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ERSTELLT: 14.12.2012

Abschlussbericht Monitoring – Bienenschutz 2012

Nach Abschluss des Bienenforschungsprojektes „MELISSA 2009 - 2011“ wurde mit dem "Überwachungsprogramm zur Überprüfung der tatsächlichen Exposition von Honigbienen gegenüber Clothianidin, Thiamethoxam, Fipronil und Imidacloprid in von Bienen für die Futtersuche oder von Imkern genutzten Gebieten" in Österreich auch 2012 ein Monitoring (gemäß EU-RL 2010/21/EU vom 12.3.2010) durchgeführt.

Das Projekt wurde im Rahmen einer Bund-Bundesländerkooperation aus Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), den Bundesländern Steiermark, Nieder- und Oberösterreich, Burgenland, Kärnten und Tirol, sowie aus Mitteln der AGES finanziert.

Unter Federführung der Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz am Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen beteiligten sich das Institut für Pflanzenschutzmittel (beide AGES-Geschäftsfeld „Ernährungssicherung“) sowie das Institut für Lebensmittelsicherheit Wien, Gruppe Kontaminanten- und Spezialanalytik (AGES-Geschäftsfeld „Lebensmittelsicherheit“) an der Durchführung des Monitorings. Mit dem Monitoring Bienenschutz 2012 wird die Exposition der Honigbienen gegenüber den oben genannten Wirkstoffen – und im Besonderen deren mögliche negative Auswirkungen – überprüft.

Diese Daten sind Grundlage für die Risikobewertung und daraus abgeleitete Risikomanagementmaßnahmen (Zulassung, Zulassungs- bzw. Verwendungsauflagen) zum Bienenschutz. Die Ergebnisse sind daher von größter Relevanz für die Landwirtschaft (Bauern und Imker) und die Umwelt.


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Ziel & Fokus der Untersuchungen

Der Fokus und Schwerpunkt des Überwachungsprogrammes liegt auf der Ausbringung von insektizidgebeiztem Saatgut mit pneumatischen Sämaschinen in den Kulturarten Mais und Kürbis, da dort im Rahmen des Projektes „MELISSA" klar ein entsprechendes Expositionspotenzial identifiziert wurde. Die anderen Kulturarten bzw. Kulturen mit anderen Anwendungsarten (Sprühen, Spritzen) werden durch die Untersuchung von Bienenschäden mit Vergiftungsverdacht mit erfasst.

Das Probenmaterial für die Rückstandsuntersuchungen setzte sich aus Bienenbrot, toten bzw. geschädigten Bienen sowie Schleuderhonigproben aus Bienenständen mit Vergiftungsverdacht (Periode: Frühjahr/Sommer 2012) zusammen. Untersucht wurden:

  1. Proben aus abgestorbenen oder geschwächten Wintervölkern mit Vergiftungsverdacht der Überwinterungsperiode 2011/2012 (Monitoringzeitraum: Zeitpunkt der Einwinterung 2011 bis zur Auswinterungsrevision 2012 - etwa zur Zeit der  Weidenblüte).
  2. Proben aus Vergiftungsverdachtsfällen ab dem Zeitpunkt der Auswinterung der Bienenvölker im Frühjahr 2012 bis zum Herbst 2012. (Damit waren auch die wenigen nach der Maisblüte gemeldeten Vergiftungsverdachtsfälle noch abgedeckt.) 
  3. Schleuderhonigproben (Zeitraum Honigmonitoring: Früh- und Sommertrachtperiode 2012)

Anders als im Projekt MELISSA ist der Umfang der Rückstandsanalysen auf die in der EU-Richtlinie (RL) genannten Wirkstoffe eingeschränkt und es wurden auch keine Untersuchungen zu Bienenkrankheiten bzw. zum Gesundheitszustand der Bienenvölker vorgenommen. Die untersuchten insektiziden Wirkstoffe werden in der Landwirtschaft sowohl als Saatgutbeizmittel als auch in anderen Formen der Anwendung (z. B. im Haus- und Kleingartenbereich bzw. in Form von Biozidprodukten) weit verbreitet und zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres eingesetzt.


