AKTUALISIERT: 28.09.2011

Tollwut - eine gefährliche Zoonose

canines Tollwutvirus /Mäusegehirn; Ultradünnschnitt

Tollwut ist eine akut auftretende und in der Regel tödlich verlaufende virusbedingte Krankheit der Säugetiere und des Menschen. Es handelt sich dabei um eine der wichtigsten Zoonosen. Sie ist weltweit verbreitet,  Österreich ist so wie einige europäische Länder (z. B. Deutschland) tollwutfrei.

Dank den intensiven Bekämpfungsmaßnahmen ist die Tollwut in West- und Zentraleuropa rasant zurückgegangen (siehe  WHO und Österreichisch-Slowenische Rabies Update).

In der AGES werden laufend Untersuchungen auf Tollwut durchgeführt. Der letzte Seuchenausbruch wurde im Jahr 2002 registriert. Nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die österreichischen Untersuchungszahlen mit Darstellung der positiven Fälle. Diese zeigt, dass in Österreich in letzter Zeit trotz intensiver Untersuchungen keine Tollwut festgestellt wurde.

Für eine effiziente Überwachung des tollwutfreien Status der österreichischen Fuchspopulation konnte aufgrund der insgesamt günstigen Seuchenlage in Europa zu einer stichprobenartigen Überwachung übergegangen werden. Daraus ergibt sich für 2010 die geringere Zahl untersuchter Proben: Insgesamt wurden 2613 Tiere untersucht, wobei Füchse mit 2358 Einsendungen am häufigsten vertreten waren.

Jahr

Untersuchte Proben

Positive Fälle

2002

14.120

19 Füchse, 2 Rehe, 1 Dachs, 1 Hund, 1 Katze (alle Tiere in einem Epidemiegebiet)

2003

11.598

1 Pferd

2004

11.244

1 Fuchs (Impfdurchbruch),
1 Mensch (in Marokko infiziert)

2005

10.087

kein positiver Fall

2006

8.241

1 Fuchs (Impfdurchbruch)

2007

9.297

kein positiver Fall

2008

9.478

kein positiver Fall

2009

8.826

kein positiver Fall

2010

2.613

kein positiver Fall


Erreger, Wirtsspektrum, Verbreitung

Die Tollwutviren gehören der Familie der Rhabdoviridae, Gattung Lyssavirus an. Insgesamt werden derzeit 7 verschiedene Tollwutvirus-Stämme (Genotypen) unterschieden.

Virus

Wirtsspektrum

Verbreitung

I Klassisches Tollwutvirus (RABV)

Wild- und Haustiere, blutleckende und insektenfressende Fledermäuse (Nord- u. Südamerika), Mensch

Afrika, Asien, Amerika, Europa

II Lagos Fledermaus-Virus (LBV)

fruchtfleischfressende Fledermäuse

Afrika

III Mokola Virus (MKV)

Spitzmäuse, Katzen, Hunde, Mensch

Afrika

IV Duvenhage Virus (DUVV)

fruchtfleischfressende Fledermäuse

Afrika

V Europ. Fledermaus-Virus 1 (EBLV 1)

insektenfressende Fledermäuse

Europa

VI Europ. Fledermaus-Virus 2 (EBLV 2)

insektenfressende Fledermäuse

Europa

VII Australisches Fledermaus-Virus (ABLV)

insektenfressende Fledermäuse

Australien

Die Tollwut kann je nach Wirtstieren  in 3 unterschiedlichen Formen auftreten:
 
Urbane Tollwut
Hunde bilden das Hauptreservoir und übertragen das Tollwutvirus auf andere Tiere und Menschen.

Silvatische Wut
ist die durch Wildkarnivoren übertragene Tollwut. Hauptreservoir in Europa ist der Rotfuchs, in Osteuropa zusätzlich der Marderhund.

Fledermaustollwut
ist ein eigenständiges Infektionsgeschehen und steht nicht mit der silvatischen Wut in Zusammenhang. Sie konnte in Österreich bislang weder in Fledermäusen noch bei anderen Tieren sowie Menschen beobachtet werden.


Gefährdung für den Menschen

Für nähere Informationen siehe Tollwut/Mensch


Übertragung

Der Erreger wird über den Speichel infizierter Tiere ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch den Biss infizierter Tiere. Die intakte Haut stellt eine Barriere dar. Ein Eindringen über Schleimhäute ist möglich.
Bei der Fledermaustollwut wird zudem ein aerogener Übertragungsweg andiskutiert, jedoch dürfte dieser nur bei hohem Infektionsdruck (z. B. in Höhlen) ein Risiko darstellen.


