Vorkommen von Tollwut in Österreich

Erkrankungen durch urbane Tollwut:

Bei der urbanen Tollwut bilden Hunde (Canis canis) das Hauptreservoir und übertragen das Tollwutvirus auf andere Tiere und den Menschen. Der letzte Todesfall in Österreich betraf im September 2004 einen 23-Jährigen, der im Juli 2004 in Marokko von einem Hund gebissen wurde (1,2,3). Die urbane Form der Wutkrankheit war unter Hunden bis 1936 auch in den Bundesländern Niederösterreich, Wien, Burgenland und Steiermark verbreitet. Von 1919 bis 1926 starben dort 51 Menschen, von 1928 bis 1936 10 Menschen an der Wutkrankheit. Durch strenge Maßnahmen der Veterinärbehörden (Verbot des freien Herumlaufens der Tiere, Kennzeichnung der Hunde, Maulkorb- und Leinenpflicht, Einführung der Hundesteuer sowie das Einfangen herrenloser Tiere) gelang es, die Hundetollwut bis 1936 unter Kontrolle zu bringen. Durch wutkranke Hunde aus Slowenien wurde in der Steiermark ab 1941 eine lokale Epizootie mit einem menschlichen Tollwutfall (1942) im Grenzgebiet verursacht. Nach dem zweiten Weltkrieg breitete sich die Hundetollwut auch in Kärnten, dem Burgenland und Niederösterreich aus; von 1946 bis 1949 fielen der Tollwut sieben Menschen zum Opfer. Nach der Impfung von 30.000 Hunden war die urbane Tollwut in Österreich 1950 erloschen. Zuletzt wurde ein 23-jähriger Steirer im Jahr 2004 in Marokko von einem tollwütigen Hund gebissen; er starb wenige Wochen später.

Erkrankungen durch silvatische Tollwut:

Die silvatische Tollwut umschreibt die durch Wildkarnivoren übertragene Tollwut. In Mitteleuropa ist der Rotfuchs (Vulpes vulpes), ein Vertreter der Familie Canidae, das Hauptreservoir und somit für die Erhaltung und Ausbreitung der Tollwut verantwortlich (Fuchstollwut).
Der letzte derartige Todesfall nach Fuchsbiss wurde 1979 in Kärnten verzeichnet. In Österreich wurde die Fuchswut erstmalig 1947 im Grenzgebiet zur Tschechei (Waldviertel) entdeckt. Nach verstärktem Bejagen sowie Auslegung von Giftködern erlosch die Fuchstollwut 1955, und von 1956 bis 1965 war Österreich frei von der silvatischen Tollwut. Erneut trat sie 1966 in Tirol und 1967 in Vorarlberg auf, breitete sich entlang der Gebirgstäler aus und invadierte nach und nach alle Bundesländer. Im Herbst 1991 wurde in Österreich, nach erfolgreichen Feldversuchen in Vorarlberg (1986), Tirol und Steiermark (1987), Kärnten, Oberösterreich und Salzburg (1988) sowie Burgenland 1990, bundesweit eine sämtliche Wutgebiete abdeckende orale Immunisierung der Fuchspopulation mittels Köder begonnen, die in den östlichen und südöstlichen Jagdrevieren Österreichs bis heute aufrecht erhalten ist. Diese Köder sind mit Tetrazyklin markiert, das sich im Knochengewebe anreichert und sich dort unter UV-Licht durch seine spezifische Eigenfluoreszenz leicht nachweisen lässt. So kann zumindest die Aufnahme des Impfstoffes belegt werden, auch wenn dies noch keinen Beweis für einen belastbaren Impfstoff darstellt. In mehr als 90 Prozent der untersuchten Kieferknochen konnte das Antibiotikum nachgewiesen werden. Auf Anregung der EU und von ihr kofinanziert werden seit der Jagdsaison 2005/2006 auch Blutproben von erlegten Füchsen auf Antikörper gegen das Tollwutvirus untersucht. Dabei erhielt etwa ein Drittel der bis Februar 2010 getesteten 1195 Blutproben Antikörper in einer Konzentration, die als ausreichender Schutz angesehen werden kann. Die Anzahl der Blutproben mit einem ausreichenden Antikörperschutz lag in dieser Berichtsperiode erstmals bei 47,8% von insgesamt 184 getesteten Blutproben. Das ist aus unserer Sicht in erster Linie auf die verbesserte Probenqualität bei den Einsendungen zurückzuführen.
Im Jahr 2000 wurden nur mehr zwei wutkranke Füchse im Grenzgebiet zu Ungarn entdeckt. Ein neuerlicher Ausbruch der Tier-Tollwut in Kärnten im Jahr 2002 soll auf eine Einwanderung der Füchse von Slowenien zurückzuführen sein. In den Jahren 2004 und 2006 wurde jeweils bei einem Fuchs aus Österreich Tollwutvirus gefunden, das sich bei weitergehenden molekularbiologischen Untersuchungen aber als Impfvirus erwies, das von einem Jungtier aufgenommen worden war. In den Jahren 2007, 2008, 2009 und 2010 wurde in Östereich kein an Tollwut infiziertes Tier entdeckt.
Im Rahmen einer Publikation wurde 2007 über 7 humane Tollwut-Fälle der Jahre 2002 bis 2004 aus der Zhejiang Provinz im Osten von China auf Dachse (Meles meles) berichtet (4). Dachse waren bereits bisher als mögliche Wirtstiere bekannt, jedoch nicht als direkte Infektionsquelle für den Menschen beschrieben (5,6,7). 

