AKTUALISIERT: 07.11.2011

Campylobacter /Tier

Verdünnungsausstrich auf mCCDA-Agar

Erreger/Verbreitung

Innerhalb der Bakterien-Gattung Campylobacter finden sich auch veterinär- und/oder human-pathogene Arten. Zu den veterinärmedizinisch bedeutsamsten Arten zählen die Campylobacter fetus-Arten. Bei C. fetus ssp. venerealis handelt es sich um eine rein veterinärpathogene Unterart, die besondere Nischen (Geschlechtstrakt) besiedelt. Die zweite Unterart C. fetus ssp. fetus ist weniger spezifisch und kann außer beim Tier auch beim Menschen zu Infektionen führen, wobei sie im Darm und in der Umgebung vorkommen kann.
Für die Humanmedizin stellen Campylobacter jejuni und Campylobacter coli mit Abstand die wichtigsten Arten dar, da sie für nahezu alle Campylobacteriosen des Menschen verantwortlich sind. Zudem ist C. jejuni auch tierpathogen. Man findet diese Arten im Darm sehr vieler Tiere und des Menschen.

Wirtstiere/Gefährdung für den Menschen

Die humanmedizinisch wichtigsten Arten (C. jejuni, C. coli) findet man in erster Linie beim Geflügel, allerdings lassen sie sich so ziemlich bei jeder Säugetier- und Vogelart und beim Menschen nachweisen.
Für den Menschen stellt C. jejuni die weitaus größte Gefahr dar, da diese Art 90-95 % aller humanen Campylobacter-Infektionen verursacht. Nahezu der gesamte Rest (5-10 %) entfällt auf C. coli.

nach www.nature.com

Übertragung

Beim Tier erfolgt die Übertragung durch Deck-oder Schmutzinfektionen.
Der Mensch infiziert sich in erster Linie durch kontaminierte und unzureichend bzw. nicht gegarte Lebensmittel (Küchenhygiene), nicht oder nicht ausreichend pasteurisierte Milch, verunreinigtes Trinkwasser oder seltener durch direkten Kontakt mit Haustieren.

Symptome

Beim Tier kommt es meist zu Fruchtbarkeitsstörungen oder Aborten (Rind, Schaf) durch C. fetus-Arten. Nur selten werden Erkrankungen wie Durchfall (Geflügel, Rind, Hund, Katze) oder Aborte (Schaf) durch andere Arten wie z. B. C. jejuni beobachtet.
Der Mensch reagiert hauptsächlich mit Durchfall, Erbrechen und Fieber. Häufig nimmt die Erkrankung einen gutartigen Verlauf und bedarf keiner ärztlichen Behandlung. In selteneren Fällen kann es auch zu mehr  oder weniger schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Bekämpfung/ Prophylaxe

Es gibt nur für C. fetus ssp. venerealis, als anzeigepflichtige Tierseuche, gesetzlich geregelte Bekämpfungsmaßnahmen.

Für alle anderen Campylobacter-Arten lassen sich Bekämpfungs- und Prophylaxemaßnahmen nur von allgemeinen EU-weiten bzw. nationalen Hygienevorschriften für Lebensmittel produzierende Betriebe ableiten.
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen lebensmittelbedingte Campylobacteriosen des Menschen ist eine möglichst gute Küchenhygiene. Dazu zählt vor allem die sorgfältige Reinigung der Hände, Küchengeräte und Arbeitsflächen nach jeder Verarbeitung von rohem Fleisch. In jedem Fall ist sicherzustellen, dass keine anderen Lebensmittel, die anschließend keinem Garungsprozess mehr zugeführt werden (wie z. B. Salate) dadurch verunreinigt werden.

Weitere Prophylaxemaßnahmen sind Hygiene und Schädlingsbekämpfung in Landwirtschafts- und Schlachtbetrieben (Betriebshygiene) sowie Personalhygiene bei in der Fleischverarbeitung tätigen Personen.

Gesetzliche Bestimmungen/Normen

VERORDNUNG (EG) Nr. 178/2002
VERORDNUNG (EG) 776-2006
VERORDNUNG (EG) 882-2004
ENTSCHEIDUNG 2007-516-EG
RICHTLINIE 43/2003/EWG
RICHTLINIE 2003-99-EG

TIERSEUCHENGESETZ, RGBl. Nr. 177/1909, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 54/2007
BUNDESGESETZ über die Bekämpfung der übertragbaren Geschlechtskrankheiten (Deckseuchengesetz) der Rinder, BGBl. Nr. 22/1949

ISO/TS 10 272-1/2006
ISO/TS 10 272-2/2006

ACHTUNG: Hier finden Sie ausgewählte Rechtstexte und Normen aus dem Bereich der Europäischen Union und der österreichischen Rechtssprechung (Gesetze, Verordnungen sowie Kundmachungen).

