Zoonosen und mikrobieller Verderb

Die Sicherheit von Lebensmitteln tierischen Ursprungs beginnt mit sicheren Futtermitteln. Futtermittel werden im Rahmen ihrer Inverkehrbringung aber auch auf den landwirtschaftlichen Betrieben auf das Vorkommen diverser Zoonoseerreger untersucht.

Die Analyse von Futtermittelproben auf Zoonoseerreger bzw. auf Keime des Futterverderbs erfolgt in der Abt. Mikrobiologie & Molekularbiologie der AGES. Hier finden Sie die aktuellen Zoonoseberichte der AGES und EU.

Salmonellen
Unter Salmonellosen werden Erkrankungen durch den Erreger Salmonella (S.) spp. verstanden - einem beweglichen, stäbchenförmigen Bakterium aus der Familie der Enterobacteriaceae - die sowohl Tiere als auch Menschen betreffen können. Europaweit sind die Serotypen S. Enteritidis und S. Typhimurium die Hauptverursacher von lebensmittelbedingten Infektionen beim Menschen.
Die Einschleppung in einen Betrieb geschieht meist über Trägertiere oder über Futtermittel, ist aber auch über Menschen, Schadnager und Vögel (Möwen!) oder überschwemmtes Weideland möglich. Den Silierprozess überleben Salmonellen nicht. Heu von Wiesen, die mit kontaminierter Gülle gedüngt wurden, ist ebenfalls ungefährlich, nicht aber Grünfutter.
Bei Hühnern bleibt die Salmonellenbesiedelung oft verborgen und es kommt mitunter vor, dass ganze Herden von Legehennen zu unbemerkten Dauerausscheidern werden.
Realistischerweise wird daher nach einem Untersuchungsverfahren vorgegangen, mit dem eine Aussage getroffen werden kann, dass in einer vorgegebenen Menge einer Futtermittel-Charge mit einer definierten Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Anzahl von Salmonellen nicht überschritten wird. Salmonellen führen nicht unbedingt zu einem Krankheitsausbruch, sie stellen aber immer eine Infektionsgefahr dar, besonders wenn man die Möglichkeit einer Anreicherung über symptomlose Ausscheider oder die direkte Vermehrung im Substrat bedenkt.

Futtermittelproben werden im Kulturverfahren auf Salmonellen untersucht, die Vorgehensweise entspricht ÖNORM EN ISO 6579. Nach einer selektiven Anreicherung werden Ausstrichplatten bebrütet und auf salmonellenverdächtige Kolonien untersucht. Typische oder verdächtig aussehende Kolonien sind durch nachfolgende biochemische und serologische Tests zu bestätigen.
Die Typisierungen aller Salmonellen erfolgen im Nationalen Referenzlabor für Salmonellen (NRLS) in Graz mittels Serotypisierung nach dem Kaufmann-White-Schema, eine weitere Differenzierung wird mittels Bakteriophagen in Phagentypen (PT) bei S. Enteritidis und in definitive Typen (DT) bei S Typhimurium durchgeführt. In einer Häufigkeitsverteilung der rund 2.500 Salmonella-Serotypen weist Österreich S. Enteritidis bei 83,1 % und S. Typhimurium bei 6,9 % auf. Die hauptsächlichen Phagentypen (PT) von S. Enteritidis beim Menschen sind PT4, PT8 und PT21.

Clostridien
sind Bakterien, die den Darm des Schweines besiedeln und dabei hochgiftige Stoffe (Toxine) bilden können. Bei neugeborenen Ferkeln verursacht Clostridium perfringens Typ C die „Nekrotisierende Enteritis (NE) der Saugferkel“, eine meist tödlich verlaufende blutige Entzündung des Dünndarms. Zunehmend wird in den letzten Jahren bei Saugferkeldurchfällen auch Clostridium perfringens Typ A nachgewiesen. Die durch diesen Typ A verursachten „Clostridien-Durchfälle des Saugferkels“ verlaufen in der Regel jedoch deutlich milder.
Der Infektionsverlauf ist vom Alter der Ferkel abhängig. In perakuten bis akuten Fällen tritt Blut in den Darm aus; bei etwas älteren Ferkeln mit chronischem Verlauf bilden sich dagegen dicke nekrotische Auflagerungen, ohne dass Blutungen sichtbar werden.
In einzelnen Fällen ist auch von der Einschleppung der Clostridien durch verdorbene Futtermittel, insbesondere Tier- und Fischmehle berichtet worden. Bei der Bewertung von Clostridien in Futtermitteln ist jedoch Vorsicht geboten, da die verschiedenen Clostridien-Typen unterschiedlich giftig für das Schwein sind. Clostridium perfringens Typ C ist mit Abstand am giftigsten.
Die Analyse erfolgt gemäß  ÖNORM EN ISO 7937: 2004  (Horizontales Verfahren zur Zählung von Clostridium perfringens; Koloniezählverfahren)

Listerien
Listerien treten in derzeit sechs bekannten Arten auf, wobei Listeria monocytogenes als Verursacher der sogenannten Listeriose die bekannteste aber auch gefährlichste Art dieser weit verbreiteten Bakteriengattung darstellt.

Listerien kommen im Boden vor und gelangen über die konservierte Pflanze (Grassilagen mit pH-Werten >>4,8 sind gefährdet) in den Futterkreislauf und somit in den Stall und zum Tier. Über den ausgeschiedenen Kot bzw. den auf die Felder rückgeführten Wirtschaftsdünger wird der Kreislauf schließlich wieder geschlossen. Über die Milch und über das Fleisch kann nun in weiterer Folge auch der Eintrag in die menschliche Nahrungskette sowie in den Bereich der Lebensmittelherstellung erfolgen
Die Analysen erfolgen gemäß ÖNORM EN ISO 11290-1 (Horizontales Verfahren für den Nachweis und die Zählung von Listeria monocytogenes - Teil 1: Nachweisverfahren)

Futterverderb
Aber nicht nur akut gefährliche Mikroorganismen können eine Gefahr darstellen.
Jede Vermehrung von Keimen bedeutet für das Futtermittel Verlust an wichtigen Inhalts- und Wirkstoffen. Sie birgt zudem das Risiko der Bildung von Stoffwechselprodukten, die für Tiere unverträglich sind und zu Leistungsminderungen führen können. Der Begriff der „Beschaffenheit“ umfasst nach allgemeiner Auffassung auch die Erwartung, dass das Futtermittel frei von Krankheitserregern ist. Futtermittel, welche die Gesundheit von Tieren schädigen, dürfen daher gemäß § 3 FMG weder hergestellt, in den Verkehr gebracht noch verfüttert werden. Auch die Mikroorganismen selbst bzw. ihre Zellwandbestandteile sind Faktoren, welche die Reinheit und Unverdorbenheit eines Futtermittels mitbestimmen.

Einzelfuttermittel und daraus hergestellte Mischfuttermittel sind von Natur aus in unterschiedlicher Weise mit Mikroorganismen wie z.B. Bakterien, Hefen, Schimmel- und Schwärzepilzen, besiedelt. Auf pflanzlichen Materialien sind zum Zeitpunkt der Ernte bestimmte Keimgruppen (Sammelbegriff: Feldflora oder Primärflora) dominierend zu finden. Einzelfuttermittel tierischen Ursprungs hingegen zeigen sich infolge ihrer Bearbeitung relativ keimarm (Reliktflora). Beide Gruppen zusammen genommen werden als produkttypische Mikroflora bezeichnet

Im Verlauf einer Lagerung kann eine Veränderung der Mikroflora durch Abnahme der
Keimzahlen produkttypischer Mikroorganismen oder durch eine Vermehrung der an die Bedingungen der Lagerhaltung angepassten verderbanzeigenden Mikroflora erfolgen.
Die mikrobiologische Untersuchung auf Indikatorkeime aus dem Bereich der Bakterien, Hefen, Schimmel- und Schwärzepilze ist eine grundlegende Möglichkeit, Futtermittel hinsichtlich der in § 7 (3) FMG geforderten Unverdorbenheit zu beurteilen. Die Keimzahlbestimmungen erfolgen nach einer einheitlichen Methode; die Identifizierung der einzelnen Indikatorkeime und deren Zuordnung zu Keimgruppen werden nach einer vorgegebenen Verfahrensanweisung vorgenommen. Weitere Verfahren (Mikroskopie, sensorische Prüfung, chemisch-physikalische Messverfahren) können zu einer abschließenden Beurteilung des Qualitätszustandes erforderlich sein. (zitiert aus VDLUFA Methodenbuch III 28.1.4)

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