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Ergebnisse des Monitorings

Insgesamt betrachtet zeigen die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Land und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und den Bundesländern an die AGES beauftragten Bienen-Monitorings, dass deutlich weniger Bienenschäden gemeldet wurden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Bienenstände mit gemeldetem Vergiftungsverdacht ist um zwei Drittel zurückgegangen. Es gilt jedoch zu betonen, dass der Anteil der davon positiv auf die Wirkstoffe getesteten Fälle bei mehr als 50 Prozent stagniert.

  1. Völkerverluste bzw. –schäden mit Vergiftungsverdacht während der Überwinterung 2011/2012: Von insgesamt 9 Betrieben (11 Bienenständen) wurden bis zum Berichtsstichtag aus den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich und Steiermark Völkerverluste mit Vergiftungsverdacht gemeldet. In diesen Fällen waren die betroffenen Völker komplett abgestorben bzw. sehr stark geschwächt. Der Prozentsatz an abgestorbenen Völkern ist mit insgesamt 83 Prozent überdurchschnittlich hoch. In keiner der 8 im Rahmen des Projektes untersuchten Proben (1 Bienen-, 7 Bienenbrotproben) aus abgestorbenen Wintervölkern mit Vergiftungsverdacht waren Rückstände der untersuchten Wirkstoffe (Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid, Fipronil inkl. Fipronil-sulfon) nachweisbar. Damit konnte der von den Imkern geäußerte Vergiftungsverdacht in diesen 8 Fällen – zumindest für die untersuchten Wirkstoffe - nicht bestätigt werden. Bis auf eine Probe stammten alle aus Gebieten mit Maisanbau. Eine Probe wurde nicht mehr untersucht, da uns vom Imker ein Privatuntersuchungsergebnis der LUFA-Speyer - mit positivem Ergebnis für Fipronil - zur Verfügung gestellt worden war.
  2. Bienenschäden mit Vergiftungsverdacht im Frühjahr/Sommer/Herbst 2012: Bis zum Berichtsstichtag wurden von insgesamt 40 Betrieben (42 Bienenständen) aus den Bundesländern Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Wien Bienenschäden mit Vergiftungsverdacht gemeldet. In diesen Fällen war ein Teil der Bienenpopulation aus den betroffenen Bienenvölkern geschädigt, verhaltensgestört oder abgestorben. Insgesamt wurden 69 Proben (38 Bienenproben; 31 Bienenbrotpoben) aus Ständen mit Vergiftungsverdacht auf Rückstände der Wirkstoffe untersucht. Von den 69 untersuchten Proben zeigten 28 eine Kontamination durch zumindest einen der untersuchten Wirkstoffe. In 41 Proben war keiner der untersuchten Wirkstoffe nachweisbar.
  3. Honiguntersuchungen: In keiner der Schleuderhonigproben wurden Höchstwertüberschreitungen nach EU-VO 396/2005 festgestellt. Damit entsprachen alle untersuchten Honigproben hinsichtlich der untersuchten Wirkstoffe den lebensmittelrechtlichen Anforderungen.

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Ergebnisse nach Bundesländern

Bei den Ergebnissen der Rückstandsuntersuchungen gab es zwischen den einzelnen Bundesländern sowohl in der Zahl positiver Proben als auch im nachgewiesenen Wirkstoffspektrum große Unterschiede. Beispielsweise war Clothianidin in Proben aus dem Burgenland, Nieder- und Oberösterreich und der Steiermark nachweisbar, während dies in den Proben aus Kärnten und Wien nicht der Fall war. Auch für Fipronil (Fipronil-sulfon) zeigten sich beträchtliche bundesländerspezifische Unterschiede. Dieser Wirkstoff war nur in Proben aus der Steiermark, Kärnten, Wien und Tirol nachweisbar.

