AKTUALISIERT: 07.10.2010

Schweinebrucellose (Brucella suis)

Brucella suis Biovar 2, der Erreger der Schweinebrucellose, ist in Nord-, Zentral- und Südosteuropa bei Wildschweinen und Hasen endemisch und kann von diesen Wildtieren ausgehend auf Hausschweine und Menschen (Zoonose) übertragen werden. Über Erkrankungen bei Hausschweinen (Porcine Brucellose) wurde aus Österreich, Frankreich, Belgien, Deutschland, Kroatien, Portugal und Spanien berichtet. Während in anderen Teilen der Welt Brucella suis Biovar 1 und 3 bei Schweinen vorkommen, wird die Schweinebrucellose in Europa vor allem durch Biovar 2 verursacht. Während die Biovare 1 und 3 beim Menschen sehr ernste Erkrankungen auslösen können, scheint Biovar 2 glücklicherweise weniger pathogen zu sein. Berichte über Nachweise bei Menschen sind sehr selten, ebenso wie Nachweise bei Rindern und kleinen Wiederkäuern.

Die Schweinebrucellose ist in Österreich seit 1994 anzeigepflichtig. Brucella suis Biovar 2 wurde erstmals 1957 bei Feldhasen nachgewiesen. Die Tiere stammten aus der Umgebung von Wien, aus dem Mühlviertel in Oberösterreich und aus der Umgebung Salzburgs. An Brucellose erkrankte Feldhasen zeigen unterschiedlich große, gelbbraune Knoten, besonders in Leber und Milz, und eine eitrige Entzündung der Geschlechtsorgane. Trotz dieser massiven Veränderungen haben diese Tiere oft einen auffallend guten Nährzustand. 1990-1993 wurde die Brucellose bei Feldhasen in Oberösterreich, Niederösterreich und dem Burgenland nachgewiesen. In der Steiermark wurde Brucella suis Biovar 2 in den 1990-er Jahren ebenfalls bei Feldhasen und erstmals auch bei einem Wildschwein und einem Hausschwein nachgewiesen. 2003 kam es zu Ausbrüchen in mehreren Schweinebetrieben im niederösterreichischen Waldviertel.

Bei Hausschweinen kommt es bei einem Neuausbruch zu gehäuften Abortusfällen infolge einer eitrigen Plazentitis. Die Einschleppung in einen der 2003 betroffenen Hausschweinebestände erfolgte durch Zukauf eines infizierten Ebers. 2004 folgte ein Ausbruch im Bezirk Schärding in Oberösterreich. In der Folge gab es weitere Nachweise von Brucella suis Biovar 2 bei Wildschweinen und Füchsen in Ostösterreich. Bei Wildschweinen findet man die Erreger häufig in den Lymphknoten, in der Samenblase, der Prostata oder den Hoden, auch wenn diese makroskopisch oft völlig unverändert erscheinen. Die Überpopulation bei Wildschweinen könnte dazu führen, dass Erregerübertragungen auf das Hausschwein häufiger stattfinden.

Bei der Übertragung vom Wildtier auf das Hausschwein spielen Abfälle von erlegten Feldhasen oder Wildschweinen eine bedeutende Rolle. Die Einhaltung von Hygienegrundsätzen bei der Jagd und Wildbretverarbeitung durch die Jägerschaft  ist daher eine wichtige Forderung, um der Einschleppung des Erregers in Hausschweinebestände und der Übertragung des Erregers auf Menschen vorzubeugen. Ein direkter Kontakt von Hausschweinen mit Wildschweinen oder Feldhasen wird nur selten beobachtet. Vermutlich erfolgt die Einschleppung des Erregers oft indirekt über fleischfressende Säugetiere wie dem Fuchs und dem Hund oder aasfressende Vögel. Auch über Grünfutter von Flächen, die von Hasen oder Wildschweinen kontaminiert wurden, kann der Erreger eingeschleppt werden. Die Freilandhaltung von Hausschweinen in Gebieten, wo Brucella suis Biovar 2 bei Wildtieren endemisch ist, stellt ein erhöhtes Risiko für Brucelloseausbrüche dar.

Kontakt:

Inst. f. veterinärmedizin. Untersuchungen Mödling, Robert Koch-Gasse 17, A-2340 Mödling, Austria

Dr. Erwin Hofer  - Bakteriologie
Tel.: +43 (0)50 555-38210
E-Mail: erwin.hofer@ages.at

Veterinärmedizin Mödling

Institut: Veterinärmedizin Mödling
Ort: 2340, Robert Koch Gasse 17
Dienstort: Moedling

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