Aktuelle Daten (Jahresbericht 2008) zum Überwachungsprogramm Paratuberkulose

Bei der Paratuberkulose handelt es sich um eine chronische und unheilbare Krankheit der Wiederkäuer. Die Infektion erfolgt überwiegend bereits beim Jungtier über Kot oder Milch. Nach einer Inkubationszeit von 2-10 Jahren kommt es zum Rückgang der Milchleistung, zu einer verminderten Gewichtszunahme und zur Infertilität. Im fortgeschrittenen Stadium führen dann unstillbare Durchfälle bei erhaltener Fresslust zu einer hochgradigen Abmagerung und schließlich zum Tod.

Serologische Vergleichsstudien zur Erhebung der Paratuberkulose-Prävalenz bei Rindern in Österreich in den Jahren 1995-1997 sowie 2002-2003 zeigten eine Zunahme der Betriebe mit Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP) Antikörper positiven Tieren. Obwohl sich mittels serologischer Untersuchungen die tatsächliche Erregerprävalenz, und damit verbunden die wahre Bedeutung der Paratuberkulose nur schwer abschätzen lassen, wurden in Österreich gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Paratuberkulose ergriffen. Mit der Paratuberkulose-Verordnung wurde 2006 ein Überwachungsprogramm zur Bekämpfung der klinischen Paratuberkulose bei Wiederkäuern ins Leben gerufen. Seit 3. 4. 2006 besteht nun in Österreich Anzeigepflicht für die klinische Paratuberkulose bei Rindern, Schafen, Ziegen sowie Wildwiederkäuern in Gatterhaltung. Die Untersuchungen im Rahmen dieses Überwachungsprogramms erfolgen zentral am AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz (IVET LINZ).

Diagnostik

Zur diagnostischen Abklärung von klinischen Verdachtsfällen sind vom Amtstierarzt Blut- und Kotproben einzusenden. Bei verendeten oder getöteten Tieren erfolgt die Einsendung von Organmaterialien (Darmteile, Lymphknoten).
Im Jahr 2008 gelangten Blut-, Kot- und Organproben von 149 Rindern aus 74 Betrieben, von 5 Schafen aus 2 Betrieben, sowie von 4 Stück Farmwild aus 2 Betrieben zur Untersuchung. Bei 38 Rindern konnte eine Infektion mit MAP nachgewiesen werden. Die positiv getesteten Rinder stammten aus 29 Betrieben, wobei die Rassen Limousin und Fleckvieh am häufigsten vertreten waren (Tabelle 1). In Abbildung 1 sind die klinischen Verdachtsfälle der einzelnen Bundesländer (Zahlen in schwarz), die Anzahl der MAP-positiven Tiere (Zahlen in rot) sowie die Anzahl der MAP-positiven Betriebe (Zahlen in blau) dargestellt. Tabelle 2 zeigt die Altersaufteilung der MAP-positiven Rinder.

Bekämpfung

Die MAP-Bekämpfung wird durch verschiedene Faktoren erheblich erschwert. Während bei klinisch kranken Tieren die labordiagnostische Abklärung einer Infektion in der Regel keine Schwierigkeiten bereitet, lassen sich frühe Infektionsstadien aufgrund der langen Inkubationszeit, der intermittierenden Erregerausscheidung und der verhältnismäßig späten Serokonversion derzeit nicht oder nur schwer erfassen. Da aber gerade den klinisch kranken Tieren aufgrund der hohen Erregerausscheidung die größte Bedeutung in der Verbreitung von MAP zukommt, zielt das Überwachungs- und Bekämpfungsprogramm vor allem auf die Erfassung und Ausmerzung der klinisch an Paratuberkulose erkrankten Tiere ab. Wird das tatsächliche Bestehen klinischer Paratuberkulose nachgewiesen und bestätigt, erfolgen nach der Keulung der betroffenen Tiere zusätzliche gezielte Hygiene- und Managementmaßnahmen zur Reduktion des Infektionsdruckes in den betroffenen Beständen.

Generelle Informationen zur Paratuberkulose (Symptome, Untersuchungsantrag, Labor, Broschüre Referenzlabor)

Abb.1: Anzahl der Verdachtsfälle(schwarz), der durch ein positives Laborergebnis bestätigten Rinder (rot), der positiven Betriebe (blau)
Tabelle 1: Rassenaufteilung der MAP-positiven Rinder
Tabelle 2: Altersaufteilung der MAP-positiven Rinder

Veterinärmedizin Linz

Institut: Veterinärmedizin Linz
Ort: 4021, Hans-Kudlich-Strasse 27
Dienstort: Linz

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