Ergebnis der Rückstandsanalysen von Proben aus Vergiftungsverdachtsfällen Frühjahr/Sommer/Herbst 2012

Auffällig ist, dass die Rückstandsanalysen für die mit Vergiftungsverdacht beprobten Bienenstände in der Steiermark bei 9 von 10 Ständen ein positives Untersuchungsergebnis lieferten, im Burgenland bei 5 von 7 Ständen. Das Gegenteil war der Fall in Nieder- bzw. Oberösterreich, wo 9 von 11 Ständen bzw. 4 von 5 Ständen mit Vergiftungsverdacht bei der Rückstandsuntersuchung ein negatives Ergebnis zeigten. In Wien waren 2 Bienenstände rückstandspositiv, in Kärnten und Tirol je 1 Bienenstand.

Werden in Fällen mit positivem Wirkstoffnachweis die im jeweiligen Bundesland nachgewiesenen Wirkstoffe, die vorkommenden Kulturarten (Acker-, Obst-, Wein-, Gemüse-, Zierpflanzenbau) und die nicht landwirtschaftlichen Flächen (z.B. Parks, öffentliches Grün, Haus- und Kleingartenbereiche, Waldgebiete) im Umkreis der Bienenstände gemeinsam betrachtet, wird ersichtlich, dass für bestimmte Wirkstoffe (z. B. Imidacloprid, Thiamethoxam, Fipronil) die Exposition der Bienen auch aus einer nicht ackerbaulichen Anwendung resultieren könnte.

Beispielsweise ist in Maisanbaugebieten mit Maiswurzelbohrer- oder Drahtwurmproblemen überwiegend mit einer Exposition aus der Mais-Saatgutbehandlung zu rechnen. In anderen Regionen, mit zusätzlich vorkommenden Obst- oder Weinkulturen, bzw. anderen Feldfrüchten, kann auch durch Granulat-, Spritz- oder Sprühanwendungen eine Exposition der Bienen gegenüber den verwendeten Wirkstoffen resultieren.

In Gebieten mit Haus- und Kleingärten, Friedhöfen, Parks- und Ziergärten – wie dies typischerweise in Siedlungs- bzw. Stadtrandgebieten der Fall ist -, kann sich aus den dort durchgeführten Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (z.B. gegen Gemüse- und Obstbauschädlinge, Kastanienminiermotte, Buchsbaumzünsler, Ameisen), eine Exposition der Bienen ergeben. Die zuletzt genannten Beispiele sind möglicherweise die Erklärung für einen Teil der positiven Rückstandsnachweise für Thiamethoxam, Fipronil und Imidacloprid in Wien oder für Fipronil in der Steiermark, Tirol und Kärnten.

Eine Ursachenklärung und Identifikation der Expositionsquelle ist im Einzelfall nur durch entsprechende Untersuchungen vor Ort durch die zuständigen Behörden möglich. Im Sinne des Bienenschutzes und der Prophylaxe künftiger Bienenschäden sind derartige nachfassende Untersuchungen sinnvoll und notwendig.


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Ergebnis nach Saison

Der Anteil positiver Bienen- und Bienenbrotproben in Fällen mit Vergiftungsverdacht war im Zeitraum April – Mai 2012 wesentlich höher als im Zeitraum Juni – September 2012. Dies gilt in besonderem Maße für den häufig als Maisbeizmittel eingesetzten insektiziden Wirkstoff Clothianidin, aber ebenso für Thiamethoxam. Da Clothianidin auch ein Metabolit von Thiamethoxam ist, sind diese beiden Stoffe stets gemeinsam und summarisch zu betrachten. Im Zeitraum Juni – September treten diese beiden Wirkstoffe in den Hintergrund und konnten nur in einer geringen Zahl an Proben nachgewiesen werden.

