Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist variabel. Bei Ausbrüchen wurde Listeriose bei Personen beobachtet, die 3-70 Tage zuvor das ursächliche Lebensmittel konsumiert hatten. Die mediane Inkubationszeit soll 3 Wochen betragen.
 
Diagnose

Klinische Diagnostik

Bei Schwangeren äußert sich die Listeriose meistens in Form eines grippalen Infektes.
Bei Früh-und Neugeborenen kann eine Listeriose zu Sepsis, Meningitis, Pneumonie oder Granulomatosis infantiseptica führen.
Bei Erwachsenen, je nach Immunstatus, variiert die Listerieninfektion von selbstlimitierenden Gastroenteritiden bis hin zu Meningoenzephalitis.

Labordiagnostik

Der kulturelle Erregernachweis aus Blut, Liquor, Eiter, Punktaten oder (bei Neugeborenen) Abstrichen von Nabel, Ohr oder von Mekonium ist anzustreben. Fast 90% der Erkrankungen beim Menschen sind mit 3 der13 Serovare der Listeria monozytogenes assoziiert (4b, 1/2a und 1/2b).  Der serologische Antikörpernachweis ist für eine Listeriose nur bei Serokonversion belegend.

Lebensmittelmikrobiologische Diagnostik

Nachweis von Listerien erfolgt mittels standardisierten qualitativen, quantitativen sowie molekularbiologischen Methoden.

Chemoprophylaxe

Eine Antibiotikaprophylaxe ist im Allgemeinen nicht indiziert; lediglich bei klinisch auffälligen Neugeborenen kann bei mikroskopischem Nachweis von grampositiven Stäbchenbakterien im Mekonium der prophylaktische Einsatz von Antibiotika indiziert sein.

Meldepflicht

Listeriose wird im Epidemiegesetz nicht explizit als meldepflichtige Krankheit gelistet. Da sich diese Krankheit jedoch in vielen Fällen als Meningoenzephalitis oder Sepsis manifestiert, fallen solche Fälle unter die Meldepflicht für "invasive bakterielle Erkrankungen (Meningitiden und Sepsis)". Da Listerien-Infektionen hauptsächlich oral über kontaminierte Lebensmittel erworben werden, besteht zudem eine Meldepflicht als "bakterielle Lebensmittelvergiftung" (Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich - Ausg. von 24. Juli 2006: 114. Bundesgesetz: Änderung des Epidemiegesetzes 1950)

Dauer der Keimausscheidung

Mütter von infizierten Neugeborenen können den Erreger bis zu 10 Tage lang in den Lochien und im Harn ausscheiden.
Im Stuhl werden die Erreger meist nur über wenige Tage ausgeschieden.

Therapie

Als Therapie der Wahl gilt die synergistische Kombination: Aminopenicillin + Aminoglykosid. Bei Kontraindikationen für eines der beiden Medikamente wird Cotrimoxazol i.v. empfohlen (nicht bei Schwangeren). Weitere Therapie-Optionen: Vancomycin, Rifampicin, Meropenem.
Therapie-Dauer: 2-3 Wochen, u.U. (Enzephalitis) bis zu 6 Wochen.
Cephalosporine sind unwirksam!

Maßnahmen

Kontrolluntersuchungen:
Die Untersuchung von Stuhlproben des Patienten und seiner Angehörigen ist nicht zielführend. Das Hauptziel der amtsärztlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit Listeriose-Erkrankungen liegt in der Ermittlung der Infektionsquelle um etwaige Ausbrüche zu unterbinden. Es sollte deshalb eine gezielte Untersuchung von epidemiologisch involvierten Lebensmitteln und von Abstrichen aus dem Kühlschrank des Patienten mit dem Hinweis veranlasst werden, etwaige Listeriose monocytogenes Isolate an das nationale Referenzlabor weiterzuleiten, damit durch molekularbiologische Untersuchungen die Lebensmittelisolate mit dem Patientenisolat verglichen werden können.
 
Quarantäne- und Desinfektionsmaßnahmen:
Bei Infektionen mit L. monocytogenes sind Quarantäne- und Desinfektionsmaßnahmen nur beschränkt notwendig.
Auf Grund der Möglichkeit von nosokomialen Infektionen muss auf Neugeborenenstationen eine strikte Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln gefordert werden.

Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien

Institut: Institut für med. Mikrobiologie und Hygiene, Wien
Ort: 1096, Waehringerstrasse 25a
Dienstort: Wien

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