NOROVIREN
Noroviren gelten weltweit als eine der häufigsten Ursachen für akute nicht-bakteriell bedingte Gastroenteritiden und sind für einen Großteil der Ausbrüche akuter viraler Gastroenteritis in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern sowie Senioren- und Pflegeheimen verantwortlich. An der Nationalen Referenzzentrale für Noroviren in Graz wurden im Jahr 2009 1911 Untersuchungen auf Noroviren durchgeführt. In 653 der 1710 Patientenproben konnten Noroviren nachgewiesen werden (nähere Informationen finden Sie hier).
Erreger
Noroviren (früher Norwalk-like-Viren) zählen zur Familie der Caliciviridae. Es handelt sich um einzelsträngige, nicht-umhüllte RNA-Viren, die erstmals 1972 durch immunelektronenmikroskopische Untersuchungen nachgewiesen wurden. Noroviren zeigen eine hohe Genomvariabilität, welche zu einer Vielzahl von genetischen Varianten führt. Derzeit werden die Noroviren in fünf Genogruppen (GG I bis V) unterteilt; innerhalb der Genogruppen I und II werden wenigstens 20 Genotypen unterschieden. Noroviren sind weltweit verbreitet, der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir des Erregers.
Übertragung und Krankheitsbild
Das Virus wird sowohl in großen Mengen über den Stuhl als auch über Erbrochenes ausgeschieden. Die Infektiosität ist sehr hoch, die minimale Infektionsdosis liegt bei 10-100 Viruspartikeln und ist damit sehr gering. Als Infektionsweg kommen die fäkal-orale Route sowie die aerogene Übertragung durch virushaltige Aerosole in Frage. Die Übertragung erfolgt entweder direkt von Mensch zu Mensch oder indirekt über kontaminierte Flächen, Gegenstände, Nahrungsmittel oder Wasser. Die Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung und mindestens bis zu 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptome. Das Virus kann in Regel 7-14 Tage nach einer akuten Erkrankung über den Stuhl ausgeschieden werden. Die Inkubationszeit beträgt ca. 15-48 Stunden. Die Erkrankung beginnt meist mit heftigem Erbrechen und Durchfall; weitere Symptome, die auftreten können, sind abdominale Schmerzen, Kopfschmerzen, Myalgien und Mattigkeit. Die klinischen Symptome dauern etwa 12-60 Stunden. Die Erkrankung ist in der Regel selbstlimitierend. Die Therapie erfolgt symptomatisch durch Ausgleich des zum Teil erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes.
Diagnostik
Noroviren können wie Caliciviren generell mittels Elektronenmikroskopie (EM) und Immunelektronenmikroskopie (IEM) im Stuhl von Patienten nachgewiesen werden. Der molekulare Nachweis von Norovirus-RNA mittels RT-PCR (Reverse Transkiptase-Poymerasekettenreaktion) wird derzeit als Methode der Wahl zur Diagnostik von Noroviren angesehen. Desweiteren werden Enzym-Immunoassays (EIAs) zum Antigennachweis aus dem Stuhl eingesetzt. In kritischen Fragestellungen, wie der Abklärung eines Ausbruchs, sollten jedoch negative EIA-Ergebnisse mittels RT-PCR Methoden verifiziert werden.
Therapie
In der Regel reicht eine ambulante Behandlung aus. Die Therapie erfolgt symptomatisch durch Ausgleich des zum Teil erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes. Eine kausale antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung.
Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen
Erkrankte Personen sollten in der akuten Erkrankungsphase Bettruhe einhalten und bis zu 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptome den Kontakt mit anderen Personen möglichst einschränken. Eine Ansteckungsfähigkeit besteht wahrscheinlich erst mit Beginn der akuten Erkrankung, so dass für nicht erkrankte Kontaktpersonen keine Maßnahmen erforderlich sind. Allerdings besteht eine Ansteckungsfähigkeit bereits bei Auftreten geringer gastrointestinaler Beschwerden.
Maßnahmen bei Ausbrüchen
Bei Ausbrüchen ist es wichtig, die Infektionsquelle rasch zu erkennen. Kommen als Ursache kontaminiertes Essen oder Getränke in Frage, müssen umgehend Maßnahmen eingeleitet werden, um das Wirken dieser Quelle auszuschalten.
Liegen Hinweise auf einen Norovirus-Ausbruch vor, sollten unverzüglich - auch noch vor der labordiagnostischen Bestätigung - Kontrollmaßnahmen eingeleitet werden.
Zur Vermeidung einer fäkal-oralen Übertragung ist die Einleitung umfangreicher Hygienemaßnahmen (Tragen von Handschuhen und Schutzkitteln, Absonderung der erkrankten Personen, zusätzliche Reinigung der Toiletten, intensivierte Händehygiene, häufige Desinfektion der Bettwäsche) erforderlich. In Anbetracht der hohen Kontagiosität des Norovirus sind diese Maßnahmen jedoch nur begrenzt wirksam. In der Praxis wird immer wieder beobachtet, dass mit gründlichen Hygienemaßnahmen weitere Erkrankungen nicht immer verhindert werden können.
In Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern und Altenheimen sollten Patienten-, Bewohner- und Personalbewegungen innerhalb der Stationen möglichst eingeschränkt werden, um eine Ausbreitung zwischen einzelnen Stationen und Bereichen der Einrichtung weitgehend zu minimieren. Erkranktes Personal sollte auch bei geringen gastrointestinalen Beschwerden von der Arbeit freigestellt werden und erst frühestens 2 Tage nach Ende der klinischen Symptomatik unter sorgfältiger Beachtung der Händehygiene die Arbeit wieder aufnehmen.
Nationale Referenzzentrale für Noroviren
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Graz
Beethovenstrasse 6, A-8010 Graz
Tel: +43 (0) 50555-61217
Fax: +43 (0) 50555-61208
E-mail: humanmed.graz@ages.at
Leitung: Dr. Ingeborg Lederer
Leitung-Stv.: PD Dr. Burkhard Springer
Med. Mikrobiologie und Hyg. Graz
Institut: Med. Mikrobiologie und Hyg. Graz
Ort: 8010, Beethovenstrasse 6
Dienstort: Graz
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