ERSTELLT: 14.10.2011

Welternährungstag 2011: "Lebensmittelpreise – von der Krise zur Stabilität"

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Änderung der Ernährungsgewohnheiten sind angesichts einer Milliarde hungernder Menschen die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Der World Food Summit definierte 1996 "Food Security" als gegeben, "wenn alle Leute jederzeit ausreichenden Zugang zu sicheren, nahrhaften Lebensmitteln haben, um ein gesundes und aktives Leben zu gewährleisten". Die Welternährungssituation spricht global mit Ausnahme der Industriestaaten eine andere Sprache. Daher steht der heurige Welternährungstag am 16. Oktober - an diesem Tag wurde die die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Jahr 1945 gegründet - unter dem Motto "Food prices - from crisis to stability".

Welche Ursachen beeinflussen die Lebensmittelpreise? Was ist zu tun, damit der Einfluss auf die Schwächsten dieses Globus hintan gehalten werden kann? Die schwankenden Preise für Lebensmittel und Agrarrohstoffe haben verschiedene Gründe. Primär sind die sich ändernden Angebots- und Nachfragebedingungen dafür verantwortlich. Aber auch spekulative Einflüsse, Missernten, die Marktstellung usw. sind bedeutsam. Derzeit nimmt die Weltbevölkerung jährlich um etwa 80 Mio. Menschen zu; dieser Trend wird in den kommenden Jahrzehnten noch anhalten. Zusätzlich steigt der Bedarf an Agrargütern in einigen Ländern wegen geänderter Verzehrsgewohnheiten (vermehrter Fleischkonsum, usw.) und infolge der Verwendung pflanzlicher Rohstoffe zur Energieerzeugung. Der Klimawandel stellt für die landwirtschaftliche Produktion eine zusätzliche Erschwernis dar. Gleichzeitig sind die Anbauflächen für Kulturpflanzen nur wenig ausdehnbar. Daher ist eine effiziente landwirtschaftliche Produktion die Grundlage für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Agrarprodukten.

Statistik: Eigenversorgungsgrad in Österreich

Anders als Österreich sind viele Länder von Ernährungs-Souveränität weit entfernt. Das Problem der Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Rohstoffen zeigt sich anhand einer einfache Zahl aus dem UN-Bericht „Nahrungsmittelversorgung im 21. Jahrhundert“: Bei nahezu gleichbleibender globaler Ackerfläche seit dem Jahr 1950 und einer bis 2050 beinahe Vervierfachung der Weltbevölkerung sinkt der Anteil der pro Kopf zur Verfügung stehenden Ackerfläche von 5.100 m2 auf 1.600 m2. Allein Österreich verliert pro Tag 30 Hektar Ackerfläche, die Nahrungsgrundlage für 100 Menschen. Daher spielt eine Landwirtschaft mit standortangepassten Arten, Sorten, hochwertigem Saatgut, der Förderung von Biodiversität und von gesundem Boden, einer optimierten Pflanzenernährung, dem Pflanzenschutz, dem Bienenschutz und grundsätzlich dem Einsatz umweltschonender Technologien eine Schlüsselrolle bei der nachhaltigen Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen.

Dennoch liegt die Versorgung mit Lebens- und Futtermitteln aus österreichischer Landwirtschaft teilweise deutlich unter 100 %. Die heimische Versorgungsbilanz beträgt beispielsweise bei Fleisch 111 %, bei Getreide 93 %, bei Kartoffeln 91 %, bei Hülsenfrüchten 92 %, bei Obst 69 % und bei Gemüse 60 %. Vor allem bei pflanzlichen Ölen (27 %) und Ölsaaten (49 %) ist sie niedrig, hier besteht eine hohe Importabhängigkeit.

Nach der Konsumerhebung 2009/10 betragen die Haushaltsausgaben in Österreich für Ernährung inkl. alkoholfreier Getränke 12,1 % (Im Jahr 2004/05 waren es noch 13,2 %). Die Ausgaben für die Ernährung liegen nach Wohnen/Energie (23,8 %), Verkehr (15,0 %) und Freizeit/Sport/Hobby (12,8 %) an vierter Stelle. Die Veränderungen der Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Produkte sind für den Großteil der österreichischen Bevölkerung angesichts relativ geringerer Aufwendungen für Nahrungsmittel nicht von vergleichbarer Relevanz wie für Menschen in Entwicklungsländern.

