1.Bezeichnung des Arzneimittels
Berirab ® P
Gebrauchsfertige Lösung zur intramuskulären Anwendung
2.Qualitative und quantitative Zusammensetzung
Wirkstoff: Tollwut-Immunglobulin vom Menschen zur intramuskulären Anwendung
1 ml enthält:
Protein vom Menschen 100-170 mg
davon Immunglobulin mind. 95 %
mit Antikörpern gegen Tollwut-Virus mind. 150 I.E.
1 Ampulle zu 2 ml mit 300 I.E. Tollwut-Antikörpern
1 Ampulle zu 5 ml mit 750 I.E. Tollwut-Antikörpern
Hilfsstoffe: siehe Kapitel 6.1
3.Darreichungsform
Gebrauchsfertige Lösung zur intramuskulären Anwendung
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Prophylaxe der Tollwut nach vermuteter Exposition1 bei Personen, die über keinen oder einen unvollständigen Impfschutz2 verfügen. Die Anwendung erfolgt ausschließlich in Verbindung mit einer Tollwut-Impfung (siehe Kapitel 4.2, 4.5, sowie Tabellen 1-3).
1 Eine Exposition muß insbesondere angenommen werden bei (s.a. Tabelle 1):
– allen Verletzungen durch tollwütige oder tollwutverdächtige Haus- und Wildtiere (auch durch Fledermäuse mit Duvenhage-Virus),
– Kontakt der Schleimhäute oder der Haut, insbesondere der verletzten Haut, mit Speichel eines tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tieres,
– Kontakt von Schleimhäuten oder nicht-intakter Haut mit Impfstoffködern.
2 Als unvollständig geschützt gelten Personen:
– die mit einem Impfstoff von zweifelhafter Wirksamkeit geimpft wurden,
- die mit einem Impfstoff von einer Stärke < 2,5 IE pro Dosis geimpft wurden,
– mit begonnener oder abgebrochener Impfserie, die nicht sicher zur Grundimmunisierung geführt hat.
– deren vollständige aktive Immunisierung mehr als 5 Jahre zurückliegt.
4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung
Für alle Altersstufen gilt: einmalig 20 IE/kg Körpergewicht (Tabellen 1-3 sind zu beachten).
Wegen der Gefahr einer Interferenz mit der Antikörperbildung während der Impfbehandlung mit Tollwut-Vakzine darf weder die empfohlene Dosis erhöht, noch Tollwut-Immunglobulin wiederholt verabreicht werden.
Art der Anwendung
Es soll soviel wie möglich der Gesamtmenge des Tollwut-Immunglobulins möglichst tief in und um die Wunde herum appliziert werden. Der Rest wird vorzugsweise ventroglutäal am liegenden Patienten, auf jeden Fall jedoch an einer anderen Stelle wie die Tollwut-Vakzine, verabreicht.
Berirab P darf nur streng intramuskulär angewendet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Gefahr einer unbeabsichtigten intravasalen Gabe nach wiederholten intramuskulären Injektionen erhöht ist.
Nicht intravasal injizieren ! (siehe auch Kapitel 4.4)
Bei größeren Gesamtdosen ist eine Aufteilung zweckmäßig. Das gilt für Dosen von mehr als
2 ml bei Kindern bis zu 20 kg Körpergewicht und mehr als 5 ml bei Personen mit höherem Körpergewicht.
Die alleinige Anwendung von Tollwut-Immunglobulin schützt nicht gegen die Erkrankung. Daher muß unbedingt gleichzeitig, jedoch an einer anderen Körperstelle, eine Tollwut-Vakzine verabreicht werden. Bei der Tollwut-Impfung sind die Angaben in der Gebrauchsinformation für den Tollwut-Impfstoff unbedingt zu beachten.
Die Injektion von Berirab P hat möglichst am Verletzungstag simultan mit der ersten Impfstoffgabe zu erfolgen. Ist die Simultanprophylaxe unterlassen, d.h. nur der Impfstoff in vorschriftsmäßigen Intervallen gegeben worden, so ist die Gabe von Berirab P nur bis spätestens zum 7. Tag nach der ersten Impfstoffinjektion sinnvoll. Auch bei verspätetem Beginn der Simultanprophylaxe darf die vorgeschriebene Dosis Berirab P nicht erhöht werden.
4.3 Gegenanzeigen
Keine, da im Hinblick auf den tödlichen Ausgang klinisch manifester Tollwut eine Überbrückung der Zeitspanne bis zur Antikörperbildung nach aktiver Immunisierung dringend notwendig ist. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen die Bestandteile des Präparates sind Vorsichtsmaßnahmen zur Schockbehandlung zu treffen (siehe Kapitel 4.4).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Bei Anwendung von Tollwut-Impfstoff sind die aktuellen Anwendungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation zu beachten (siehe auch Art der Anwendung).
Nach Gabe von Berirab P wird eine Nachbeobachtungszeit von mind. 20 Min. empfohlen.
Nicht intravasal injizieren!
