Tuberkulosewelttag 2010
Im Jahr 2009 erkrankten nach vorläufigen Zahlen in Österreich 733 Personen an Tuberkulose. Generell sind Männer häufiger betroffen (461 Fälle) als Frauen. 40,7 Prozent der Erkrankten wurden nicht in Österreich geboren. Mit einer Inzidenz (Fälle/100.000 Einwohner) von 13,4 ist die Altersgruppe der über 65-Jährigen am stärksten betroffen.
Lungentuberkulose (pulmonale Tuberkulose) ist mit 82,2 Prozent der Fälle die häufigste Erscheinungsform. Bei 125 Patienten wurde eine extrapulmonale Tuberkulose (betroffen sind u. a. Lymphknoten, Haut, Nieren, Knochen) diagnostiziert.
Erkrankungszahlen rückläufig
Im Vorjahr wurden in Österreich 24 Fälle von multiresistenter Tuberkulose (MDR-Tb) diagnostiziert. Davon betrafen 17 Fälle Personen mit nichtösterreichischer Staatsangehörigkeit.
In Österreich ist die Inzidenz an Tuberkulose in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr gesunken. Tuberkulose kann im Normalfall mit einer Kombination von vier Standard- oder Erstrang-Antituberkulotika behandelt werden. Das Auftreten von multiresistenter Tuberkulose erschwert, verlängert und verteuert die Behandlung.
MDR-Tb entsteht durch Bakterien, die mindestens gegen Isoniazid und Rifampicin, die beiden wirkungsvollsten Erstrang-Antituberkulotika, resistent sind. Unsachgemäße Medikamenteneinnahme, inkorrekte Medikamentenverschreibung, sowie im Ausland irreguläre Medikamentenversorgung und Vorkommen minderwertiger Medikamente gelten als die Hauptursachen von Antituberkulotika-Resistenzen.
In den vergangenen Jahren wurde auch zunehmend über das Vorkommen von extrem arzneimittelresistenter Tuberkulose (XDR-Tb) berichtet. Selbst bei optimaler Therapie können hier nur mehr 50 bis 60 Prozent der von XDR-Tb Betroffenen geheilt werden. In Österreich wurde extrem arzneimittelresistente Tuberkulose (XDR-Tb) erstmalig im Mai 2008 diagnostiziert. Die Auswertung für das Jahr 2009 ist bis dato noch nicht abgeschlossen.
Weil die Erreger der XDR-Tb resistent gegen Erstrang- und Zweitrang-Antituberkulotika sind, sind die Behandlungsmethoden stark eingeschränkt und damit auch die Heilungschancen. Zu einer XDR-Tb kommt es durch Bakterien, die gegen alle Fluoroquinolone und außer gegen Isoniazid und Rifampicin auch gegen mindestens eines der injizierbaren Zweitrang-Antituberkulotika (Capreomycin, Kanamycin und Amikacin) resistent sind. Dem medizinischen Personal bleibt zum Selbstschutz vor Ansteckung mit XDR-Tb einstweilen nur die strikte Einhaltung altbewährter Hygieneregeln.
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit