AKTUALISIERT: 13.01.2011, 17:12 UHR

Entwicklung der Humusversorgung der Ackerböden

Der Boden ist Lebensgrundlage und Lebensraum für die Pflanzen, Tiere und Menschen. Wir leben auf dem Boden, von dem, was der Boden hergibt. Der organische Kohlenstoff (organische Bodensubstanz/Humus) ist eine Voraussetzung für die Bodenbildung und für die Erhaltung seiner Fruchtbarkeit, er macht den Unterschied zwischen Ausgangssubstrat und Boden und ist Grundlage der Produktion pflanzlicher Biomasse.

Der Humus im Boden hat sowohl eine „Nährstoffwirkung“ im Rahmen der Mineralisierungsvorgänge als auch eine „bodenverbessernde Wirkung“ durch günstige Effekte auf z.B. Wasserkapazität, Sorptionskapazität, antiphytopathogenes Potenzial (FVH Förderverband Humus E.V.).

Humusversorgung der Ackerböden
Foto: Getty

Die positiven Effekte des Humus können nicht durch die Zufuhr von Nährstoffen allein erreicht werden, sondern durch die richtige Einstellung eines standorttypischen Humusgehaltes über eine Kombination einer Reihe unterschiedlicher Bewirtschaftungsmaßnahmen (organisch/mineralischer Düngung incl. Management der Ernterückstände, Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Anlage von Begrünungen/Zwischenfrüchten).

Wie sich die Humusgehalte in verschiedenen Regionen in den letzten 15 – 20 Jahren entwickelt haben, wurde im Rahmen von ÖPUL-Evaluierungsstudien auf Basis von umfangreichen Humusanalysen aus der Praxis untersucht. Die dabei gefunden Ergebnisse sind durchaus erfreulich.

Veränderung der Humusgehalte

Dazu wurden die in der AGES vorliegenden Bodenanalysedaten von Humus nach Hauptproduktionsgebieten und nach zeitlichen Perioden ausgewertet. Weil Effekte auf den Humusgehalt durch Bewirtschaftungsänderungen nicht kurzfristig, sondern erst mittel- bis längerfristig feststellbar sind, wurde die Periode vor Einführung des ÖPUL (1991-95) mit den aktuellen Daten verglichen (2006-2009). Dazu standen aus dem Nordöstl. Flach- und Hügelland etwa 17.000 Ergebnisse zur Verfügung, vom Alpenvorland 7.500 und vom Waldviertel 4.500. In der Tabelle 1 sind die 1. Quartile (25% der Werte liegen darunter), die Mediane (50% der Werte kleiner bzw. größer) und die 3. Quartile (25% der Werte sind noch höher) enthalten, um einen Überblick über die Verteilung der Humusgehalte zu geben. Die verfügbaren Daten sind insgesamt plausibel und zeigen in allen Regionen einen vergleichbaren Trend.

Humusgehalte in % nach Regionen und Perioden
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Die Humusgehalte sind im Nordöstl. Flach- und Hügelland und im Alpenvorland um etwa 0,3 – 0,4% im Verlauf von etwa 15 Jahren angestiegen, wobei diese Erhöhungen auf allen Standorten in etwa gleich hoch sind.

Im Waldviertel, ausgehend von einem bereits etwas höheren Humusgehaltsniveau, sind die Humuswerte nun um 0,1 – 0,2% höher.

Die deutlich höheren Werte auf den eher leichteren Waldviertler Ackerflächen im vergleich zu den beiden anderen Regionen sind sowohl auf das kühlere Klima mit geringeren Mineralisierungsraten als auch auf den höheren Feldfutteranteil in der Fruchtfolge zurückzuführen.

 

Diese günstige Entwicklung steht sicher auch im Zusammenhang mit einer Reihe von ÖPUL-Maßnahmen (Begrünung von Ackerflächen, Mulch- und Direksaat), hinzuweisen ist zudem auch darauf, dass 1993 das Verbot des Strohverbrennes in Kraft trat und auch seither tendenziell die Böden weniger intensiv bearbeitet werden.

Im Alpenvorland ist auch der unverändert hohe Eintrag von Wirtschaftsdüngern anzuführen.

Humusgehalte bei Hackfrüchten in der Fruchtfolge

Im Detail wurden weiters die Humusgehalte in Zusammenhang mit der Bodenschwere von über 700 Ackerflächen bewertet, die die sogenannten „Humus zehrenden“ Hackfrüchte wie Zuckerrübe, Kartoffel oder Mais in der Fruchtfolge haben.

In den „Richtlinien für die Sachgerechte Düngung“ werden je nach Bodenschwere folgende Humusgehalte als optimal eingestuft.

-    Leicht (<15% Ton): > 2% Humus

-    Mittel (15–25% Ton): > 2,5% Humus

-    Schwer (>25% Ton): > 3% Humus

Die folgende Tabelle 2 zeigt den Anteil der Standorte, welche nach Berücksichtigung der Messunsicherheit für Humus diese Bedingungen erfüllen. Die Repräsentativität dieser Ergebnisse ist für mittlere und schwere Böden aufgrund der hohen Probenanzahl besser als für leichte Böden.

Anteil (%) der Bodenproben mit optimalem Humusgehalt, gemäß den Richtlinien für die Sachgerechte Düngung

Im Alpenvorland und im Nordöstlichen Flach- und Hügelland liegen ca. 70% der Standorte im Optimalbereich, im Waldviertel sind es 95%.  Insbesondere auf den schweren Standorten ist der Anteil der Standorte im Bereich des optimalen Humusgehaltes etwas geringer.

Der Vergleich dieser Daten mit der Bodenzustandsinventur Niederösterreich aus dem Jahr 1993 belegt jedoch auch, dass die Humusgehalte auf Standorten mit Hackfrüchten in der Fruchtfolge insgesamt um 0,2 bis 0,5% höher liegen. Dies zeigt, dass innerhalb der letzten 15 - 20 Jahren keinesfalls Abnahmen, sondern ebenfalls messbare Zunahmen der Humusgehalte stattgefunden haben.

Die Bemühungen der Beratung und die Akzeptanz von Umweltmaßnahmen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit (Begrünungen, Mulch- bzw. Direktsaat) zeigen nachweisbare Erfolge durch das Anheben der Humusgehalte und sind daher auch in Zukunft weiterführen, um das bisher Erreichte zu erhalten und noch weitere Verbesserungen zu erreichen.

Autoren:

Georg Dersch und Olivier Duboc

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