Die AGES und ihr Beitrag für eine gesicherte und stabile Ernährung

Hochwertiges Saatgut von standortangepassten Sorten liefert einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung – von der AGES wird die Saatgutqualität eingehend geprüft

Die AGES hat in Österreich betreffend Ernährungssicherung folgende Kompetenzen und Zuständigkeiten:

  • Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und der landwirtschaftlichen Produktionspotenziale zur Gewährleistung der Versorgung mit ausreichenden und nahrhaften Nahrungsmitteln
  • Sicherheit von Lebensmitteln und
  • Sicherung der Lebensmittelqualität und
  • verbesserte Information der Bevölkerung über gesunde Ernährung.

Aus landwirtschaftlicher Sicht ist integriertes Pflanzenbaumanagement auf gesunden Böden, die Verwendung von qualitativ hochwertigem Saatgut regional geprüfter Sorten, eine optimierte Pflanzenernährung und ein angepasster Pflanzenschutz wesentliche Voraussetzungen für eine umweltgerechte und nachhaltige Pflanzenproduktion.

Das Geschäftsfeld Ernährungssicherung der AGES trägt durch die Prüfung, Begutachtung, Zulassung und Kontrolle landwirtschaftlicher Betriebsmittel dazu bei, dass in Österreich qualitativ hochwertige und sichere Lebens- und Futtermittel erzeugt werden. Der Landwirt kann nicht auf das Eintreten günstiger Verhältnisse während der Vegetationszeit setzen. Zur Sicherung der Pflanzenbestände und des Ernteerfolges sind geeignete Betriebsmittel unabdingbar. Diese werden auf den Versuchsstationen der AGES unter repräsentativen Boden- und Klimabedingungen hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Wirksamkeit getestet. In den Labors wird die Produkt- und Verarbeitungsqualität analysiert. In Forschung und wissenschaftlich basierten Expertenleistungen stellen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AGES den Herausforderungen invasiver Krankheitserreger, den Veränderungen der Erzeugungsbedingungen infolge des Klimawandels genauso wie den Zielen zum Schutz der Umwelt und Biodiversität.

Für die dauerhafte Bereitstellung von sicheren und hochwertigen Lebens- und Futtermitteln zu einem leistbaren und möglichst stabilen Preis bedarf es einer effizienten Nutzung der natürlichen Ressourcen Boden und Wasser. Aber auch mineralische Pflanzennährstoffe sind nicht unendlich verfügbar. Eine gesteigerte Produktivität im Pflanzenbau ist nötig, um die komplexen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte meistern zu können. Das schließt innovative Züchtung sowie den angepassten Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz ein. Mit krankheitsresistenten Sorten können die Kosten für Pflanzenschutzmittel gesenkt werden bzw. ist bei schwächerem Schaderregerdruck ein Verzicht möglich. Dies entlastet die Umwelt und verbessert auch die Rentabilität der Erzeugung.

Durch Züchtung konnte der Kornertrag von Winterweizen in den letzten 30 Jahren deutlich angehoben werden – die AGES prüft die Weizensorten in allen wichtigen Anbaugebieten Österreichs
Dank züchterischer Anstrengungen haben heutige Weizen- und Gerstensorten bessere Abwehrmechanismen gegenüber Pilzbefall als solche, die vor zwei oder drei Jahrzehnten registriert wurden – die AGES bewertet die Resistenz von Pflanzensorten gegenüber Krankheiten und Schädlingen

Höhere Ernten mit guter Qualität sind ein Eckpfeiler für die Ernährungssicherung. Eine Aufgabe der AGES ist es, mit wissensbasiertem integriertem Pflanzenbau und der Beherrschung von Risiken in der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion zur Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln beizutragen.

Beiträge der AGES zum Thema „Food Security“

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