Maßnahmen zum Schutz der Bienen bei der Aussaat von insektizidgebeiztem Mais- und Ölkürbissaatgut
• Einhaltung der vorgeschriebenen Auflagen
Bei der Verwendung von insektizidgebeiztem Mais- und Ölkürbissaatgut hat der Landwirt
grundsätzlich die dafür behördlich vorgeschriebenen Auflagen (siehe Aufdruck bzw. Anhang zum Saatgutetikett) zu erfüllen. Weiters ist es wichtig, durch entsprechend sorgsamen Umgang mit dem Saatgut die Entstehung von Abrieb so weit als möglich zu vermeiden.
Entsprechende Vorgaben seitens einzuhaltender Beizqualität, Aussaatbedingungen, Sämaschinentypen, zulässiger Windgeschwindigkeiten bei Aussaat, etc., gibt es sowohl seitens der Zulassungsbehörde als auch in Form von Verordnungen der Bundesländer.
Nähere Informationen dazu sind über die AGES-Homepage unter www.ages.at abrufbar (z. B. durch Eingabe der Suchbegriffe „Saatgutbeizmittel“, „MELISSA“, „Sägeräte“, "Österreichische Beizmittelstrategie" „Pflanzenschutzmittelregister“ im Suchfeld auf der Startseite).
Bundesländerspezifische Regelungen sind auf den Rechtsinformationsseiten der Länder bzw. auch über die Suchfunktion von GOOGLE zu finden.
Für alle Landwirte, die mehr für die Bienen tun wollen
Landwirte, die darüber hinaus mehr zum Schutz der Bienen und anderer Blütenbestäuber tun wollen, haben dazu durchaus die Möglichkeit.
Neben der Beschränkung der Verwendung von insektizidgebeiztem Saatgut ausschließlich auf Flächen mit vorhandener Indikation (Maiswurzelbohrer-, Drahtwurmgefahr) lassen sich Ansätze zur weiteren Risikominimierung in folgenden Bereichen finden:
• Anbaureihenfolge auf den Mais- bzw. Ölkürbisflächen:
Wenn sich in der Nachbarschaft der Mais- bzw. Kürbisäcker für Bienen sehr attraktive Kulturpflanzen befinden (z. B. Raps, Obst, Löwenzahnwiesen), die zur Blütezeit über mehrere Kilometer Entfernung angeflogen werden können, sollte der Anbau von Saatgut mit insektizider Beizung möglichst noch vor der Blüte dieser Pflanzen erfolgen. Sofern eine Wahlmöglichkeit besteht und die Aussaatbedingungen passen, sollten daher solche „Risikostandorte“ in der Aussaatreihenfolge vorgezogen werden. Ganz besonders empfehlenswert ist diese Maßnahme bei Pflanzenbeständen, die weit ausgebreitete Blüten haben, die mehrere Tage geöffnet bleiben (z.B. Obst, Raps).
• Temperatur und Tageszeit der Mais- bzw. Ölkürbisaussaat
Je geringer der Bienenflug zum Zeitpunkt der Aussaat ist, desto geringer sollte auch das Restrisiko sein. Da Bienen erst ab einer Temperatur von ca. 10 °C ausfliegen, wäre ein Anbau bei ganztägig kühlem Wetter sicher für die Bienen günstiger als ein Anbau bei warmem, sonnigem Wetter zur stärksten Flugzeit (diese liegt in der Regel zwischen den späten Vormittags- und den frühen Abendstunden). Insbesondere für zu bestellende Felder, die von Bienen auf dem Weg zu attraktiven Trachtquellen überflogen werden müssen, könnte dies Vorteile bringen.
Dennoch ist auch in diesem Fall unbedingt darauf zu achten, dass keine Staubabtrift auf „blühende Nachbarflächen“ erfolgt. Dazu zählen nicht nur die landwirtschaftlich genutzten, sondern auch die im nächsten Punkt angeführten Pflanzenbestände.
• Uferbewuchs, Hecken, Gebüsch- und Windschutzstreifen, Böschungen
Diese Landschaftsstrukturen enthalten gerade zur Zeit der Mais- bzw. Ölkürbisaussaat eine Reihe von blühenden Pflanzenarten, die von Bienen stark besucht werden. Dazu zählen neben insektenblütigen Pflanzen (z.B. Schlehdorn, Vogel- und Traubenkirschen, Ahornarten, Steinweichsel, Felsenbirne) auch windblütige Pflanzen (z.B. Eichen, Eschen, u. a.), die ebenfalls zur Pollengewinnung aufgesucht werden. Auch Ufer- und Straßenböschungen können zu dieser Zeit zahlreiche verschiedene blühende Pflanzenarten enthalten.
Maisfeld neben Strassenböschung mit Löwenzahn, blühender Obstanlage und bachbegleitendem Ufergehölz mit Weiden.
• Vermeidung frei liegender Saatgutkörner
Saatgutkörner mit insektizider Beizung sollten keinesfalls frei zu liegen kommen, da es durch Niederschläge zu einer Wirkstoffauswaschung und -ansammlung in Pfützen bzw. Fahrrinnen kommen kann. Dieser Punkt sollte als Vorsorgemaßnahme Beachtung finden, da Bienen gerade in Ackerbaugebieten solche Stellen gerne als Wasserquellen nutzen.
Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kann durch den bestmöglichen Schutz von Blütenbestäubern (Bienen, Wildbienen, Hummeln, andere Insekten) seinen Beitrag zur Ernährungssicherung und zur Artenvielfalt in einer blühenden Landschaft leisten.
Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
Institut: Institut für Saat- und Pflanzgut, Phytosanität, Bienen
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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