Erkrankungen durch Fledermaustollwut:

Die Tollwut der europäischen Fledermäuse ist als eigenständiges Infektionsgeschehen zu betrachten und steht nicht mit der silvatischen Form der Tollwut (Fuchstollwut) in infektions-epidemischen Zusammenhang (Reservoir: europäische Fledermäuse). In der Zeit von 1977 bis 2000 wurde in Dänemark, Holland und Deutschland in insgesamt 630 Fledermäusen "European bat lyssavirus" (EBLV) nachgewiesen. Im Gegensatz zum klassischen Rabiesvirus überschreitet das EBLV nur sehr selten die Speziesschranke, i.e. Infektionen bei anderen Tieren als Fledermäusen oder bei Menschen sind selbst in EBVL-durchseuchten Gebieten sehr selten. Die Fledermaustollwut konnte in Österreich bislang weder beim Menschen noch beim Tier festgestellt werden. In Großbritannien, welches frei von der silvatischen Wut ist, konnte jedoch 2002 der Todesfall eines Menschen in Schottland auf Fledermaustollwut zurückgeführt werden. Auch in Finnland (1985) und Russland (1977 und 1985) wurden derartige Todesfälle beobachtet. In allen vier Fällen war ein enger Kontakt zu Fledermäusen dokumentiert und war keine postexpositionelle Behandlung erfolgt.
EBVL kann von infizierten Fledermäusen durch Bisse oder Kratzer übertragen werden. Auch über Speichel infizierter Fledermäuse könnte EBVL durch Schleimhautkontakt (z.B. Augenschleimhäute) oder Hautkratzer übertragen werden. Die bloße Anwesenheit einer infizierten Fledermaus in einem Zimmer reicht nicht für eine Übertragung des Erregers (keine dokumentierte aerogene Übertragung).
Um für Österreich eine konkretere Einschätzung des Infektionsrisikos zu ermöglichen, sollten tot aufgefundene Fledermäuse immer an das nationale Referenzlabor zur Testung auf Tollwut gesandt werden.
Beginnend 2007 werden alle in der Fledermausstation, die jetzt der Arbeitsgruppe Zoologie des Institus für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien angegliedert ist, gestorbene Fledermäuse auf Tollwut untersucht. Auch eine exakte Bestimmung der Spezies wird durchgeführt. So konnte die Zahl der getesteten Fledermäuse von zwei im Jahr 2006, 45 im Jahr 2007, 68 im Jahr 2008, 360 im Jahr 2009, und 80 im abgelaufenen Jahr erhöht werden.
Seit März 2009 steht mit dem Folder TOLLWUT-VORBEUGUNG: VORSICHT BEIM UMGANG MIT FLEDERMÄUSEN! den Gesundheits- und Veterinärbehörden zudem ein Instrument zur Verfügung, um die Öffentlichkeit im Falle des absehbaren erstmaligen Rabiesvirus-Nachweises bei Fledermäusen in Österreich akkordiert zu informieren.

Erkrankungen nach Transplantationen:

Todesfälle nach Tollwut -Übertragungen durch Organspenden wie in Deutschland im Jahr 2005 nach Lungen-, Nieren- und Nieren/Pankreas-Transplantation (7) oder den USA im Jahr 2004 (8) wurden in Österreich bislang nicht dokumentiert.

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