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Die Reblaus - ein historischer Überblick

Die Reblaus ist ein parasitisches Insekt, das 1855 an nordamerikanischen Wildreben entdeckt wurde. Einige Jahre später wurden amerikanische Reben für Züchtungszwecke nach Europa importiert und damit auch Wurzelrebläuse eingeschleppt. Da die europäische Kulturrebe (Vitis vinifera L.) keine Abwehrmechanismen gegen den neuen Schädling hatte, wurde um die Jahrhundertwende ein großer Teil der europäischen Rebflächen vernichtet. Erst durch den Anbau von Pfropfreben verlor die Reblaus ihren Schrecken. Ausgangspunkt ist dabei die Verwendung von Unterlagsrebsorten, die über die natürlichen Abwehrmechanismen der wilden "Amerikanerreben", den ursprünglichen Wirtspflanzen der Reblaus, verfügen. Eine Massenvermehrung der Reblaus im unterirdischen Zyklus und die Bildung von Wucherungen (Nodositäten und Tuberositäten) an den Wurzeln unterbleibt.
Nach einem beinahe 100-jährigen Dornröschenschlaf tritt dieser gefährliche Quarantäneschädling nun wieder verstärkt in Nordamerika, Australien und Europa auf.
 
Auftreten der Reblaus in Österreich
Die Reblaus wurde erstmals in Österreich 1869 in Klosterneuburg nachgewiesen. Von hier aus verbreitete sie sich in alle anderen österreichischen Weinbaugebiete und verursachte katastrophale Schäden.
Durch Verwendung von reblaustoleranten Unterlagsreben, wie Kober 5BB, SO4 und C5, versank die Reblaus im österreichischen Rebschutz in die Bedeutungslosigkeit.
Ein verstärktes Auftreten der Blattreblaus an verwilderten Unterlagsreben und an anfälligen Europäerreben wurde ab 1998 wieder beobachtet (Abb.1).
Zur Jahrtausendwende konnte an den Wurzeln von Pfropfreben eine massive Vermehrung der Wurzelreblaus (Abb.2) und die Bildung von Wucherungen (Nodositäten) festgestellt werden (Abb.3).
Stichprobenartige Untersuchungen an 70 Einzelflächen deuteten auf einen flächendeckenden Befall durch die Wurzelreblaus in allen österreichischen Weinbaugebieten hin. Ein umfassendes Feld-Monitoring zum Auftreten der Reblaus wird seit dem Jahr 2000 in allen österreichischen Weinbauregionen durchgeführt.

Die Reblaus - das spannende Leben eines Insektes
Die Reblaus gehört zu jenen Blattläusen, die einen Standortwechsel zwischen Rebwurzel und Rebspross durchführen. Die weiblichen Wurzelrebläuse vermehren sich ungeschlechtlich mit einer sehr hohen Anzahl an Nachkommen. Im Laufe des Sommers verlassen einige Individuen den Boden. Bei der oberirdischen Entwicklung kommt es zuerst zu einem geschlechtlichen Zyklus. Aus der daraus hervorgehenden Stammmutter (Fundatrix) entwickeln sich ungeschlechtlich 3-4 Generationen Blattrebläuse. Ein Teil der Blattrebläuse wandert wieder in den Boden ein.

Das Gefahrenpotential
Die Reblaus gehört nach wie vor zu den wirtschaftlich bedeutenden Rebschädlingen und kommt nahezu in allen Weinbaugebieten vor.

Die Gefährlichkeit der Reblaus liegt in ihrer Biologie.
Sie verfügt über eine sehr hohe Reproduktionsrate und kann aktiv (geflügelte Blatt-reblaus) und passiv (Bodenbearbeitung, Pflanzmaterial) weit verbreitet werden. Da ihr vielgestaltiger Entwicklungszyklus auch die Möglichkeit zu genetischen Veränderungen bietet, können sich neue Rassen entwickeln.

Die Gefährlichkeit der Reblaus liegt in ihrer Schadwirkung an der Rebe.
Durch die Saugtätigkeit der Reblaus an den Wurzeln wird das Wurzelsystem der Reben geschädigt. Die Vitalität der Rebstöcke kann dadurch beeinträchtigt werden. Die Verletzungen im Wurzelbereich sind Eintrittsstellen für gefährliche Krankheitserreger. Diese sekundären Krankheitserreger können bei Reben Rückgangs- und Absterbeerscheinungen verursachen. Ein oberirdischer Reblaus-Befall führt zu Blattgallenbildungen. Diese Blattvergallung tritt in erster Linie an Amerikaner-Reben, bei hohem Befallsdruck auch an Europäer-Reben auf.

Kulturmaßnahmen im Kampf gegen die Reblaus

  • Entfernung von Edelreiswurzeln, verwilderten Unterlagsreben, Räumung ungepflegter Weingärten (Abb.4)
  • Reinigung der Bodenbearbeitungsgeräte
  • Gründliche Rodung und mehrjährige Brache vor Neuauspflanzung
  • Verwendung der hoch reblaustoleranten Unterlage "Börner"
  • Rebschulkontrollen als phytosänitäre Maßnahme

Chemische Maßnahmen gegen die Blattreblaus

  • Für die Bekämpfung in Ertragsanlagen stehen zur Zeit keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Einige Wirkstoffe (z.B. Endosulfan, Dimethoate), die gegen Kräuselmilben eingesetzt werden, besitzen eine Zusatzwirkung.

Für Junganlagen, Mutterweingärten und Rebschulen stehen zwei Wirkstoffe (Imidacloprid und Azadirachtin) zur Verfügung.

Abb.2: Die Reblaus (Dactylosphaera vitifolii) gehört zur Familie der Blattläuse. Sie führt einen Standortwechsel zwischen Wurzel und Spross der Weinrebe durch.

Abb. 3: Die Wurzelreblaus verursacht Wucherungen (Nodositäten) an den Feinwurzeln.

Abb. 3: Die Wurzelreblaus verursacht Wucherungen (Nodositäten) an den Feinwurzeln.

Abb. 4: Verwilderte Unterlagsreben sind eine Brutstätte für die Reblaus! Unmittelbar neben den Weingärten besteht die Gefahr der aktiven und passiven Verbreitung des Schädlings in die Ertragsanlagen.

Nachhaltige Pflanzenproduktion

Institut: Nachhaltige Pflanzenproduktion
Adresse: 1220 Wien, Spargelfeldstrasse 191

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