffenden Bundeslandes zu melden, welcher die erforderlichen Maßnahmen zur Tilgung, oder, falls dies nicht möglich ist, zur Eindämmung anordnet.
INFORMATION ÜBER DIE APFELTRIEBSUCHT
Biologie, Schadbild
Während der Wintermonate ist der Erreger vornehmlich in den Wurzeln zu finden (durch das Absterben der Siebröhren findet man ihn im Phloem nicht mehr). Im Frühjahr erfolgt eine Neubesiedlung von den Wurzeln ausgehend, im Spätsommer bzw. Frühherbst erreicht diese ihren Höhepunkt.
Typische Symptome der Apfeltriebsucht können an verschiedenen Teilen der Pflanze beobachtet werden:
An den Trieben:
- Triebe an der Triebspitze stark verzweigt ("Hexenbesen"), dünne Seitentriebe mit sehr engem Abgangswinkel
- Hexenbesen meist auf einzelne Kronenbereiche beschränkt
- Anstatt der überwinternden Terminalknospe kann es im Spätherbst zu einem neuerlichen Austrieb und der Ausbildung einer Blattrosette kommen
An den Blättern:
- verfrühter Austrieb, vorzeitiger Laubfall
- stark vergrößerte Nebenblätter, u.U. 4 statt 2
- Blattspreite asymmetrisch und verkleinert
An Früchten bzw. Blüten:
- Früchte klein (oft nur 25% der normalen Größe), häufig abgeflachte Form
- Früchte ohne Geschmack (Zucker- und Säuregehalt stark reduziert)
An den Wurzeln:
- Phloemnekrosen
Die Symptomausprägung ist in den ersten beiden Jahren nach der Infektion am stärksten (Schockreaktion), danach ist eine Erholung möglich. Befallene Bäume reagieren jedoch sensibler auf Nährstoff- bzw. Wassermangel und sekundäre Schaderreger, wie z.B. den Apfelmehltau.
Verbreitung
Die Übertragung des Erregers erfolgt durch vegetative Vermehrung (auch Okulation) bzw. tierische Vektoren (dazu gehören pflanzensaugende Insekten der Unterordnung Homoptera, Kleinzikaden, Blattflöhe, etc.).
Wirtspflanzen
Hauptwirt ist der Apfel (Malus spp.), ein natürliches Vorkommen des Erregers an anderen Arten z.B. der Birne ist bislang nicht bestätigt.
Vorkommen, wirtschaftliche Bedeutung
Vorkommen in Europa weit verbreitet, nachgewiesen in Österreich, Bulgarien, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Moldawien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, der Schweiz, Großbritannien, der Ukraine und im ehem. Jugoslawien.
Die Krankheit ist im Apfelanbau von wirtschaftlicher Bedeutung. Erheblicher Qualitätsverlust durch die Reduktion der Fruchtgröße, sowie Ertragseinbußen.
BEKÄMPFUNGSMAßNAHMEN
Präventivmaßnahmen
- Zukauf kontrollierten zertifizierten Pflanzguts
- bei Zukauf sofortige Kontrolle der Pflanzen beim Eintreffen im Betrieb
- Untersuchung von Edelreisern bzw. Unterlagen auf latente Infektionen
- Vektorbehandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln Verzeichnis der in Österreich zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
- regelmäßige Befallskontrolle während der Kultur
Maßnahmen bei Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Probennahme und Einsendung von Pflanzen bzw. Pflanzenteilen mit typischen Symptomen an ein Untersuchungslabor
- Ermittlung des Befalls im gesamten Betrieb (benachbarte Apfelanlagen überprüfen)
- Aussetzen des Verkaufs von Pflanzen aus verdächtigen Pflanzenbeständen bzw. -lieferungen bis zum Vorliegen des Laborergebnisses
- Ursprung des Befalls eruieren (z.B. Zukauf,…)
- Ermitteln, ob bereits Pflanzen aus dieser Kultur weitergegeben worden sind
Notmaßnahmen bei bestätigtem Verdacht (soweit vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst angeordnet)
- Entfernen aller Pflanzen mit visuell sichtbaren Symptomen (es ist notwendig auch die Wurzelstöcke zu entfernen) und deren schadlose Vernichtung
- Vermehrungsquartier zur Edelreiser- bzw. Unterlagenherstellung: Laboruntersuchung (Screening) des gesamten Vermehrungsquartiers auf Latentinfektionen
- Reichen die gesetzten Maßnahmen nicht aus bzw. ist auch die nochmalige Laboruntersuchung (Screening) positiv, so ist die Anlage zu roden.
- unverzügliche Benachrichtigung der Eigentümer oder sonstiger Verfügungsberechtigter (z.B. Pächter) von benachbarten Grundstücken
KONTAKT
Fachliche Beratung
robert.steffek@ages.atMag. Helga Reisenzein, Tel. 50555-33340, helga.reisenzein@ages.at
Allgemeine Anfragen: Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst
Ing. Elisabeth Jägersberger,Tel. 050 555-33301, elisabeth.jaegersberger@ages.at
Dr. Barbara Langbauer,Tel. 050 555-33309, barbara.langbauer@ages.at
Ing. Elisabeth Ottendorfer,Tel. 050 555-33302, elisabeth.ottendorfer@ages.at
Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
Institut: Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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