Bei intravasaler Verabreichung können Patienten mit schockartigen Symptomen reagieren, besonders wenn ein Antikörpermangelsyndrom vorliegt. Daher wird empfohlen, sich durch Aspiration davon zu überzeugen, daß kein Gefäß getroffen wurde.
Allergoide/anaphylaktoide Reaktionen sind bei intramuskulär angewendetem Immunglobulin vom Menschen selten. Bei jedem Verdacht auf eine allergoide/anaphylaktoide Reaktion ist Berirab P sofort abzusetzen und eine situationsgerechte Behandlung einzuleiten. Die aktuellen medizinischen Richtlinien zur Schockbehandlung sind zu beachten.
Eventuell zusätzlich zu ergreifende Gegenmaßnahmen:
a.) Bei leichten Reaktionen: Gabe von Kortikosteroiden und
Antihistaminika.
b.) Bei schweren oder lebensbedrohlichen Reaktionen
(z.B. anaphylaktischer Schock), in Abhängigkeit vom Schweregrad:
– sofort Adrenalin langsam i.v. geben,
– zusätzlich Kortikosteroide hochdosiert langsam i.v. geben,
– ggf. Volumenauffüllung, Sauerstoffgabe.
Besonders bei unbeabsichtigter i.v.-Gabe sind die Patienten längerfristig
(etwa 1 Std.) zu überwachen.
Virussicherheit:
Standardmethoden zur Vermeidung von Infektionskrankheiten, die im Rahmen der Anwendung von aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellten Arzneimitteln auftreten können, umfassen die Auswahl der Spender, die Testung von Einzelspenden und der Plasmapools auf spezifische Infektionsmarker sowie die Einbeziehung effektiver Herstellungsschritte zur Inaktivierung/Eliminierung von Viren. Trotz dieser Maßnahmen kann die Möglichkeit der Übertragung von Erregern bei der Anwendung von aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellten Arzneimitteln nicht vollständig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bisher unbekannte Viren und andere Pathogene.
Die getroffenen Maßnahmen werden als wirksam angesehen für umhüllte Viren wie z.B. HIV, HBV und HCV, und für nicht-umhüllte Viren wie HAV und Parvovirus B19.
Aufgrund klinischer Erfahrungen kann davon ausgegangen werden, dass bei der Verabreichung von Immunglobulinen keine Übertragung von Hepatitis A oder Parvovirus B19 erfolgt. Außerdem kann der Antikörpergehalt einen wichtigen Beitrag zur Virussicherheit liefern.
Im Interesse des Patienten wird dringend empfohlen, jede Verabreichung von Berirab P mit Produktnamen und Chargennummer zu dokumentieren.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Impfungen
Die Verabreichung von Immunglobulinen kann die Wirkung von Virus-Lebendimpfstoffen wie Masern, Röteln, Mumps und Varizellen über einen Zeitraum von mindestens 6 Wochen bis zu 3 Monaten beeinträchtigen. Nach Verabreichung des Produktes soll daher ein Zeitraum von mindestens 3 Monaten verstreichen, bevor eine Impfung mit einem Virus-Lebendimpfstoff erfolgt, da sonst durch die in Berirab P enthaltenen Antikörper die notwendige Virusvermehrung behindert und damit der Impferfolg in Frage gestellt wird.
Im Falle von Masern kann dieser Zeitraum bis zu 4 Monate dauern.
Zu folgenden Impfungen ist kein Abstand erforderlich:
- oral anzuwendenden Lebend-Impfstoffen (z.B. gegen Poliomyelitis, Typhus), weil nach Gabe dieser Impfstoffe die Immunität vorwiegend im Darm aufgebaut wird.
- Impfstoffe aus inaktivierten Erregern (z.B. gegen FSME, HIB, Influenza, Pertussis, Rabies) oder Toxoiden (z.B. gegen Diphtherie, Tetanus bzw. den entsprechenden Kombinationen).
Serologische Testverfahren
Bei serologischen Untersuchungen nach Verabreichung von Immunglobulinen ist zu beachten, daß dem Patienten durch das Immunglobulin ein weites Spektrum von Antikörpern zugeführt wird, die das Testergebnis für einige Zeit falsch-positiv beeinflussen können. Bei solchen Antikörperbestimmungen sind die Menge des zugeführten Immunglobulins, der zeitliche Abstand zur Immunglobulingabe und die Empfindlichkeit des Testverfahrens zu berücksichtigen.
Die passive Übertragung von Antikörpern, die gegen Erythrozyten-Antigene (z.B. A, B, D) gerichtet sind, kann mit serologischen Tests auf Erythrozytenantikörper (z.B. Antiglobulin Test – Coombs` Test) interferieren.
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Kontrollierte klinische Prüfungen mit Berirab P in der Schwangerschaft sind nicht durchgeführt worden. Daher sollte Berirab P an schwangere oder stillende Frauen nur mit Vorsicht verabreicht werden. Langzeiterfahrungen mit Immunglobulinen, besonders die Anwendung von Anti-D-Immunglobulin deuten darauf hin, dass keine schädigenden Auswirkungen auf die Schwangerschaft, den Fötus und das Neugeborene zu erwarten sind.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Es wurden keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beobachtet.
