AKTUALISIERT: 24.09.2010

Myxomatose (Kaninchenseuche, -pest)

Bild 1a: Myxoma virus (Ø 300x250x200nm) – elektronenmikroskopische Aufnahme, Bild 1b: PCR "Leporipox" aus Hautstücken (Myxomen)

Ausgelöst wurde die Verbreitung der Myxomatose in Europa 1952 durch das Freilassen erkrankter, infizierter Kaninchen in Frankreich. In der Folge breitete sich das Myxomatosevirus in Europa in rasantem Tempo aus und wirkte – ähnlich wie in Australien – nahezu Populations-vernichtend. Nachdem 1955 vom bisher letzten Seuchenausbruch in Österreich berichtet wurde, traten im Herbst 2009 und im Herbst 2010 gehäuft Fälle von Myxomatose in Österreich bei freilebenden Wild- und Hauskanninchen auf.

Erreger, geographische Verbreitung

Die Myxomatose oder Kaninchenpest ist eine ausschließlich bei Haus- und Wildkaninchen vorkommende Viruserkrankung. Der Erreger gehört der Pockenvirusfamilie „Leporipoxvirus“ an und wird als Myxoma virus bezeichnet. Zur Familie der Leporipoxviren zählen zudem das Hare fibroma virus (Fibromatose des Feldhasen), das Rabbit fibroma virus (Fibromatose des Kaninchens) und das Squirrel fibroma virus (Fibromatose der Eichhörnchen).

Myxomatose ist in Europa weitverbreitet: 2004/2005 wurden Ausbrüche in England (Leeds, Sussex, Essex, Cambridge etc.); 2007 in der Schweiz, 2008 in Luxemburg, 2009 in Russland und 2009 wieder in England (Wales) gemeldet. In Österreich waren/sind unter anderem Wildkaninchen und Hauskaninchen im Raum Wien und Niederösterreich betroffen. Genauere Angaben über die geographische Ausbreitung von Myxomatose in Österreich können nicht gemacht werden, da die Krankheit nicht meldepflichtig ist. Für Informationen in Ihrer Umgebung wenden sie sich bitte an Ihren Tierarzt.

Wirtstiere, Gefährdung für den Menschen

Hauptwirte des Virus sind das europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und das Hauskaninchen. Die Wildkaninchen Südamerikas (Sylvilagus brasiliensis) sind wesentlich resistenter gegenüber dem Myxomatosevirus (milde bzw. symptomlose Infektion!) als ihre europäischen Vertreter. Feldhasen sind für Myxomatose weitgehend unempfindlich; selbst bei hohem Infektionsdruck erkranken maximal 1% der Feldhasen.

Andere Tiere oder Menschen sind durch das Myxomatosevirus nicht gefährdet. Bei Verdacht auf Myxomatose (siehe Symptome) sollte sofort der Tierarzt benachrichtigt werden. Kranke Tiere sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden (Händewaschen, Händedesinfektionen, Handschuhe).

Was sollten Sie tun, wenn Sie ein an Myxomatose erkranktes Wildkaninchen finden?

Übertragung

Die Übertragung des Virus findet vorwiegend durch stechende, blutsaugende Insekten wie Stechmücken oder Flöhe statt; vor allem der Kaninchenfloh gilt als Hauptvektor. Eine Übertragung des Myxomatosevirus durch Milben, Zecken und Läuse kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Das Virus bleibt im Insekt bis zu 3 Monate aktiv. Eine erhöhte Insektenpopulation in feuchtwarmen Sommern und im Herbst führt zu einem gehäuften Auftreten der Erkrankung. Myxomatose ist dafür bekannt, nur alle 4-5 Jahre, dafür dann hochvirulent, aufzutreten.

Weitere Übertragungswege sind:

  • direkter Tier zu Tier Kontakt durch Beschnuppern und Schleimhautkontakt
  • indirekte Übertragung über Grünfutter
  • indirekte Übertragung über Fliegen

Obwohl das Virus wirtsspezifisch ist, kann der Mensch bei Kontakt mit erkrankten Tieren als indirekter Überträger fungieren. Verschmutzte Arbeitsgeräte, Stallkleidung bzw. Stallzubehör sind, bei Kontakt mit infizierten Tieren, ebenfalls für die Verbreitung des Virus verantwortlich. Das Virus bleibt bis zu 7 Monate virulent.

Symptome, Krankheitsverlauf

Je nach Virulenz des Erregers liegt die Mortalität bei 20 bis 100 %. Nach anfänglicher Sterblichkeit von bis zu 100 %, ausgelöst durch einen hochvirulenten Stamm, kommt es durch Abschwächung und Anpassung des Virus an die Wirte zunehmend zu milderen und atypischen Verläufen.
Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 9 Tagen treten erste Symptome auf; nach ca. 10 bis 14 Tagen endet die Krankheit meistens mit dem Tod.

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Schwellungen und Entzündungen im Bereich der Augenlider
  • Augenausfluss
  • Schwellungen im Bereich des Kopfes (Mund, Ohren, Lippen)
  • Schwellungen im Bereich des Genitalbereiches
  • Schluckbeschwerden
  • hohes Fieber
  • Ödembildungen (Hinterlaufödeme in Ausnahmefällen)

Informationen über die Verlaufsformen der Myxomatose

Abb. 2: Wildkaninchen: Anschwellungen im Bereich des Auges (2a), Unterhautödeme an den Hinterläufen (2b)

Prophylaxe, Schutz- und Hygienemaßnahmen

Bei neu in einen Bestand einzuführenden Kaninchen sollte eine 14-tägige Quarantäne eingehalten sowie eine Impfung durchgeführt werden.
Vorbeugend kann eine halbjährliche Impfung mit abgeschwächtem Lebendimpfstoff Schutz gegen eine Infektion bieten. In Österreich und Deutschland ist im Gegensatz zur Schweiz eine Impfung zugelassen. Detaillierte Informationen über Impfungen erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

Es gibt verschiedenen Impfstoffe, die meist sub- bzw. intrakutan appliziert werden.

Grundimmunisierung bei Jungtieren:

  • Impfung im Alter von 4-6 Wochen
  • Wiederholungsimpfung: nach 4 Wochen
  • weiterer Impfmodus: alle 6 Monate

Grundimmunisierung bei Alttieren:

  • Impfung Anfang März/April, Alter egal
  • Wiederholungsimpfung nach 4 Wochen
  • weiterer Impfmodus: alle 6 Monate

Weitere Informationen zur Impfung

Weitere Schutz- bzw. Hygienemaßnahmen:

  • wirksamer Mückenschutz, empfohlen bei größeren Beständen
  • kein Grünfutter aus Gebieten, in welchen sich Wildkaninchen aufhalten
  • Bekämpfung der Fliegen, die virushaltiges Augensekret oder Sekret aufbrechender Pusteln verbreiten können
  • Vermeidung von Kontakt zwischen Hauskaninchen und Wildkaninchen im Freigehege
  • Reinigung der Hände nach dem Anfassen von erkrankten Tieren
  • Übertragungsmöglichkeit kann auch während Ausstellungen erfolgen

Therapie, Bekämpfung

Für Myxomatose gibt es keine spezielle Behandlung. Sie ist nicht heilbar, auch wenn Medikamente und Antibiotika unterstützend eingesetzt werden können. Überlebt ein Tier, überträgt es auch noch nach Monaten das Virus und wird nicht immunisiert. Latent infizierte Kaninchen scheiden ebenfalls Myxomatoseviren aus, sodass eine Krankheitsverbreitung über Kontaktinfektionen innerhalb des Bestandes möglich wird.

Die Erreger der Myxomatose sind lange überlebensfähig, insbesondere an Gerätschaften und in den Stallungen. Deshalb müssen alle Gegenstände oder Gebäude, mit denen erkrankte Tiere in Berührung kommen, nach dem Verenden der Tiere gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Das Virus ist relativ unempfindlich gegenüber einer Mehrzahl von Chemikalien wie Kaliumpermanganat, Sublimat, Phenol und Borsäure. Das Virus ist nicht kälte-, jedoch wärmeempfindlich. 

Gesetzliche Bestimmungen

Myxomatose ist nicht anzeigepflichtig, jedoch gegenüber der OIE meldepflichtig („Notifiable Disease“-OIE).

Nachweisverfahren

Virusnachweis aus Hautödemen, Organen und Augensekret:

  • durch Elektronenmikroskopie (bei hochvirulenter Form 4h-Analyse nach Eintreffen der Probe im Labor)
  • durch molekularbiologische Verfahren (PCR, Sequenzanalyse)
  • durch histologische Untersuchungen
  • durch Virusanzucht in Zellkulturen


Untersuchungslabor

AGES - Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

Tel.Nr.: 0043 (0)50 555-38400

Kontaktperson: Dr. Susanne Richter

Literaturhinweise

Veterinärmedizin Mödling

Institut: Veterinärmedizin Mödling
Ort: 2340, Robert Koch Gasse 17
Dienstort: Moedling

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