Die Monilia-Krankheit
Eine Krankheit mit zunehmender Bedeutung im Steinobstbau
Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten des Steinobstes gehört die sogenannte "Monilia-Krankheit". Durch die Vernichtung der Blüten einerseits, und Fruchtfäulen anderseits kann es zu erheblichen Ernteverlusten bei allen Steinobstarten kommen. Das Ausmaß der Krankheit hängt in erster Linie von den Witterungsbedingungen ab. Daneben spielen auch die Empfindlichkeit der verschiedenen Fruchtarten sowie Sortenunterschiede eine Rolle. Die Krankheit tritt auch an Kernobst und Vertretern anderer Pflanzenfamilien auf, ruft dort aber im allgemeinen weniger hohe Verluste hervor.
Die deutschen Namen "Kernobstmonilia" bzw. "Steinobstmonilia" könnten den Schluss zulassen, es handle sich um streng auf die beiden Obstarten spezialisierte Pilze. Dies trifft allerdings nicht zu (Tabelle 1).
Bisher wurden in Österreich zwei Erreger für diese Pilzkrankheit verantwortlich gemacht: Monilinia laxa und Monilinia fructigena. Vor kurzem ist allerdings der Nachweis einer dritten, ursprünglich in Nordamerika beheimateten Art gelungen: Monilinia fructicola
Mit dem Auftreten dieses als Quarantäneschaderregers eingestuften Pilzes erhält die Bedeutung dieser Krankheit eine neue Dimension!

- Abb. 1: Monilinia fructicola an Pfirsich

- Abb. 2: Konidienpolster an Marille
In Europa sind folgende Arten an Obstgehölzen nachgewiesen
Monilinia laxa (Aderh.&Ruhl.) Honey tritt weltweit auf, ist in Europa heimisch
Monilinia fructigena Honey Europa
Monilinia fructicola (Winter) Honey Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika, Japan
2001 Erstnachweis in Europa (Frankreich)
Oktober 2002 Erstnachweis in Österreich
Quarantänekrankheit in der gesamten EU!
Schadbild:
- Blüteninfektionen
Blüten und Blätter an den Trieb- und Zweigspitzen welken schlagartig, verfärben sich braun bis grau und vertrocknen. Später werden dort die Sporenlager (Konidienlager) des Pilzes sichtbar. Häufig findet man Gummitropfen am Übergang zwischen gesundem und krankem Gewebe. Die abgestorbenen Pflanzenteile bleiben oft bis in den Winter am Baum hängen.
- Triebinfektionen (Spitzendürre)
Sie sind oft eine Folge von Blüteninfektionen, da der Pilz von dort aus in das benachbarte Holz vordringt. Es entstehen entweder kleine Krebsstellen (eingesunkene, abgestorbene Rindenteile mit scharfer Begrenzung, die den Trieb allmählich auch umfassen können) oder es kommt gleich zum Absterben ganzer Triebe - beginnend an der Triebspitze. Zu einem späteren Zeitpunkt können Triebinfektionen auch von infizierten Früchten ausgehen. In diesem Fall wächst der Pilz durch den Fruchtstiel ins Holz. Bei feuchtem Wetter kann der Pilz an den betroffenen Stellen Sporen produzieren.
- Fruchtinfektionen (Braunfäule)
Früchte können prinzipiell in jeder Phase ihrer Entwicklung befallen werden, besonders sensibel ist aber die Zeit vor der Ernte. Die ersten Anzeichen einer Infektion sind kleine, braune, nicht einsinkende Faulflecken, die sich rasch vergrößern und die ganze Frucht erfassen. Wenige Tage nach erfolgtem Eindringen des Erregers erscheinen graue oder braune Konidienpolster an der Oberfläche der Faulstellen (Abb. 1). Herrschen günstige Bedingungen für den Pilz, können die Früchte innerhalb weniger Tage komplett zerstört sein. Je nach Zeitpunkt der Infektion und Witterung kann die Krankheit auch erst nach der Ernte ausbrechen. In selteneren Fällen sind unreife Früchte von der Krankheit betroffen: winzige Infektionsstellen verbleiben in einem Art "Schlummerzustand" und lösen bei beginnender Fruchtreife die beschriebenen Symptome aus. Kranke Früchte fallen entweder ab oder schrumpfen ein und mumifizieren und bleiben in diesem Zustand über lange Zeit am Baum hängen (Abb. 3).
- Blattinfektionen:
Die Blätter sterben infolge von Triebinfektionen ab. Unter besonders günstigen Krankheitsbedingungen findet man gelegentlich runde, braune Flecken auf den Blättern.
| Erreger | Steinobst | Kernobst | Blüten | Triebe | Früchte | Blüten | Triebe | Früchte |
| M. laxa | ja | ja | ja | ja*) | ja*) | nein | ||
| M. fructigena | nein | nein | ja | nein | nein | ja | ||
| M. fructicola | ja | ja | ja | selten | selten | selten |
Tabelle 1: Auftreten der verschiedenen Monilinia-Arten : *) Apfel (z.B. James Grieve, Cox Orange), Quitte
Infektionsquellen:
Befallene Früchte
Fruchtmumien sind eine Hauptausgangsquelle für Frühjahrsinfektionen. An ihrer Oberfläche bilden sich über einen langen Zeitraum Massen von Pilzsporen, die durch Wind oder Insekten auf sich öffnende Blüten transportiert werden und diese zerstören. Durch Ausscheiden von Toxinen tötet der Erreger das Gewebe ab und besiedelt so auch die Triebspitzen. Von infizierten Früchten aus (auch Mumien, die am Trieb haften) kann der Pilz direkt in den Trieb eindringen und diesen abtöten. Grüne, befallene Früchte kommen ebenfalls als Infektionsquelle in Frage. Entweder stecken sie die reifenden Früchte über Konidien an, oder durch direkte Berührung.
Befallene Triebe und Blüten
Sie sind die zweite wichtige Infektionsquelle für Blüteninfektionen im nächsten Frühjahr. Auf dem abgestorbenen Gewebe werden Pilzsporen gebildet und weiter verbreitet (Abb. 2).