4.8 Nebenwirkungen
Gelegentlich kann es zu vorübergehendem Druckschmerz an der Injektionsstelle, zu Hautreaktionen (z.B. Schwellung, Erythem, Induration, Juckreiz, Ausschlag) sowie Temperaturerhöhung kommen.
Selten sind Übelkeit Erbrechen, Kopfschmerz, Arthralgie sowie Kreislaufreaktionen (z.B. Tachykardie, Bradykardie, Hypotension, Schweißausbruch, Schwindel) und allergoide/anaphylaktoide Reaktionen (z.B. mit Flush, Urtikaria, Dyspnoe). In Einzelfällen können Symptome bis hin zum Schock auftreten, insbesondere bei unbeabsichtigter intravasaler Injektion.
Therapeutische Maßnahmen richten sich nach Art und Schweregrad der Nebenwirkungen (siehe Kapitel 4.4)
Informationen zum Infektionsrisiko siehe Kapitel 4.4
4.9 Überdosierung
Folgen von Überdosierung sind nicht bekannt.
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsera und Immunglobuline
Tollwut-Immunglobulin vom Menschen
ATC-code: J06B B05
Berirab P enthält überwiegend Immunglobulin G (IgG), mit einem besonders hohen Anteil an Antikörpern gegen das Tollwut Virus.
Die Wirkung von Berirab P beruht auf antikörpervermittelter Virusneutralisation im Blut und extrazellulären Bereich.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Resorption von i.m. verabreichtem Immunglobulin aus dem Injektionsdepot beginnt ca. 20 Min. nach der Applikation. Das Maximum der erreichbaren Blutspiegel ist von Alter und Gesundheitszustand abhängig und wird 2 bis 6 Tage post injectionem erreicht. Die Halbwertszeit beträgt im Durchschnitt 3-4 Wochen.
Nach Resorption bzw. Verteilung sind die zugeführten Antikörper wirksam. Der Abbau von IgG und IgG-Komplexen erfolgt in den Zellen des retikuloendothelialen Systems.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Toxikologische Eigenschaften:
Immunglobuline vom Menschen sind ein normaler Bestandteil des menschlichen Plasmas. Bei humanen Immunglobulinen sind toxische Eigenschaften nicht bekannt. Toxikologische Untersuchungen haben gezeigt, daß das Mehrfache der menschlichen Dosis keine Toxizität aufweist.
Mutagenität:
Da klinische Erfahrungen keinen Hinweis auf onkogene (tumorigene) oder mutagene Wirkungen des Immunglobulins vom Menschen ergeben, werden Versuche mit heterologen Spezies als nicht notwendig erachtet.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
1 Ampulle zu 2 ml (mit 300 I.E. Tollwut-Antikörpern) enthält: Aminoessigsäure (Glycin), Natriumchlorid, HCl bzw. NaOH (in geringen Mengen zur Einstellung des pH-Wertes), Wasser für Injektionszwecke
1 Ampulle zu 5 ml (mit 750 I.E. Tollwut-Antikörpern) enthält: Aminoessigsäure (Glycin), Natriumchlorid, HCl bzw. NaOH (in geringen Mengen zur Einstellung des pH-Wertes), Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Berirab P darf nicht mit anderen Arzneimitteln vermischt werden.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
36 Monate.
Geöffnete Ampullen sind sofort zu verbrauchen.
6.4 Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Berirab P ist bei + 2°C bis + 8°C in der geschlossenen Faltschachtel aufzubewahren. Nicht einfrieren!
Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren!
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
1 Ampulle (Glas, Typ I, Ph. Eur.) zu 2 ml mit 300 I.E. Tollwut-Antikörpern
1 Ampulle (Glas, Typ I, Ph. Eur.) zu 5 ml mit 750 I.E. Tollwut-Antikörpern
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Berirab P ist gebrauchsfertig und wird körperwarm verabreicht.
Berirab P ist eine klare Lösung. Die Farbe kann von farblos bis schwach gelb, und im Laufe der Haltbarkeitsdauer bis zu hellbraun variieren.
Berirab P darf nach Ablauf des auf Packung und Behältnis angegebenen Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.
Trübe Lösungen oder Lösungen mit Rückständen (Partikeln/Niederschlägen) sind nicht zu verwenden.
Nicht verbrauchtes Präparat ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.
7. Inhaber der Zulassung
Zulassungsinhaber: Hersteller:
CSL Behring GmbH CSL Behring GmbH
Altmannsdorfer Strasse 104 Emil-von-Behring Strasse 76
A-1120 Wien D-35041 Marburg
8. Zulassungsnummer
2-00158
9. Datum der Erteilung der Zulassung/Verlängerung der Zulassung
23. Juni 2000/ 23. Juni 2005
10. Stand der Information
Februar 2007
11. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht
Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten
OEffentliche Gesundheit
Bereich: OEffentliche Gesundheit
Ort: 1220, Spargelfeldstrasse 191
Dienstort: Wien
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