Was ist die Schweinegrippe?
Die Schweinegrippe/Schweineinfluenza ist eine akut verlaufende, hochkontagiöse Erkrankung des Respirationstraktes der Schweine. Schweineinfluenza wurde erstmals 1918 beobachtet und später als H1N1 typisiert. Das Vorkommen der Erkrankung trat in Form jährlicher Epidemien im Winter zunächst nur im Norden und Mittelwesten der USA auf. Nach dem 2. Weltkrieg kam es vereinzelt zum Auftreten der Schweinegrippe in Europa, Südamerika und Asien; 1976 wurden Ausbrüche von H1N1 in Norditalien diagnostiziert. Daneben werden immer häufiger Infektionen von Schweinen mit Influenzastämmen des Typs H3N2 und N1N2 beobachtet.
Im Jahr 2004 durchgeführte Untersuchungen (Lang et. al. 2004) an österreichischen Schweinen zeigten, dass im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien) das H1N1-Virus in Österreich von weitaus größerer Bedeutung ist, als der Subtyp H3N2. Die Situation Österreichs entspricht der in Regionen geringer bis mittlerer Schweinedichte Deutschlands mit einer Dominanz des Subtyps H1N1 und gelegentlichen Infektionen mit dem Subtyp H3N2 bei bisher sporadischem Auftreten des neuen Subtyps H1N2.
Können sich Menschen mit Schweinegrippe infizieren?
Im Prinzip Ja; bei Menschen mit Kontakt zu Schweinen wurden Antikörper gegen H1N1 mittels HI-Test nachgewiesen (Deutz 2007). Es kommt auch hin und wieder zu sporadischen Infektionen von Menschen mit Schweinegrippeviren (z.B. Shinde et al., 2009).
Daher ist ein Schutz im Kontakt mit potenziell infizierten Tieren angebracht. Bezüglich dieser Zoonose sind aus tierärztlicher Sicht folgende Aspekte zu berücksichtigen:
- Eigener Arbeitsschutz durch Beachtung hygienischer Grundregeln
Planmäßige Bestandsbetreuung im Bereich landwirtschaftlicher Nutztiere - Einholung von Informationen bzw. Weiterbildung der mit der Schweinezucht in Verbindung stehenden Personen über zoonotische Risiken
- Konsultation diagnostischer Einrichtungen in Verdachtsfällen; die enge Kooperation der Untersuchungsstellen Humanbereich und Veterinärbereich der AGES versorgt sie gerne mit umfassender Information (Telefonkontakt: 050555 555)!
Wie stecken sich Schweine mit Schweinegrippe an?
Die Krankheit tritt regelmäßig gehäuft während der kalten Jahreszeit in zahlreichen voneinander entfernt liegenden Beständen auf. Die Virusausscheidung erfolgt über das Nasensekret, die Übertragung geschieht aerogen von Tier zu Tier. Die Ausbreitung der Krankheit wird durch engen Kontakt zwischen den Tieren, sowie durch Umweltfaktoren begünstigt. Virusisolierungen über den Zeitraum eines Jahres ergaben, dass das Schweineinfluenzavirus in Beständen lange zirkulieren kann. Da die Infektion über Kontakt erfolgt, stellen migrierende Wasservögel bzw. Hausgeflügel ein zusätzliches potenzielles Reservoir für die Ansteckung bzw. den Eintrag neuer Virusvarianten dar.
Gibt es einen Impfstoff für Schweine gegen Schweinegrippe?
Ja, in Österreich ist derzeit ein Impfstoff gegen H1N1 und H3N2 für Schweine erhältlich. Die Impfung wird bei jeder Abferkelung verabreicht. In Österreich werden ca. 20% der Betriebe regelmäßig geimpft.
Welche Symptome löst die Schweinegrippe bei Tieren aus?
