ERSTELLT: 09.02.2010

Salmonellen: Erkrankungen beim Tier

Salmonellen, die Erreger der Salmonellose, zählen zu den weltweit wichtigsten bakteriellen Infektionserregern bei Mensch und Tier. Sie treten in einer sehr großen Zahl an Serovaren und Stämmen auf, viele von ihnen sind Zoonoseerreger.

Erreger/Verbreitung

Salmonellen zählen zu den Stäbchenbakterien; sie sind meist beweglich, besitzen in diesem Falle Geißeln und sind ca. 2-5 µm lang.
Salmonellen leben im Darm von Tier und Mensch, sind aber auch außerhalb des menschlichen bzw. tierischen Körpers wochenlang lebensfähig. Sonnenlicht (UV-Strahlung) beschleunigt das Absterben der Erreger. In getrocknetem Kot sind sie über 2,5 Jahre lang nachweisbar. Durch Hitzeeinwirkung sterben Salmonellen bei 55° C nach einer Stunde, bei 60° C nach einer halben Stunde ab. Um sich vor einer Salmonellen-Infektion zu schützen, wird die Erhitzung der Lebensmittel mindestens zehn Minuten auf 75° C (Temperatur im Kern!) empfohlen. Durch Einfrieren werden die Bakterien nicht abgetötet. In sauren Medien sterben die Salmonellen rasch ab; gebräuchliche Desinfektionsmittel töten sie innerhalb weniger Minuten.

Die Gattung Salmonella besteht nach DNA-Analysen aus 2 Arten (Spezies): Salmonella enterica mit 6 Unterarten (Subspezies) und Salmonella bongori (die römischen Zahlen stehen für die frühere Bezeichnung der Gruppen):

Salmonella enterica
ssp. enterica (Gruppe I)
Salmonella enterica ssp. salamae (Gruppe II)
Salmonella enterica ssp. arizonae (Gruppe IIIa)
Salmonella enterica ssp. diarizonae (Gruppe IIIb)
Salmonella enterica ssp. houtenae (Gruppe IV)
Salmonella enterica ssp. indica (Gruppe VI)

Salmonella bongori
(Gruppe V)

Nach dem Kaufmann-White-Schema werden Salmonellen in Serovare (serologische Einteilung) eingeteilt, abhängig von der Art der Oberflächenantigene (O-Antigene) und Geißelantigene (H-Antigene).


Beispiele für Gruppen nach dem Kaufmann-White-Schema:

Gruppe A:

S. Paratyphi A

Gruppe B:

S. Paratyphi B, S. Abortusovis, S. Saintpaul, S. Agona,
S. Typhimurium, S. Heidelberg, S. Abortusequi

Gruppe C:

S. Paratyphi C., S. Choleraesuis, S. Typhisuis, S. Montevideo,
S. Thompson, S. Virchow, S. Infantis, S. Hadar

Gruppe D:

S. Typhi, S. Enteritidis, S. Dublin, S. Gallinarum, S. Panama

Gruppe E:

S. Meleagridis, S. Anatum, S. Senftenberg


Ursprünglich wurden für alle Salmonellenarten Eigennamen gebildet. Mittlerweile werden Eigennamen nur noch für Salmonella enterica ssp. enterica gebildet, für alle anderen neu entdeckten Salmonella - Serovare wird die Antigenformel angegeben. Aus Gründen der Einfachheit wird bei der Benennung nur die Serovarbezeichnung verwendet, z. B. Salmonella Typhimurium anstatt S. enterica ssp. enterica ser. Typhimurium.

Symptome

Salmonelleninfektionen können bei fast allen Tierarten nachgewiesen werden. Reptilien sind in besonderem Maß von latenten Infektionen mit einem breiten Serovarenspektrum belastet.

Salmonellosen beim Rind: S. Dublin ist an das Rind angepasst, aber auch andere Serovare können Allgemeininfektionen mit schweren klinischen Bildern auslösen. Am anfälligsten sind Kälber ab der 2. Lebenswoche. Die überwiegenden Symptome sind dabei Durchfall, Störungen des Allgemeinbefindens bzw. Lungenentzündungen, die mit zunehmendem Alter milder werden. Bei Kühen können jedoch schwere Erkrankungen mit Durchfall, Milchrückgang und Aborten auftreten.

Salmonellosen beim Schwein:
Angepasste Arten sind S. Choleraesuis und S. Typhisuis. Nicht angepasste Serovare lösen viel seltener Krankheiten, vor allem mit Durchfall, aus. Betroffen sind Absetzschweine und Jungschweine bis 60 kg, die Infektion verläuft meist als fieberhafte Allgemeinerkrankung mit Lungensymptomen, seltener mit Durchfällen. Bei Sauen sind Aborte möglich.