Symptome

Die Zeit zwischen Biss und Auftreten der ersten Symptome ist abhängig von der Bissstelle. Je weiter die Bissstelle vom zentralen Nervensystem entfernt ist, desto länger dauert es, bis die ersten Symptome auftreten.
Grundsätzlich umfasst der klassische Verlauf der Krankheit 3 Stadien:

  • Stadium prodromale (Prodromalstadium):
    Niedergeschlagenheit, Fieber, Übelkeit, Fressunlust, Erbrechen, Hydrophobie
  • Stadium irritationis (Exzitationsstadium):
    Erregungszustände, Hyperaktivität, Aggressivität, Speichelfluss
  • Stadium paralyticum (Paralysestadium):
    Lähmungen, Beeinträchtigung des Sensoriums, Koma

Je nachdem, ob ein starkes Erregungsstadium oder nur Lähmungserscheinungen das klinische Bild prägen, unterscheidet man auch zwischen rasender und stiller Wut.

Prävention

Tollwutschutzimpfung von Haustieren:


Wird von vielen Tierärzten und Tierbesitzern angenommen und ist auch als Schutz für den Menschen anzusehen. Seit der Einführung des EU-Heimtierausweises hat die Tollwutimpfung noch mehr an Bedeutung gewonnen. Der EU-Heimtierausweis ist ein einheitlicher Tierpass in englischer Sprache und in der jeweiligen Landessprache für Hunde, Katzen und Frettchen. Er ersetzt alle bisherigen Grenzformalitäten hinsichtlich der EU-Staaten und erleichtert das Reisen mit Tieren innerhalb der EU. Der für Ein- und Ausreise gültige EU-Heimtierausweis muss die erfolgte Tollwutimpfung und die eindeutige Kennzeichnung des Tieres (Tätowierung  oder Microchip) enthalten.

In der AGES wird auch die Bestimmung der Tollwut-Impftiter bei Haustieren für Reisen ins Ausland nach Vorschrift der Reiseländer durchgeführt.

Ansprechpartner: Fr. Souba (Abteilung Virologie / IVET MOE; Leitung Dr. E. Wodak): Tel.Nr.: 0043 (0)50555 38534       

Orale Tollwutschutzimpfung von Wildtieren:

Sie dient zur Bekämpfung der silvatischen Wut; wildlebende Karnivore werden aktiv immunisiert. Mit einem speziell adaptierten Flugzeug werden die Tollwut-Impfstoffköder ausgelegt. Die Köder enthalten Kapseln, in denen attenuiertes Tollwutvirus mit Tetracyclin (Antibiotikum) als Markersubstanz enthalten ist. Dieses Antibiotikum, mit dem Wildtiere sonst nicht in Kontakt kommen, reichert sich im Knochen an und kann im Zuge der Tollwutuntersuchung am toten Tier unter UV-Licht durch seine Eigenfluoreszenz leicht nachgewiesen werden. Zusätzlich zu dieser Untersuchung, die die Aufnahmerate der Köder wiedergibt, werden seit 2006 stichprobenartig Blutproben von Füchsen aus Impfgebieten auf das Vorhandensein von spezifischen Antikörpern mittels ELISA untersucht. Die Ergebnisse beider Untersuchungen in Kombination mit der Aufrechterhaltung der Seuchenfreiheit sprechen für ein erfolgreiches Impfprogramm. Nach einer ursprünglich flächendeckenden Ausbringung kann sich Österreich aufgrund der möglichen Gefährdung darauf beschränken, nur noch in den grenznahen südöstlichen Bezirken zu impfen.  

Gesetzliche Bestimmungen

Anzeigepflicht in Österreich!

Gesetzliche Grundlagen, Informationen (BMG) zu Tollwut


Nachweismethoden

Antigen- bzw. Virusnachweis  

  • Direkte Immunfluoreszenz (FAT)
  • Indirekte Immunhistochemie (ABC-Technik) 
  • Virusisolierung in der Zellkultur
  • RT-PCR

Antikörpernachweis

  • FAVN (Fluorescence Antibody Virus Neutralisation test)
  • ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay) nur bei Füchsen  


Untersuchungslabor, Kontaktadressen

Bitte wenden Sie sich an die zuständigen Personen

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling  – Nationales Referenzlabor für tierische Tollwut

Beratungsstelle für humane Tollwut

Fachexperte, Ansprechpartner bei Referenzuntersuchungen:
Dr. Z. Bagó   Tel.Nr.: +43 (0)50 555-38360, zoltan.bago@ages.at 
Dr. E. Vanek   Tel.Nr.: +43 (0)50 555-38361, elisabeth.vanek@ages.at 

Wichtige Informationen zur Tollwutantikörperuntersuchung

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