Typische Symptome bei Schweinen sind eine katarrhalische Entzündung der Atemwegsorgane und ein trockener schmerzhafter Husten. Die wichtigsten Symptome bei Schweinen sind (Lang et al. 2004): respiratorische Symptome wie Tachypnoe, Dyspnoe, Husten, Nasenausfluss sowie eine frequente Atmung, hohes Fieber, Abgeschlagenheit bis Apathie und Inappetenz. Neben dem typischen akuten Verlauf kennt man eine chronische Verlaufsform, die sich als Abortusgeschehen in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit manifestiert bzw. zur Geburt schwacher, zum Kümmern neigender Ferkel führt. Entweder wurden die respiratorischen Infektionen bei letzteren Fällen nicht bemerkt oder es verliefen die Infektionen in Bezug auf respiratorische Symptome inapparent. Typische Krankheitssymptome werden oft nur bei 20-40% der Tier einer Herde beobachtet.
Wie ist der Krankheitsverlauf bei Schweinen?
Die Inkubationszeit bei Schweinen beträgt 1-5 Tage. Der Krankheitsverlauf ist relativ heftig und beginnt mit Anorexie, Fieber sowie Muskelschwäche und –schmerzen. Erkrankte Tiere, meist 3-4 Monate alt, scharen sich zusammen und bewegen sich kaum. Hustenanfälle, Nasenausfluss, Konjunktivitiden sind typische Anzeichen; am Höhepunkt der Infektion tritt eine Zwerchfellatmung auf. Wenn gute hygienische und konstitutionelle Vorrausetzungen vorhanden sind, genesen die Schweine innerhalb von ca. 3-6 Tagen. Bei Pneumonien mit Sekundärinfektion ist die Genesungsdauer länger. Während die Morbiditätsrate beinahe 100% beträgt, liegt die Mortalitätsrate unter 1%.
Wie wird Schweinegrippe bei Schweinen diagnostiziert?
Die Infektion mit Schweineinfluenza-Viren lässt sich durch die Erregerisolierung, durch den Nachweis von Antikörpern und durch molekularbiologische Verfahren (PCR, Sequenzanalyse etc.) nachweisen.
Literaturhinweise zur Schweinegrippe:
Deutz A., Fuchs, K., Nowotny N., Schuller W. (1997): Serologische Untersuchung von Tierärzten auf Zoonosen. 3. Mitteilung: Seroprävalenz gegenüber viralen Zoonosen und prophylaktische Maßnahmen. Wien. Tierärztl. Mschrift 84:211-219.
Deutz A. (2007): Zoonosen – zwischen Tieren und Menschen übertragbare Krankheiten. Jubiläumssymposium „5 Jahre Tiergesundheit“, 26.-27.05.2007, Wien
Van Reeth K., Brown I.H., Dürrwald R., Foni E., Labarque G., Lenihan P., Maldonado J. Markowska-Daniel I., Pensaert M., Pospisil Z., Koch G. (2008): Seroprevalence of H1N1 and H1N2 influenza viruses in pigs in seven European countries in 2003-2004. Journal Compilation - Blackwell Publishing Ltd., Influenza and other Respiratory Viruses 2:99-105.
Lang Ch., Sipos W., Dürrwald R., Herwig V., Sommerfeld-Stur I., Schuh M., Schmoll F. (2004): Abklärung des Vorkommens des Schweineinfluenzavirus A-Subtyps H1N2 in österrreichischen Betrieben. Wien. Tierärztl. Mschr. 91:297-308.
Lang Ch., Sipos W., Dürrwald R., Herwig V., Selbitz H.-J., Sommerfeld-Stur I., Schmoll F. (2007): Hämagglutinationsinhibitiontest und kommerzielle ELISA-Kits zum Nachweis von Antikörpern gegen Schweineinfluenzavirus TypA-H1N1- und –H3N2 differieren in ihrer diagnostischen Aussagekraft. Wien. Tierärztl. Mschr. 94:296-303.
Shinde V., Bridges C.B., Uyeki T.M., Shu B., Balish A., Xu X., Lindstrom S., Gubareva L.V., Deyde V., Garten R.J., Harris M., Gerber S., Vagasky S., Smith F., Pascoe N., Martin K., Dufficy D., Ritger K., Conover C., Quinlisk P., Klimov A., Bresee J.S., Finelli L. (2009): Triple-reassortant swine influenza A (H1) in humans in the United States, 2005-2009. N Engl J Med. 360(25):2616-25.
Veterinaermedizin Moedling
Institut: Veterinaermedizin Moedling
Ort: 2340, Robert Koch Gasse 17
Dienstort: Moedling
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