Salmonellosen beim Schaf:
S. Abortusovis ist streng an das Schaf adaptiert und einer der wichtigsten Abortuserreger. Nach einer oralen oder einer Infektion über den Deckakt folgt eine septikämische Allgemeininfektion. Typisches Symptom ist das Verlammen im 4. oder 5. Trächtigkeitsmonat, daneben gibt es puerperale Komplikationen und Allgemeinerkrankungen aller Altersgruppen. Nichtadaptierte Serovare verursachen beim Schaf latente Infektionen und Durchfälle sowie Aborte.

Salmonellosen beim Pferd: S. Abortusequi ist der angepasste Typ; nach oraler Infektion oder Infektion über den Deckakt entwickelt sich eine Allgemeininfektion, die bis zum Verfohlen im 4. Trächtigkeitsmonat führen kann. Auch lebensschwache Fohlen sind möglich. Stuten bilden nach dem Abort eine belastbare Immunität aus. Nicht adaptierte Serovare können zu asymptomatischen Erkrankungen mit Erregerausscheidung oder milden bis schweren Erkrankungen bis zur Septikämie führen.

Salmonellose bei Hund und Katze:
Diese Tierarten besitzen eine höhere Resistenz gegen Salmonellen, es gibt keine adaptierten Serovare. Meist werden latente Infektionen beobachtet, unter dem Einfluss begünstigender Faktoren können auch Durchfall, Erbrechen und Fieber entstehen.

Salmonellosen beim Huhn:
S. Gallinarum ist an Hühner angepasst, kann aber auch bei Puten und einigen anderen Vogelarten auftreten. Säugetiere sind nicht empfänglich. Dieses Serovar tritt in 2 Biovaren auf: Biovar Pullorum ist verantwortlich für die weiße Kükenruhr bzw. Pullorumseuche und führt zu akuten septikämischen Infektionen bei Küken bis zur 3. bis 6. Lebenswoche. Das Biovar Gallinarum ist der Verursacher des sogenannten Hühnertyphus, der vor allem bei älteren Hühnern auftritt. Infektionen mit nicht adaptierten Typen verursachen beim Huhn üblicherweise keine Erkrankung, sondern latente Infektionen. Diese sind jedoch eine wichtige Quelle von Lebensmittelinfektionen und erhalten deshalb große Aufmerksamkeit. Das wichtigste Serovar in diesem Zusammenhang ist in Österreich S. Enteritidis, gefolgt von S. Typhimurium.

Salmonellosen beim Wassergeflügel: Wurden als potenzielle Infektionsquelle für den Menschen schon lange vor den Hühnern verstärkt beachtet, daher gibt es schon lange besondere Regeln für den Verzehr von Enteneiern. Durch das Leben in stehenden Gewässern haben diese Tiere einen erhöhten Infektionsdruck. Erkrankungen mit Durchfall und Septikämie gibt es vor allem bei Jungtieren (Kielkrankheit: Rückenschwimmen erkrankter Tiere).

Salmonellose bei Reptilien:

Reptilien als Quelle von Salmonelleninfektionen bei Säuglingen


Bekämpfung

Die erfolgreiche Bekämpfung von Salmonellainfektionen erfordert ein komplexes Vorgehen. Zusätzlich zur Behandlung erkrankter Tiere soll das Ziel verfolgt werden, den Infektionsdruck durch Salmonellen zu verringern und salmonellenfreie Tierbestände zu schaffen und zu erhalten. Dies ist nur durch langfristige komplexe Bekämpfungsprogramme möglich. Diese Ziele konnten in Skandinavien schon so weit umgesetzt werden, dass Salmonellen in Tierbeständen nur noch selten vorkommen. In Österreich ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Zahl der Geflügelherden mit Salmonellen stark zu reduzieren; in übrigen Tierbeständen ist die Anzahl an positiven Herden sehr gering.

Die wichtigsten Maßnahmen zum Erreichen dieses Zieles sind:

  • Antimikrobielle Therapie bei spezifischen Infektionen
  • Ermittlung der Infektionsquellen und Keimträger
  • Salmonellenfreies Futter und Wasser
  • Hygienemaßnahmen am Betrieb inklusive Nagerbekämpfung
  • Competitive exclusion (Verdrängung unerwünschter Keime)
  • Immunprophylaxe

Prophylaxe

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen lebensmittelbedingte Salmonelleninfektionen beim Menschen ist die Küchenhygiene durch den Konsumenten. Dazu zählt vor allem die sorgfältige Reinigung der Hände nach jedem Umgang mit rohem Fleisch bzw. Eiern sowie aller Küchengeräte und Flächen, die mit diesen Lebensmitteln in Berührung gekommen sind. In jedem Fall ist insbesondere sicherzustellen, dass keine anderen Lebensmittel, die anschließend keinem Garungsprozess mehr zugeführt werden (wie z. B. Salate), damit in Kontakt kommen.
Für Tiere gelten die Maßnahmen, die unter dem Punkt Bekämpfung beschrieben sind.
Zusätzlich wurden und werden EU-weite Überwachungsprogramme in Geflügel-, Schweine- und Rinderherden zur Ermittlung der Herdengrundbelastung mit Salmonellen durchgeführt (z. B. EU Base-Line Studies und weitere Überwachungsprogramme). Ebenso wird die Antibiotikaresistenzlage erhoben.