Den kompletten aktuellen österreichischen Rechtsbestand bzw. den Rechtsbestand der Europäischen Union können Sie unter den folgenden Links abrufen:

Die AGES übernimmt keine Haftung für die Aktualität der Gesetzes-Links, sie sind ein Service für unsere Kunden und dienen lediglich als Informationsimpuls. Den aktuellen Gesetzestext (konsolidierte Fassung) entnehmen Sie bitte den oben genannten Datenbanken (Eur-lex und RIS).

Nachweisverfahren

Zum Nachweis von Campylobactern werden gemäß ISO-Norm in erster Linie kulturell-mikrobiologische Verfahren eingesetzt.
Die Anzüchtung der Erreger verlangt spezielle Selektivnährböden oder Flüssignährmedien mit Selektivzusätzen, die die Begleitflora hemmen, je nach Untersuchungsmaterial mit oder ohne vorherige Anreicherung. Die Medien sind in sauerstoffarmer Umgebung (mikroaerophil) mindestens 48 Stunden bei 37-42 °C zu bebrüten.
Daneben existieren noch eine Reihe von molekularbiologischen (v. a. PCR) und immunologischen Verfahren (z. B. Schnelltests) für die Campylobacter-Diagnose.

Untersuchungslabor für Proben aus dem tierischen Bereich (tier- und humanpathogene Campylobacter)

Institute für veterinärmedizinische Untersuchungen (IVET) Graz, Innsbruck, Linz, Mödling 

Hauptansprechpartner IVET Graz/Abteilung Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Graz
Puchstraße 11, A-8020 Graz
Dr. Thomas Pölzler, Tel: +43 (0)316 271 278-532, thomas.poelzler@ages.at

IVET Innsbruck/Abt. Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchung Innsbruck
Technikerstraße 70, A-6020 Innsbruck
Dr. Alice Wallner,  Tel: +43 (0)50555-71220, alice.wallner@ages.at

IVET Mödling/Abt. Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling
Robert Koch-Gasse 17, A-2340 Mödling
Dr. Erwin Hofer, Tel: +43 (0)50555-38210, erwin.hofer@ages.at
Mag. Gabriele Romanek, Tel: +43 (0)50555-38211, gabriele.romanek@ages.at
 
IVET Linz/Abt. Bakteriologie:
AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz
Kudlichstraße 27, A-4021 Linz
Dr. Gerald Krassnig,  Tel: +43 (0)50555-45240, gerald.krassnig@ages.at
Dr. Karl Stellnberger,  Tel: +43 (0)50555 45210, karl.stellnberger@ages.at

Bei Proben außerhalb des tierischen Bereiches wenden Sie sich bitte an:

Untersuchungslabor Humanbereich, IMED Graz: Nationale Referenzzentrale-Zoonosenuntersuchungen

Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Graz
Beethovenstraße 6, A-8010 Graz
Tel:  +43 (0)50555-61273 oder 61262
Fax: +43 (0)50555-61208
E-mail: humanmed.graz@ages.at
Leitung: Dr. Sandra Jelovcan
Leitung-Stv.: Dr. Christian Kornschober

Leistungsangebot siehe Link Nationale Referenzzentrale

Lebensmitteluntersuchungen – Lebensmittelproben
das Leistungsangebot bzw. die Kontaktpersonen finden sie unter den fogenden Links

Institut für Lebensmitteluntersuchungen Graz
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Innsbruck
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Linz
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Salzburg
Institut für Lebensmitteluntersuchungen Wien

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Links:

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Kurzbericht der Gemeinschaft über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoserregern in der Europäischen Union im Jahr 2007)

Weltgesundheitsorganisation

Welttiergesundheitsorganisation

Bundesministerium für Gesundheit

Jahresberichte der von Tier auf Mensch übertragbaren Erkrankungen (Zoonosen)

Antibiotikaresistenzberichte

CRL (EU-Referenzlabor für Campylobacter)  

Bundesinstitut für Risikobewertung (D)

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