Saisonales Ergebnis der Rückstandsuntersuchungen auf Wirkstoffe gemäß EU-RL 2010/21/EU in Bienen- und Bienenbrotproben

Für die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam und Fipronil lässt sich im Falle eines positiven Rückstandsnachweises aus den vorliegenden Informationen kein eindeutiger Zusammenhang zur Saatgutbeizung herstellen. Der Grund liegt darin, dass Imidacloprid und Thiamethoxam – neben dem Einsatz als Saatgutbeizmittel - auch als Spritzmittel in verschiedenen Kulturarten zum Einsatz kommen. Fipronil wird im Pflanzenschutz als Saatgutbeizmittel bzw. als Granulat eingesetzt. Es wird aber auch in Biozidprodukten und der Tiermedizin (Ektoparasitikum) verwendet.


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Diskussion

Durch die im Jahr 2012 im Rahmen des Projektes durchgeführten Rückstandsuntersuchungen an Bienen und Bienenbrot konnte für einen Teil der gemeldeten Vergiftungsverdachtsfälle eine Exposition der Bienen für die in der EU-RL 2010/21/EU genannten Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam, Fipronil und Imidacloprid bestätigt werden. In den Bundesländern Steiermark und Burgenland waren in den bereits aus dem Projekt „MELISSA“ bekannten Bezirken mehrfach wieder dieselben Imker mit denselben Bienenständen von den Bienenschäden betroffen.

Für das nur als Saatgutbeizmittel zugelassene Clothianidin lässt sich die Herkunft der Kontamination auf die laut Pflanzenschutzmittelregister angeführten Kulturarten eingrenzen. Dies ist für die drei anderen Wirkstoffe nicht so leicht möglich. Beispielsweise kommen Imidacloprid und Thiamethoxam – neben dem Einsatz als Saatgutbeizmittel - auch als Spritzmittel in verschiedenen Kulturarten zum Einsatz. Fipronil wird im Pflanzenschutz als Saatgutbeizmittel bzw. als Granulat eingesetzt (2012 gab es für ein fipronilhaltiges Pflanzenschutzmittel in Österreich vom 1.3.-30.6.2012 eine Zulassung). Daneben kommt es auch in Biozidprodukten und der Tiermedizin (Ektoparasitikum) zur Anwendung.
Für diese drei Wirkstoffe lässt sich im Falle eines positiven Rückstandsnachweises aus den vorliegenden Informationen kein eindeutiger Zusammenhang zur Saatgutbeizung herstellen.
An der Beteiligung des rückstandsanalytisch nachgewiesenen Wirkstoffes an den beobachteten Bienenschäden besteht aber auch in diesen Fällen kein Zweifel.

Die im Jahr 2012 in Österreich aufgetretenen Bienenschäden zur Zeit der Maisaussaat und die positiven Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen zeigen, dass die Herausforderung einer für Bienen sicheren Verwendung der in der EU-Richtlinie (RL) gelisteten Wirkstoffe noch nicht in allen Gebieten zufriedenstellend gelöst werden konnte. Dass die betroffenen Imker die Symptome an den Völkern richtig gedeutet haben, zeigt der hohe Anteil durch positive Rückstandsuntersuchungen bestätigter Vergiftungsverdachtsfälle. Im Sinne der Fragestellung des Projektes wird eine Exposition als gegeben erachtet, wenn die in der EU-RL 2010/21 gelisteten Wirkstoffe in Bienen- oder Bienenbrot nachweisbar waren. Damit sind von den 41 erfassten Ständen mit Vergiftungsverdacht 21 Stände (404 Völker) als exponiert und 20 Stände (289 Völker) als nicht exponiert zu werten.

Besonderer Dank gebührt allen Imkerinnen und Imkern, die durch die Meldung der Vergiftungsverdachtsfälle und die Teilnahme am Projekt dessen erfolgreiche Durchführung ermöglicht haben. Seitens der AGES danken wir herzlich für die Unterstützung durch ihre aktive Mitarbeit, die Bereitstellung von Bienenvölkern und Probenmaterial, die wertvollen Beobachtungen und die stete Bereitschaft, im Falle von Rückfragen die gestellten Fragen bestmöglich und geduldig zu beantworten.


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Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen

Institut: Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen
Adresse: 1220 Wien, Spargelfeldstrasse 191

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