Nachweisverfahren

Salmonellen stellen keine besonderen Ansprüche an Nährmedien. Für den Nachweis spezifischer Infektionen genügt eine normale Kultur, wenn ausreichende Bakterienzahlen vorliegen. Zum Nachweis einer geringen Bakterienmenge in Umweltproben, Futtermitteln und in Ausscheidungen wurden Anreicherungsverfahren entwickelt, damit auch geschädigte Bakterien nachgewiesen werden. Auch latent infizierte Tiere und Tierbestände können mit diesen Verfahren diagnostiziert werden.

Gesetzliche Bestimmungen/Normen

ISO 6579:2002 Mikrobiologie von Lebensmitteln und Futtermitteln - Horizontales Verfahren zum Nachweis von Salmonellen, Nachtrag 1 2007: Anhang D (Nachweis von Salmonella spp. in Kot und  Umgebungsproben der Primärproduktion) 

LMSVG (2006) Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz i.d.g.F.

Geflügelhygieneverordnung 2007 i.d.g.F.

VO EG 1237/2007 Inverkehrbringen von Eiern aus mit Salmonellen infizierten Legehennenbetrieben i.d.g.F.

ACHTUNG: Hier finden Sie ausgewählte Rechtstexte aus dem Bereich der Europäischen Union und der österreichischen Rechtssprechung (Gesetze, Verordnungen sowie Kundmachungen).

Den kompletten aktuellen österreichischen Rechtsbestand bzw. den Rechtsbestand der Europäischen Union können Sie unter den folgenden Links abrufen:

Die AGES übernimmt keine Haftung für die Aktualität der Gesetzes-Links, sie sind ein Service für unsere Kunden und dienen lediglich als Informationsimpuls - den aktuellen Gesetzestext (konsolidierte Fassung) entnehmen Sie bitte den oben genannten Datenbanken (EUR-Lex und RIS).


Untersuchungslabor für Proben aus dem tierischen Bereich:

Institute für veterinärmedizinische Untersuchungen (IVET) Graz und Mödling

Hauptansprechpartner:
IVET Graz/Abteilung Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Graz
Puchstraße 11, A-8020 Graz

Kontakt:
Dr. Heimo Lassnig, Tel: +43 (0)316 271 278-516, heimo.lassnig@ages.at
Dr. Tanja Urbanke, Tel: +43 (0)316 271 278-527, tanja.urbanke@ages.at

IVET Mödling/Abt. Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
Robert Koch-Gasse 17, A-2340 Mödling

Kontakt:
Dr. Erwin Hofer, Tel: +43 (0)50 555-38210, erwin.hofer@ages.at
Mag. Gabriele Romanek, Tel: +43 (0)50 555-38211, gabriele.romanek@ages.at


Bei Proben außerhalb des tierischen Bereiches wenden Sie sich bitte an:

Humanmedizin - Nationales Referenzlabor für Salmonellen, Salmonellenzentrale,
IMED Graz: Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Graz
Beethovenstraße 6, A-8010 Graz
Tel: +43 (0)50 555-61273 oder 61262
Fax: +43 (0)50 555-61208
E-mail: humanmed.graz@ages.at

Kontakt: Dr. Christian Kornschober

Informationen bezüglich Salmonellen-Erkrankungen im humanmedizinischen Bereich finden sie hier

Lebensmitteluntersuchungen – Lebensmittelproben
das Leistungsangebot bzw. die Kontaktpersonen finden sie unter den folgenden Links:

Institut für Lebensmitteluntersuchungen Graz
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Innsbruck
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Linz
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Salzburg
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Wien

Informationen bezüglich Salmonellen und im Lebensmittel finden sie hier

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Links:

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Kurzbericht der Gemeinschaft über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoserregern in der Europäischen Union im Jahr 2007)

Weltgesundheitsorganisation

Welttiergesundheitsorganisation

Bundesministerium für Gesundheit

Jahresberichte der von Tier auf Mensch übertragbaren Erkrankungen (Zoonosen)

Antibiotikaresistenzberichte

CRL (EU-Referenzlabor für Salmonella) 

Bundesinstitut für Risikobewertung (D)

 

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