- Abb. 3: Fruchtmumie (Apfel)
Infektionsbedingungen und Krankheitsübertragung
Wie stark die Krankheit im jeweiligen Jahr auftritt, ist hauptsächlich witterungsabhängig. Blüteninfektionen sind dann besonders schwerwiegend, wenn zur Blütezeit feuchtes, kühles Wetter herrscht. Der Regen verlängert die Blühdauer und damit die Zeitspanne der Anfälligkeit und bietet optimale Bedingungen für die Entwicklung des Pilzes selbst. Auch reifende Früchte sind bei regnerischem Wetter eher gefährdet. Verletzungen an den Früchten stellen stets eine Eintrittspforte für Monilinia spp. dar. Hagel, Schädlingsbefall oder das Aufplatzen der Früchte (Kirsche!) bedeuten ein extrem hohes Risiko für Braunfäule. Die Übertragung der Pilzsporen auf gesundes Gewebe erfolgt durch Wind, Regen oder Insekten. Bei benachbarten Früchten erfolgt die Ansteckung direkt von kranker zu gesunder Frucht.
Gegenmaßnahmen
Vorbeugende Maßnahmen, die das Inokulum des Pilzes reduzieren bzw. Infektionsbedingungen erschweren stehen im Vordergrund:
- Entfernen und Vernichten aller befallener Pflanzenteile sobald Symptome sichtbar werden; insbesondere sind die Früchte ab 4 Wochen vor der Ernte regelmäßig zu kontrollieren
- Vermeidung von Verletzungen durch Regulierung von Schadinsekten, sorgsame Behandlung der Früchte beim Pflücken
- Fruchtausdünnung
- Einsatz geeigneter Fungizide zur Blüte; 1-3 mal ab Knospenschwellen
- 1 Fungizidbehandlung ab beginnender Fruchtreife bei hohem Befallsdruck oder Verdacht auf M. fructigena (Wartefristen beachten!)
Praktische Erfahrungen mit Monilinia fructicola liegen in Österreich derzeit noch nicht vor. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass sich die neue Art aggressiver verhält als die heimischen Arten. Zudem ist unklar wie empfindlich unsere Steinobstsorten reagieren.
Im Falle eines Auftretens von M. fructicola sind alle Möglichkeiten an Bekämpfungsmaßnahmen besonders genau durchzuführen, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Besondere Bedeutung kommt dabei der sofortigen Vernichtung befallener Früchte zu.
Das Auftreten von M. fructicola ist weder anhand des Schadbildes noch durch eine mikroskopische Untersuchung eindeutig festzustellen. Nur eine Laboruntersuchung mittels molekularbiologischer Nachweismethode (PCR) erlaubt eine sichere Diagnose! Untersuchungen werden z.B. vom Institut für Phytomedizin der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) durchgeführt.
Alle Informationen in dieser Veröffentlichung basieren auf dem derzeitigen Wissensstand. Da sich die Empfehlungen mit neueren Erkenntnissen ändern können, ist eine Rücksprache mit Beratern unumgänglich.
Literatur:
Ogawa, J.M.; Zehr, I.E. et al: Compendium of Stone Fruit Diseases, APS Press (Hrsg.), St. Paul, Minnesota 1995
Vukovits G., Obstkrankheiten (1), Graz 1979
Abbildungen:
Abb. 1: Vincent Mercier, INRA UERI, Saint-Marcel-lès-Valence, Frankreich
Abb. 2: Karl Bachinger, BBK Krems
Abb. 3,4: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Wien
Text:
Ulrike Persen, Gabriele Kovacs, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, Institut für Phytomedizin, Spargelfeldstr. 191, 1226 Wien
Monilinia fructicola zählt zu den Quarantänekrankheiten und ist meldepflichtig. Bei Befallsverdacht ist umgehend der Amtliche Österreichische Pflanzenschutzdienst zu verständigen (siehe nachstehende Liste).
Amtlicher Österreichischer Pflanzenschutzdienst
Bundesamt für Ernährungssicherheit Wien | Tel: +43 (0) 50 555-33301 |
Burgenländische Landwirtschaftskammer, Amtlicher Pflanzenschutzdienst | Tel: +43 (2682) 702-656 |
Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Agrar 11, | Tel: +43 (463) 536-31108 |
Niederösterreichische Landes-Landwirtschaftskammer, | Tel: +43 (2742) 259-2601, |
Landwirtschaftskammer für Oberösterreich, | Tel: +43 (732) 6902-1412, |
Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg, | Tel: +43 (662) 870 571-37 |
Landwirtschaftliches Versuchszentrum Steiermark | Tel: +43 (316) 877-2817 |
Amt der Tiroler Landesregierung Abteilung III c | Tel: +43 (512) 508-2549 |
Landwirtschaftskammer für Vorarlberg | Tel: +43 (5574) 400-230 |
Magistratsabteilung 42, Stadtgartenamt | Tel: +43 (1) 911 25 55-11 |
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