Österreichisch-Slowenische Rabies Update

Gemäß Vorschriften des Internationalen Tierseuchenamtes (OIE) gilt ein Land als tollwutfrei, wenn folgende Kriterien erfüllt werden:

  1. Vorhandene Anzeigepflicht
  2. Effektives Überwachungs- und  Bekämpfungssystem
  3. Anwendung von regulatorischen Maßnahmen zur Vorbeugung, Kontrolle bis hin zur Verhinderung der Einschleppung im Rahmen der Einfuhr lebender Tiere
  4. kein Auftreten von „einheimischen“ Tollwutfälle bei Mensch und Tier innerhalb der letzten 2 Jahre (ausgenommen davon sind Infektionen mit dem European Bat Lyssavirus 1 oder 2 - Fledermaustollwut)
  5. kein Auftreten von “importierten“ Tollwutfällen außerhalb einer Quarantänestation bei Karnivoren innerhalb der letzten 6 Monate


Am zweiten Welttollwuttag, dem 28. September 2008, wurde Österreich offiziell als frei von Tollwut erklärt. Um dieses Ziel erreichen zu können, wurden bereits Jahre zuvor umfangreiche Bekämpfungs- und Überwachungsprogramme sowie eine gezielte Diagnostik implementiert.

Abb.1: Darstellung eines Impfköders für Füchse;
Abb.2: Orale Immunisierung der Füchse gegen Tollwut in Österreich 2006 - Herbst 2008 (rot), Notfallsauslage Herbst 2008 (grün)

Überwachung, Eradikation:

Die Wirksamkeit der seit 1991 regelmäßig in ganz Österreich durchgeführten Schutzimpfung für Füchse in freier Wildbahn wird durch folgende Untersuchungen sicher gestellt:
Im Nationalen Referenzlabor des Institutes für veterinärmedizinische Untersuchungen erfolgt eine Chargenprüfung der mit Tetrazyklin markierten Köder, die nach Ausbringung aus der Luft von den Füchsen verzehrt werden (Abb.1, Abb.2). Die Aufnahme und der Impferfolg werden bei erlegten Füchsen mittels fluoreszenzmikroskopischen Nachweises von Tetrazyklin im Knochen sowie mittels Serologie (Antikörpernachweis mittels ELISA) im Blut überprüft. 

Für weitere Informationen zu Tollwut folgen Sie bitte dem LINK

Abb.3: Apfelgrün leuchtende Negri-Körperchen im Gehirn eines tollwütigen Fuchses, Mikrophoto, DIF;
Abb.4: Immunhistochemischer Nachweis von Tollwut im Gehirn eines Fuchses, Mikrophoto, ABC Technik


Diagnostik:
Die Diagnostik der Tollwut im Österreich basiert auf den anerkannten, im OIE-Manual beschriebenen Methoden. Als wichtigste Überwachungsmethode gilt nach wie vor die direkte Immunfluoreszenz (DIF) an Hirnabklatschpräparaten (Abb.3). Die Untersuchung erstreckt sich auf alle Säugetierspezies, wobei in Mitteleuropa als Hauptüberträger der Tollwut mit einem Anteil von etwa 90% die Füchse dominieren. Haus- und Heimtiere, die nachweislich Personen verletzt (gebissen) haben, werden zudem mittels Immunhistochemie (Abb.4) und Virusisolierung in der Zellkultur untersucht. Für die Bestätigung/Entkräftung zweifelhafter und positiver Befunde, sowie für die humanen Fälle im Rahmen der intra vitam Diagnostik stehen neben den letztgenannten Methoden auch molekularbiologische Nachweisverfahren (PCR, Abb.5) zur Verfügung. Ein weiteres diagnostisches Standbein stellt die Antikörpertiterbestimmung (Impftiterkontrolle mittels FAVNT) bei Heimtieren und Menschen dar.

Abb.5: Molekularbiologischer Nachweis von Tollwut (RT-PCR) beim Menschen

Schlussfolgerung:
Wie die Ergebnisse belegen, haben die seit 1991 konsequent angewendeten Maßnahmen zur Tollwutfreiheit in Österreich geführt. Dieser Erfolg wurde nur durch die intensive Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Gesundheit, der AGES, der Landes- und Bezirksverwaltungsbehörden sowie der Jägerschaft ermöglicht. Gemeinsames Ziel ist, diesen Status der Tollwutfreiheit im Sinne der Volksgesundheit aufrechtzuerhalten und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um erneute Fälle von Tollwut zu verhindern. Die beschriebenen Maßnahmen erfordern natürlich einen nicht geringen finanziellen Aufwand, wie die Kofinanzierung der Untersuchungen/Impfungen sowie die Förderungen der Jägerschaft demonstrieren.

Veterinaermedizin Moedling

Institut: Veterinaermedizin Moedling
Ort: 2340, Robert Koch Gasse 17
Dienstort: Moedling

Autor/Autorin kontaktieren
Weitere Artikel des Autors / der Autorin

Teilen |

Seite empfehlen

Senden Sie den Link zur aktuellen Seite an einen E-Mail Empfänger:

(Sie müssen die *gekennzeichneten Felder ausfüllen!)